Was wäre, wenn Bildung nie aufhörte?

Your Socie¬≠ty Needs You!

Bil­dung ist nur nicht das, was in der Schu­le pas­siert. Mit der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on ist es höchs­te Zeit, neue Per­spek­ti­ven zu öffnen.

B√ľcher stehen in regalen einer Stra√üe
Lernorte sind nicht nur dort, wo wir sie bislang zumeist gesucht haben.

Es herrscht Einig¬≠keit, dass Bil¬≠dung zum einen Spie¬≠gel der Gesell¬≠schaft ist, aber auch der Schl√ľs¬≠sel zu zuk√ľnf¬≠ti¬≠gen Ent¬≠wick¬≠lun¬≠gen und des¬≠halb immer dort ange¬≠setzt wer¬≠den muss, wenn Ver¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen not¬≠wen¬≠dig sind, sie ver¬≠an¬≠kert wer¬≠den und nach¬≠hal¬≠tig wir¬≠ken sol¬≠len. Wer also die Dyna¬≠mik der Digi¬≠ta¬≠len Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠on, glo¬≠ba¬≠ler Umbr√ľ¬≠che und einen grund¬≠le¬≠gen¬≠den Wan¬≠del gesell¬≠schaft¬≠li¬≠cher Ord¬≠nung betrach¬≠tet, lan¬≠det zwangs¬≠l√§u¬≠fig bei der Fra¬≠ge und Debat¬≠te, wie Bil¬≠dung in einer Kul¬≠tur der Digi¬≠ta¬≠li¬≠t√§t aus¬≠se¬≠hen soll¬≠te. Es ist aber auch kein Geheim¬≠nis, dass das deut¬≠sche Bil¬≠dungs¬≠sys¬≠tem ein rie¬≠si¬≠ger und kom¬≠ple¬≠xer Tan¬≠ker ist, in dem Kurs¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen (zu) viel Zeit bean¬≠spru¬≠chen. So kann auf Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠ons¬≠pro¬≠zes¬≠se, wenn √ľber¬≠haupt, nur stark ver¬≠z√∂¬≠gert reagiert wer¬≠den. Kann aber trotz die¬≠ses Wider¬≠spruchs eine heu¬≠te und mor¬≠gen not¬≠wen¬≠di¬≠ge Bil¬≠dung gelin¬≠gen? Ja, sie kann ‚Äď wenn sie nicht auf Bil¬≠dungs¬≠ein¬≠rich¬≠tun¬≠gen redu¬≠ziert oder abge¬≠scho¬≠ben wird.

Bil­dung ist das Ergeb­nis von Gesellschaft

Dejan Miha¬≠jl¬≠o¬≠vic ist Real¬≠schul¬≠leh¬≠rer in Frei¬≠burg und arbei¬≠tet f√ľr das Staat¬≠li¬≠che Schul¬≠amt, Regie¬≠rungs¬≠pr√§¬≠si¬≠di¬≠um und Kul¬≠tus¬≠mi¬≠nis¬≠te¬≠ri¬≠um Baden-W√ľrt¬≠tem¬≠berg. Zum The¬≠ma zeit¬≠ge¬≠m√§¬≠√üe Bil¬≠dung im digi¬≠ta¬≠len Wan¬≠del schreibt er Kolum¬≠nen, h√§lt Vor¬≠tr√§¬≠ge und orga¬≠ni¬≠siert Events. Er ist auch im Vor¬≠stand von D64 e.V..

