Was wäre, wenn Feminismus nicht mehr nötig wäre?

Von der Frei¬≠heit, Haus¬≠frau zu sein

Dem Kampf ihrer M√ľt¬≠ter zum Trotz zie¬≠hen vie¬≠le jun¬≠ge Frau¬≠en das Fami¬≠li¬≠en¬≠le¬≠ben der Kar¬≠rie¬≠re vor. Ist das der Gewinn einer neu¬≠en Wahl¬≠frei¬≠heit oder Aus¬≠druck hart¬≠n√§¬≠cki¬≠ger Ungleichheiten?

Foto: Benjamin Manley

‚ÄěEs gibt weni¬≠ge Auf¬≠ga¬≠ben, die der Sisy¬≠phus-Qual ver¬≠wand¬≠ter sind als die Haus¬≠frau¬≠en¬≠ar¬≠beit.‚Äú Das schrieb Simo¬≠ne de Beau¬≠voir in ihrem femi¬≠nis¬≠ti¬≠schen Werk ‚Äč‚ÄěDas ande¬≠re Geschlecht‚Äú im Jahr 1949. F√ľr die Phi¬≠lo¬≠so¬≠phin, die daf√ľr den Ver¬≠gleich mit einer der unfrei¬≠es¬≠ten Figu¬≠ren der grie¬≠chi¬≠schen Mytho¬≠lo¬≠gie bem√ľh¬≠te, hat¬≠te die Rol¬≠le der Frau als Haus¬≠frau und Mut¬≠ter nichts mit Selbst¬≠be¬≠stim¬≠mung zu tun. Son¬≠dern mit Gefan¬≠gen¬≠schaft. √úber die Ehe schrieb de Beau¬≠voir, die¬≠se sei das Schick¬≠sal, das die Gesell¬≠schaft f√ľr die Frau bereithalte.

Mut¬≠ter und Haus¬≠frau zu sein als unent¬≠rinn¬≠ba¬≠res Schick¬≠sal? Wer heu¬≠te der Genera¬≠ti¬≠on der Drei¬≠√üig- bis Vier¬≠zig¬≠j√§h¬≠ri¬≠gen ange¬≠h√∂rt und sich im Freun¬≠des¬≠kreis umsieht, kann mit¬≠un¬≠ter fest¬≠stel¬≠len, dass vie¬≠le Frau¬≠en mit der Geburt des ers¬≠ten Kin¬≠des ihre Prio¬≠ri¬≠t√§¬≠ten neu set¬≠zen: Weg vom Beruf hin zur Fami¬≠lie. F√ľr das Ph√§¬≠no¬≠men, dass ein Paar sp√§¬≠tes¬≠tens nach der Geburt des ers¬≠ten Kin¬≠des ‚Äč‚Äětra¬≠di¬≠tio¬≠nel¬≠le‚Äú Rol¬≠len ein¬≠nimmt, gibt es einen Namen: ‚Äč‚ÄěRetra¬≠di¬≠tio¬≠na¬≠li¬≠sie¬≠rung‚Äú. Der Mann geht arbei¬≠ten, die Frau k√ľm¬≠mert sich um Haus¬≠halt und Kinder. 

Gil¬≠da Sahe¬≠bi ist freie Jour¬≠na¬≠lis¬≠tin mit den Schwer¬≠punk¬≠ten Frau¬≠en¬≠rech¬≠te, Anti¬≠se¬≠mi¬≠tis¬≠mus und Ras¬≠sis¬≠mus, Naher Osten. Zuvor als √Ąrz¬≠tin und Poli¬≠tik¬≠wis¬≠sen¬≠schaft¬≠le¬≠rin aus¬≠ge¬≠bil¬≠det, schrieb sie unter ande¬≠rem als Autorin beim ‚Äč‚ÄěNeo Maga¬≠zin Roya¬≠le‚Äú, aktu¬≠ell bei den Neu¬≠en deut¬≠schen Medienmacher*innen.

Aka¬≠de¬≠misch, libe¬≠ral, gr√ľn

Gegen die¬≠ses Lebens¬≠mo¬≠dell haben die Femi¬≠nis¬≠tin¬≠nen der sech¬≠zi¬≠ger und sieb¬≠zi¬≠ger Jah¬≠re gek√§mpft ‚Äď sie woll¬≠ten sich nicht mit der Rol¬≠le als Haus¬≠frau und Mut¬≠ter begn√ľ¬≠gen und sich end¬≠lich aus die¬≠sen Restrik¬≠tio¬≠nen und Kon¬≠ven¬≠tio¬≠nen befrei¬≠en. Ent¬≠fer¬≠nen sich nun die T√∂ch¬≠ter jener Genera¬≠ti¬≠on von den K√§mp¬≠fen ihrer M√ľt¬≠ter? Und was bedeu¬≠tet das f√ľr den Femi¬≠nis¬≠mus: Back¬≠lash oder neue Souver√§nit√§t?

Wenn Frau¬≠en nicht frei¬≠wil¬≠lig f√ľr Kin¬≠der und Haus¬≠halt zu Hau¬≠se blei¬≠ben, son¬≠dern durch die gesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen und wirt¬≠schaft¬≠li¬≠chen Umst√§n¬≠de ‚Äď ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re die nicht rea¬≠li¬≠sier¬≠te, viel¬≠zi¬≠tier¬≠te Ver¬≠ein¬≠bar¬≠keit von Fami¬≠lie und Beruf und die gro¬≠√üe Lohn¬≠l√ľ¬≠cke zwi¬≠schen Mann und Frau ‚Äď kei¬≠ne ande¬≠re Wahl haben, kann nicht von einer sou¬≠ve¬≠r√§¬≠nen Ent¬≠schei¬≠dung gespro¬≠chen wer¬≠den. F√ľr vie¬≠le Frau¬≠en trifft das frag¬≠los zu. Aber sind unter den Frau¬≠en, die zuguns¬≠ten der Kin¬≠der¬≠er¬≠zie¬≠hung beruf¬≠lich zur√ľck¬≠ste¬≠cken, nicht auch sol¬≠che, die ihre Prio¬≠ri¬≠t√§¬≠ten bewusst ‚Äď und selbst¬≠be¬≠wusst ‚Äď neu setzen?

Tat¬≠s√§ch¬≠lich l√§sst sich n√§m¬≠lich beob¬≠ach¬≠ten: Vie¬≠le jun¬≠ge Frau¬≠en sind gut, meist aka¬≠de¬≠misch aus¬≠ge¬≠bil¬≠det, bezeich¬≠nen sich als libe¬≠ral, gr√ľn, Femi¬≠nis¬≠tin¬≠nen. Sie w√ľn¬≠schen sich Gleich¬≠be¬≠rech¬≠ti¬≠gung zwi¬≠schen den Geschlech¬≠tern, sind f√ľr die Frau¬≠en¬≠quo¬≠te und w√ľn¬≠schen sich Frau¬≠en in F√ľh¬≠rungs¬≠po¬≠si¬≠tio¬≠nen. Sie haben stu¬≠diert, waren im Aus¬≠land, haben Prak¬≠ti¬≠ka gemacht, in hohen Posi¬≠tio¬≠nen gear¬≠bei¬≠tet, haben ehr¬≠gei¬≠zi¬≠ge Pl√§¬≠ne f√ľr die Kar¬≠rie¬≠re ‚Äď und ent¬≠schei¬≠den sich mit dem ers¬≠ten Kind bewusst, beruf¬≠lich zur√ľck¬≠zu¬≠ste¬≠cken. Was steckt dahinter?