Wer √ľber Bil¬≠dung spricht, denkt meist auto¬≠ma¬≠tisch in Insti¬≠tu¬≠tio¬≠nen, trennt nach Alter, Schul¬≠art oder Ziel¬≠grup¬≠pen, trennt nach F√§chern oder Zei¬≠ten, wann Ange¬≠bo¬≠te statt¬≠fin¬≠den. Es wird zuge¬≠ord¬≠net und sor¬≠tiert. Ein¬≠rich¬≠tun¬≠gen und Rah¬≠men wer¬≠den gedank¬≠lich in den Vor¬≠der¬≠grund ger√ľckt und nicht der Vor¬≠gang, sich zu bil¬≠den, Wis¬≠sen zu erwer¬≠ben, zu ler¬≠nen. Dabei k√∂nn¬≠ten sich dort viel¬≠leicht eini¬≠ge Ant¬≠wor¬≠ten auf die Fra¬≠gen unse¬≠rer Zeit fin¬≠den las¬≠sen, teil¬≠wei¬≠se auch bei uns selbst: Wie bil¬≠den wir uns heu¬≠te? Wel¬≠che neu¬≠en M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten gibt es und nut¬≠zen wir auf wel¬≠che Art und Wei¬≠se? Wie ler¬≠nen wir von- und mit¬≠ein¬≠an¬≠der? Schlie√ü¬≠lich befin¬≠den wir uns alle in die¬≠ser glo¬≠bal ver¬≠net¬≠zen Welt vol¬≠ler Ver¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen, in der wir uns neu zu sor¬≠tie¬≠ren und zurecht¬≠zu¬≠fin¬≠den ver¬≠su¬≠chen. Wir pro¬≠bie¬≠ren und schei¬≠tern, reflek¬≠tie¬≠ren und ver¬≠su¬≠chen es erneut und ent¬≠wi¬≠ckeln uns per¬≠ma¬≠nent wei¬≠ter. Man¬≠che erlan¬≠gen so Exper¬≠ti¬≠se f√ľr noch uner¬≠schlos¬≠se¬≠ne Berei¬≠che, fern¬≠ab der klas¬≠si¬≠schen Bil¬≠dungs¬≠we¬≠ge. Es √§ndert sich nicht nur was, son¬≠dern auch wie, wann, wo oder mit wem wir ler¬≠nen und uns bilden.

Ja, es kos¬≠tet anfangs etwas Anstren¬≠gung, sich davon zu l√∂sen, den Begriff Ler¬≠nen nicht als schu¬≠li¬≠sches Ler¬≠nen (in dem Bezug oft auch als Aus¬≠wen¬≠dig¬≠ler¬≠nen oder das f√ľr einen Test Ler¬≠nen) zu ver¬≠ste¬≠hen, son¬≠dern als einen Pro¬≠zess, der uns t√§g¬≠lich mal mehr oder weni¬≠ger bewusst beglei¬≠tet. Ein Ler¬≠nen, das ohne Note oder Zer¬≠ti¬≠fi¬≠zie¬≠rung aus¬≠kommt und trotz¬≠dem tief¬≠gr√ľn¬≠dig und nach¬≠hal¬≠tig sein kann. Wir ler¬≠nen st√§n¬≠dig hin¬≠zu, sei es aus einem Gespr√§ch, das wir gef√ľhrt, einer Hand¬≠lung, die wir beob¬≠ach¬≠tet oder einem Text, den wir gele¬≠sen haben. Dabei bre¬≠chen wir nicht nach 45 Minu¬≠ten ab und wech¬≠seln das The¬≠ma, die Zusam¬≠men¬≠set¬≠zung der Grup¬≠pe oder sogar den Ort. Wir ler¬≠nen und bil¬≠den uns bei der Arbeit, in der Stra¬≠√üen¬≠bahn, beim Musik h√∂ren oder beim Fei¬≠ern mit Freun¬≠den wei¬≠ter. Es geschieht ganz bei¬≠l√§u¬≠fig, selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich und wan¬≠delt sich. 

Und w√§h¬≠rend die Welt sich grund¬≠le¬≠gend √§ndert, scheint sich die Dis¬≠kre¬≠panz zwi¬≠schen dem Ler¬≠nen wie es inner¬≠halb und au√üer¬≠halb von Bil¬≠dungs¬≠ein¬≠rich¬≠tun¬≠gen statt¬≠fin¬≠det zu ver¬≠gr√∂¬≠√üern. Was jedoch bei¬≠de Berei¬≠che eint, sind die zuneh¬≠mend kom¬≠ple¬≠xe¬≠ren Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠run¬≠gen der Digi¬≠ta¬≠len Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠on, die nur zusam¬≠men mit unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Exper¬≠ti¬≠sen und Per¬≠spek¬≠ti¬≠ven gemeis¬≠tert wer¬≠den k√∂n¬≠nen. Des¬≠halb brau¬≠chen Bil¬≠dungs¬≠ein¬≠rich¬≠tun¬≠gen und Leh¬≠ren¬≠de auch kei¬≠ne noch l√§n¬≠ge¬≠ren To-do-Lis¬≠ten, son¬≠dern neben poli¬≠ti¬≠scher auch eine gesamt¬≠ge¬≠sell¬≠schaft¬≠li¬≠che Unter¬≠st√ľt¬≠zung und Betei¬≠li¬≠gung. Es braucht weni¬≠ger Orte, an denen man schon alles wei√ü, kann und das zu ver¬≠mit¬≠teln ver¬≠sucht, son¬≠dern mehr Lern¬≠r√§u¬≠me, an denen eini¬≠ges noch und nur mit¬≠ein¬≠an¬≠der her¬≠aus¬≠ge¬≠fun¬≠den wer¬≠den kann und erar¬≠bei¬≠tet wer¬≠den muss. Und mit¬≠ein¬≠an¬≠der bedeu¬≠tet √ľber die Gren¬≠zen von Bil¬≠dungs¬≠in¬≠sti¬≠tu¬≠tio¬≠nen hin¬≠aus, also auch inter¬≠dis¬≠zi¬≠pli¬≠n√§r und mul¬≠ti¬≠per¬≠spek¬≠ti¬≠visch. Im Kon¬≠text von think glo¬≠bal, act local wird kom¬≠mu¬≠na¬≠ler (st√§d¬≠ti¬≠scher) Raum als (urba¬≠ner) Lern¬≠raum auf¬≠ge¬≠fasst und gestaltet.

Goog¬≠le Maps f√ľrs Ler¬≠nen im Niemandsland 

Im Prin¬≠zip m√ľs¬≠sen gemein¬≠sam lern¬≠to¬≠po¬≠gra¬≠fi¬≠sche und all¬≠ge¬≠mein¬≠zu¬≠g√§ng¬≠li¬≠che Kar¬≠ten f√ľr den kom¬≠mu¬≠na¬≠len Raum ent¬≠wi¬≠ckelt wer¬≠den. So, dass jede Per¬≠son wei√ü, wo sie vor Ort bestimm¬≠te Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen fin¬≠det, auf Fach¬≠kun¬≠di¬≠ge tref¬≠fen oder ihr Wis¬≠sen ein¬≠brin¬≠gen kann. Als w√ľr¬≠de man bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se die unz√§h¬≠li¬≠gen You¬≠Tube-Vide¬≠os, die einem die Welt erkl√§¬≠ren, die erstel¬≠len¬≠den Per¬≠so¬≠nen und die Pro¬≠duk¬≠ti¬≠on auch phy¬≠sisch und kom¬≠mu¬≠nal abbil¬≠den und greif¬≠bar machen. So etwas ver¬≠langt ein ver¬≠√§n¬≠der¬≠tes Selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠nis von allen an Bil¬≠dungs¬≠pro¬≠zes¬≠sen betei¬≠lig¬≠ten Per¬≠so¬≠nen und deren Ein¬≠rich¬≠tung: sich weni¬≠ger als abge¬≠schos¬≠se¬≠ne Ein¬≠heit, son¬≠dern als ein (kommunal-)zivilgesellschaftlicher Bestand¬≠teil zu ver¬≠ste¬≠hen, als eine Hal¬≠te¬≠stel¬≠le auf einer Kar¬≠te lebens¬≠lan¬≠gen Ler¬≠nens. Die¬≠ses Umden¬≠ken f√ľhrt einer¬≠seits zu mehr gesell¬≠schaft¬≠li¬≠cher Ver¬≠ant¬≠wor¬≠tung, ver¬≠gr√∂¬≠√üert aber zugleich die M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten, sich wei¬≠ter¬≠zu¬≠ent¬≠wi¬≠ckeln, indem sich der Kreis an Per¬≠so¬≠nen mit unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Kennt¬≠nis¬≠sen und Erfah¬≠run¬≠gen erwei¬≠tert. Im Prin¬≠zip m√ľss¬≠ten eini¬≠ge Ele¬≠men¬≠te vom Ler¬≠nen im Netz in den phy¬≠si¬≠schen und kom¬≠mu¬≠na¬≠len Raum √ľber¬≠tra¬≠gen und geformt wer¬≠den: Ein offe¬≠ner Zugang zu Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen und Expert*innen, attrak¬≠ti¬≠ve Gele¬≠gen¬≠hei¬≠ten, davon zu erfah¬≠ren oder auch diver¬≠se M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten f√ľr Ver¬≠net¬≠zung, Aus¬≠tausch und Kollaboration. 

Weil Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠ons¬≠pro¬≠zes¬≠se Gren¬≠zen auf¬≠l√∂¬≠sen, befin¬≠den sich vie¬≠le Pro¬≠blem¬≠stel¬≠lun¬≠gen im gesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Nie¬≠mands¬≠land, au√üer¬≠halb und zwi¬≠schen den Sys¬≠te¬≠men und Struk¬≠tu¬≠ren, ohne kla¬≠re Zust√§n¬≠dig¬≠kei¬≠ten. Des¬≠halb wer¬≠den ent¬≠we¬≠der oft eige¬≠ne L√∂sun¬≠gen ent¬≠wi¬≠ckelt, die nicht funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren, weil sie nur aus der eige¬≠nen Per¬≠spek¬≠ti¬≠ve gedacht wur¬≠den oder es wird erst gar nicht inves¬≠tiert, weil es von bis¬≠he¬≠ri¬≠gen Sys¬≠te¬≠men aus bli¬≠ckend kei¬≠nen Sinn ergibt. Was bringt also zum Bei¬≠spiel ein Smart¬≠pho¬≠ne-Ver¬≠bot in der Schu¬≠le, wenn es au√üer¬≠halb der Schul¬≠zeit st√§n¬≠dig im Ein¬≠satz ist? Aus schu¬≠li¬≠scher Sicht und dem Ver¬≠st√§nd¬≠nis, die¬≠se Ger√§¬≠te als rei¬≠ne St√∂r¬≠fak¬≠to¬≠ren zu betrach¬≠ten, scheint das Pro¬≠blem dadurch zwar gel√∂st zu sein, aber alle ande¬≠ren per¬≠s√∂n¬≠li¬≠chen und gesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠run¬≠gen blei¬≠ben wei¬≠ter¬≠hin unan¬≠ge¬≠tas¬≠tet und ledig¬≠lich aus dem Sicht¬≠feld der Schu¬≠le gedr√§ngt. Die Kul¬≠tur der Digi¬≠ta¬≠li¬≠t√§t hat grund¬≠le¬≠gend ver¬≠√§n¬≠dert wie wir kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren, uns infor¬≠mie¬≠ren, arbei¬≠ten oder von- und mit¬≠ein¬≠an¬≠der ler¬≠nen. Des¬≠halb braucht es auch grund¬≠le¬≠gend ande¬≠re Vor¬≠ge¬≠hens¬≠wei¬≠sen und L√∂sun¬≠gen. Wer bef√§¬≠higt denn die Gesell¬≠schaft zu kul¬≠tu¬≠rel¬≠ler Teil¬≠ha¬≠be oder zu einem sou¬≠ve¬≠r√§¬≠nen und m√ľn¬≠di¬≠gen Auf¬≠tre¬≠ten im Netz? Freun¬≠de und Bekann¬≠te, die Eltern¬≠h√§u¬≠ser, die Schu¬≠len, die Hoch¬≠schu¬≠len, der aus¬≠zu¬≠bil¬≠den¬≠den Betrieb oder die Ver¬≠ei¬≠ne? Eins ist sicher: Allei¬≠ne klappt das nicht. Nur wo k√∂n¬≠nen vie¬≠le von ihnen auf¬≠ein¬≠an¬≠der¬≠tref¬≠fen? Wo k√∂n¬≠nen sie √ľber Fra¬≠gen dis¬≠ku¬≠tie¬≠ren, Wis¬≠sen und Erfah¬≠run¬≠gen aus¬≠tau¬≠schen und gemein¬≠sa¬≠me Kon¬≠zep¬≠te entwickeln?

Was w√§re, wenn das gesam¬≠te (kom¬≠mu¬≠na¬≠le) Wis¬≠sen und K√∂n¬≠nen zu den vie¬≠len uner¬≠forsch¬≠ten Berei¬≠chen des kul¬≠tu¬≠rel¬≠len Wan¬≠dels f√ľr alle offen, zug√§ng¬≠lich und trans¬≠pa¬≠rent w√§re? Wenn s√§mt¬≠li¬≠che Expert*innen bekannt w√§ren und gemein¬≠sam an Kon¬≠zep¬≠ten arbei¬≠ten w√ľr¬≠den? Wenn kei¬≠ne Hier¬≠ar¬≠chi¬≠en, fach¬≠li¬≠chen Gren¬≠zen und sons¬≠ti¬≠gen Tel¬≠ler¬≠r√§n¬≠der den Dia¬≠log erschwe¬≠ren w√ľr¬≠den? Wenn der Antrieb ein huma¬≠nis¬≠ti¬≠scher w√§re, der sich am gro¬≠√üen Gan¬≠zen, der Ver¬≠nunft und gesell¬≠schaft¬≠li¬≠cher Ver¬≠ant¬≠wor¬≠tung ori¬≠en¬≠tiert? Die¬≠se Ans√§t¬≠ze gibt es viel¬≠leicht bereits man¬≠cher¬≠orts. Im kom¬≠mu¬≠na¬≠len Raum kom¬≠men sie noch (zu) sel¬≠ten bis gar nicht vor. Aber hier fin¬≠det ein Gro√ü¬≠teil von Bil¬≠dung statt.

Not the sys¬≠tem, chan¬≠ge the people 

Wahr¬≠schein¬≠lich besteht ein Denk¬≠feh¬≠ler vie¬≠ler geschei¬≠ter¬≠ten Bem√ľ¬≠hun¬≠gen, eine zeit¬≠ge¬≠m√§¬≠√üe Bil¬≠dung anzu¬≠stre¬≠ben, unter ande¬≠rem dar¬≠in, Sys¬≠te¬≠me ver¬≠√§n¬≠dern zu wol¬≠len, die sich selbst erhal¬≠ten und gr√∂√ü¬≠ten¬≠teils auf Ver¬≠wal¬≠tung des Bis¬≠he¬≠ri¬≠gen aus¬≠ge¬≠legt sind. Es wird aber nie¬≠mals gelin¬≠gen, mit einem rie¬≠si¬≠gen Bil¬≠dungs¬≠tan¬≠ker fle¬≠xi¬≠bel Wel¬≠len zu sur¬≠fen. Muss es auch nicht. Wer Inno¬≠va¬≠ti¬≠on w√ľnscht, muss neue Wege gehen. Und da die¬≠se Sys¬≠te¬≠me nicht vom Him¬≠mel gefal¬≠len, son¬≠dern men¬≠schen¬≠ge¬≠macht sind, muss eben dort auch wie¬≠der ange¬≠setzt wer¬≠den, um das not¬≠wen¬≠di¬≠ge Mind¬≠set f√ľr das digi¬≠ta¬≠le Zeit¬≠al¬≠ter zu errei¬≠chen. Wo k√∂nn¬≠te das bes¬≠ser gelin¬≠gen als im bereits erw√§hn¬≠ten Nie¬≠mands¬≠land, zwi¬≠schen den Sys¬≠te¬≠men und Struk¬≠tu¬≠ren? Wo Zust√§n¬≠dig¬≠kei¬≠ten unklar sind, ist Spiel¬≠raum f√ľr Neu¬≠es. Und neu¬≠es Den¬≠ken braucht Freir√§ume 

Es braucht kri¬≠tisch den¬≠ken¬≠de Men¬≠schen, die Kom¬≠ple¬≠xi¬≠t√§t bew√§l¬≠ti¬≠gen oder ertra¬≠gen k√∂n¬≠nen und sich nicht durch ein¬≠fa¬≠che, ver¬≠meint¬≠li¬≠che Ant¬≠wor¬≠ten k√∂dern las¬≠sen. Men¬≠schen, die nicht vor der Viel¬≠zahl an Dys¬≠to¬≠pi¬≠en erstar¬≠ren, son¬≠dern sou¬≠ve¬≠r√§n und m√ľn¬≠dig die Zukunft gestal¬≠ten k√∂n¬≠nen und m√∂ch¬≠ten. Wahr¬≠schein¬≠lich w√ľr¬≠de John F. Ken¬≠ne¬≠dy an die¬≠ser Stel¬≠le auf¬≠ru¬≠fen, nicht zu fra¬≠gen, was Bil¬≠dung f√ľr euch tun kann, son¬≠dern zu fra¬≠gen, was ihr f√ľr Bil¬≠dung tun k√∂nnt. Wer Bil¬≠dung als lebens¬≠lan¬≠ge und gesamt¬≠ge¬≠sell¬≠schaft¬≠li¬≠che Auf¬≠ga¬≠be ver¬≠steht, muss nicht auf Erlaub¬≠nis oder eine Anord¬≠nung war¬≠ten, um sich Ver¬≠b√ľn¬≠de¬≠te zu suchen, um attrak¬≠ti¬≠ve R√§u¬≠me f√ľr Aus¬≠tausch, Ver¬≠net¬≠zung und Kol¬≠la¬≠bo¬≠ra¬≠ti¬≠on zu er√∂ff¬≠nen. Das Netz bie¬≠tet heu¬≠te zudem ein¬≠fa¬≠che M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten, sich zu orga¬≠ni¬≠sie¬≠ren, sicht¬≠bar zu machen und ande¬≠re zur Betei¬≠li¬≠gung zu ani¬≠mie¬≠ren. Wes¬≠halb nicht Tref¬≠fen durch¬≠f√ľh¬≠ren, Pro¬≠jek¬≠te umset¬≠zen oder Koope¬≠ra¬≠tio¬≠nen initiieren?

Ver¬≠an¬≠stal¬≠tun¬≠gen k√∂n¬≠nen ein guter Auf¬≠takt f√ľr einen zivil¬≠ge¬≠sell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Auf¬≠bruch zu zeit¬≠ge¬≠m√§¬≠√üer Bil¬≠dung sein. Oft bean¬≠spru¬≠chen sie das auch f√ľr sich und schm√ľ¬≠cken sich als neue und inno¬≠va¬≠ti¬≠ve Kon¬≠zep¬≠te, sind es aber sel¬≠ten. Events zu ‚Äč‚Äúdigi¬≠ta¬≠ler Bil¬≠dung‚Äú erfreu¬≠en sich n√§m¬≠lich gro¬≠√üer Beliebt¬≠heit und schie¬≠√üen in den letz¬≠ten Jah¬≠ren bun¬≠des¬≠weit wie Pil¬≠ze aus dem Boden. Dabei wer¬≠den ger¬≠ne ver¬≠meint¬≠li¬≠che ‚Äč‚ÄúAll inclu¬≠si¬≠ve und sorg¬≠los‚ÄĚ-Pake¬≠te geschn√ľrt, die bes¬≠ten Hard- und Soft¬≠ware-L√∂sun¬≠gen ver¬≠spro¬≠chen und die inno¬≠va¬≠tivs¬≠ten Speaker*innen aus der Fer¬≠ne der Repu¬≠blik ein¬≠ge¬≠flo¬≠gen. Nicht sel¬≠ten reist die geball¬≠te Exper¬≠ti¬≠se dann nach beein¬≠dru¬≠cken¬≠den Vor¬≠tr√§¬≠gen wie¬≠der ab und hin¬≠ter¬≠l√§sst die Wir¬≠kung eines Stroh¬≠feu¬≠ers. Die¬≠se Kon¬≠zep¬≠te geh√∂¬≠ren zum gro¬≠√üen Bil¬≠dungs¬≠tan¬≠ker. Es feh¬≠len Frei¬≠r√§u¬≠me f√ľr agi¬≠les Den¬≠ken und Han¬≠deln abseits der klas¬≠si¬≠schen Pfade. 

Grenz¬≠√ľber¬≠schrei¬≠tend vor Ort

Am Bei¬≠spiel von Ver¬≠an¬≠stal¬≠tun¬≠gen, Tref¬≠fen oder sons¬≠ti¬≠gen R√§u¬≠men f√ľr einen Aus¬≠tausch l√§sst sich exem¬≠pla¬≠risch an sechs Punk¬≠ten ver¬≠an¬≠schau¬≠li¬≠chen, wel¬≠che Aspek¬≠te bedacht wer¬≠den soll¬≠ten, um Bil¬≠dung in der Kul¬≠tur der Digi¬≠ta¬≠li¬≠t√§t als gemein¬≠sa¬≠me Auf¬≠ga¬≠be ankom¬≠men zu las¬≠sen und lern¬≠to¬≠po¬≠gra¬≠fi¬≠sche Kar¬≠ten online und off¬≠line zu zeichnen:

1.) Jedes Ange¬≠bot soll¬≠te Teil eines gr√∂¬≠√üe¬≠ren Kon¬≠zepts, einer lang¬≠fris¬≠ti¬≠gen Stra¬≠te¬≠gie, eines nie enden¬≠den Pro¬≠zes¬≠ses sein, der unter Ber√ľck¬≠sich¬≠ti¬≠gung der rest¬≠li¬≠chen, fol¬≠gen¬≠den Punk¬≠te erar¬≠bei¬≠tet wer¬≠den soll¬≠te. Sonst bleibt es nur ein Trop¬≠fen auf den hei¬≠√üen Stein, ver¬≠pufft in der Wir¬≠kung und erzeugt im schlimms¬≠ten Fall sogar Frust.

2.) Die Ange¬≠bo¬≠te m√ľs¬≠sen offen und trans¬≠pa¬≠rent sein. Die Wahl der Orte, der Zeit oder √ľber wel¬≠che Kan√§¬≠le kom¬≠mu¬≠ni¬≠ziert wird, ent¬≠schei¬≠den dabei mit √ľber die all¬≠ge¬≠mei¬≠ne Zug√§nglichkeit. 

3.) Es braucht eine mög­lichst inter­dis­zi­pli­nä­re und diver­se Zusam­men­set­zung an Per­so­nen und The­men, weil nur mit einer Viel­falt an Exper­ti­sen und Per­spek­ti­ven die kom­ple­xen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit gelöst wer­den können.

4.) Die Ange¬≠bo¬≠te m√ľs¬≠sen unter¬≠schied¬≠li¬≠che M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten der Betei¬≠li¬≠gung und Selbst¬≠be¬≠stim¬≠mung ent¬≠hal¬≠ten. Es braucht kein wei¬≠te¬≠res Abfah¬≠ren kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ver Ein¬≠bahn¬≠stra¬≠√üe, son¬≠dern einen Rah¬≠men, in dem Inhal¬≠te und Abl√§u¬≠fe mit¬≠ge¬≠stal¬≠tet wer¬≠den k√∂nnen.

5.) Weil nicht immer alle Per¬≠so¬≠nen die Ange¬≠bo¬≠te wahr¬≠neh¬≠men k√∂n¬≠nen, erst sp√§¬≠ter davon erfah¬≠ren oder am Tag selbst kei¬≠ne Gele¬≠gen¬≠heit hat¬≠ten, sich mit allen aus¬≠zu¬≠tau¬≠schen und zu ver¬≠net¬≠zen, ist Anschluss¬≠f√§¬≠hig¬≠keit bez√ľg¬≠lich Per¬≠so¬≠nen und The¬≠men ein wesent¬≠li¬≠cher Bestand¬≠teil nach¬≠hal¬≠ti¬≠ger Pro¬≠zes¬≠se. Des¬≠halb sind Ankn√ľp¬≠fungs¬≠m√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten, √ľber das Ange¬≠bot hin¬≠aus, beson¬≠ders wichtig.

6.) Wert¬≠sch√§tzt die ‚Äč‚ÄúPro¬≠phe¬≠ten‚ÄĚ im eige¬≠nen Land! Nicht sel¬≠ten ist die loka¬≠le, regio¬≠na¬≠le Viel¬≠falt an Exper¬≠ti¬≠se gar nicht bekannt, weil sie schein¬≠bar oft viel Kos¬≠ten und weit weg sein muss, um etwas wert zu sein. Dabei haben gera¬≠de die¬≠se Per¬≠so¬≠nen ein eige¬≠nes Inter¬≠es¬≠se dar¬≠an, nach¬≠hal¬≠ti¬≠ge und wirk¬≠sa¬≠me Pro¬≠zes¬≠se vor Ort anzu¬≠sto¬≠√üen oder haben Ein¬≠bli¬≠cke in die loka¬≠len Begebenheiten. 

Span¬≠nend wird es, wenn auch das Ler¬≠nen und Lern¬≠set¬≠ting in Schu¬≠len und Hoch¬≠schu¬≠len mit die¬≠sen Aspek¬≠ten durch¬≠dacht wer¬≠den. Dann wird deut¬≠lich, wel¬≠ches Poten¬≠zi¬≠al hier noch brach¬≠liegt und Ver¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen noch aus¬≠ste¬≠hen; sei es beim Mind¬≠set, bei den Res¬≠sour¬≠cen oder R√§u¬≠men. Es geht hier aber nicht um Visio¬≠nen, die in einer fer¬≠nen Zukunft lie¬≠gen k√∂nn¬≠ten. Eini¬≠ges fin¬≠det bereits statt. Ein Blick in sozia¬≠le Netz¬≠wer¬≠ke legt offen, dass sich immer mehr Men¬≠schen √ľber Gren¬≠zen hin¬≠weg zusam¬≠men¬≠schlie¬≠√üen, sich in fle¬≠xi¬≠blen Struk¬≠tu¬≠ren orga¬≠ni¬≠sie¬≠ren und die neu¬≠ge¬≠won¬≠ne¬≠nen M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten nut¬≠zen, die eine Kul¬≠tur der Digi¬≠ta¬≠li¬≠t√§t bie¬≠tet, um ihre Ange¬≠bo¬≠te und Anlie¬≠gen sicht¬≠bar zu machen und ein¬≠zu¬≠la¬≠den, Bil¬≠dung neu zu den¬≠ken, zu gestal¬≠ten, gemein¬≠sam, glo¬≠bal den¬≠kend und lokal han¬≠delnd. Ihre Ant¬≠wort auf Bil¬≠dung im 21. Jahr¬≠hun¬≠dert lau¬≠tet: Your socie¬≠ty needs you!