Der neue R√ľck¬≠zug ins Privatleben

Jun¬≠ge Frau¬≠en ent¬≠de¬≠cken mit der Geburt eines Kin¬≠des nicht urpl√∂tz¬≠lich, dass sie tief im Inne¬≠ren eigent¬≠lich schon immer kon¬≠ser¬≠va¬≠tiv und ‚Äč‚Äětra¬≠di¬≠tio¬≠nell‚Äú waren. Im Gegen¬≠teil, in den meis¬≠ten Bezie¬≠hun¬≠gen waren vor Geburt des ers¬≠ten Kin¬≠des die Auf¬≠ga¬≠ben im Haus¬≠halt ega¬≠li¬≠t√§r ver¬≠teilt; bei¬≠de Sei¬≠ten leg¬≠ten gro¬≠√üen Wert auf ein gleich¬≠be¬≠rech¬≠tig¬≠tes Ver¬≠h√§lt¬≠nis. Was sich aber √§ndert, wenn Kin¬≠der auf die Welt kom¬≠men: Ein ech¬≠ter R√ľck¬≠zugs¬≠ort ent¬≠steht. Die Fried¬≠rich-Ebert-Stif¬≠tung hat 2016 f√ľr eine repr√§¬≠sen¬≠ta¬≠ti¬≠ve Stu¬≠die (‚ÄěWas jun¬≠ge Frau¬≠en wol¬≠len‚Äú) Frau¬≠en im Alter zwi¬≠schen 18 und 40 Jah¬≠ren nach ihren Ein¬≠stel¬≠lun¬≠gen zu Beruf, Fami¬≠lie und Gleich¬≠be¬≠rech¬≠ti¬≠gung gefragt. Die¬≠ser Stu¬≠die zufol¬≠ge w√ľn¬≠schen sich nicht nur Frau¬≠en aus dem ‚Äč‚Äěkon¬≠ser¬≠va¬≠ti¬≠ven‚Äú Milieu ‚Äč‚ÄěRuhe und R√ľck¬≠zug in eine har¬≠mo¬≠ni¬≠sche, sta¬≠bi¬≠le moder¬≠ne ‚Äč‚Äöhei¬≠le Welt‚Äė‚Äú, die Familie. 

Zu den ‚Äč‚ÄěKon¬≠ser¬≠va¬≠ti¬≠ven‚Äú z√§hlt die Stu¬≠die Frau¬≠en, f√ľr die die ‚Äč‚Äěin ihrer Fami¬≠lie gepfleg¬≠ten und f√ľr Deutsch¬≠land cha¬≠rak¬≠te¬≠ris¬≠ti¬≠schen deut¬≠schen Wer¬≠te und Tugen¬≠den‚Äú beson¬≠ders wich¬≠tig sind. In die¬≠sem Milieu ist eine Favo¬≠ri¬≠sie¬≠rung des ‚Äč‚Äětra¬≠di¬≠tio¬≠nel¬≠len‚Äú Rol¬≠len¬≠ver¬≠h√§lt¬≠nis¬≠ses also nicht √ľber¬≠ra¬≠schend. Nur: Auch Frau¬≠en der soge¬≠nann¬≠ten ‚Äč‚Äěb√ľr¬≠ger¬≠li¬≠chen Mit¬≠te‚Äú ‚Äď in der Stu¬≠die unter ande¬≠rem defi¬≠niert als ‚Äč‚Äěleis¬≠tungs¬≠be¬≠rei¬≠ter Main¬≠stream‚Äú und ‚Äč‚Äě√∂ko¬≠no¬≠misch wohl situ¬≠iert‚Äú, nach eige¬≠ner Beschrei¬≠bung ‚Äč‚Äěmodern‚Äú und eman¬≠zi¬≠piert‚Äú ‚Äď emp¬≠fin¬≠den die Fami¬≠lie als Ort der Rege¬≠ne¬≠ra¬≠ti¬≠on und als Schutz¬≠raum vor den ‚Äč‚ÄěZumu¬≠tun¬≠gen drau¬≠√üen‚Äú. Als einen Ort, der ihnen laut Stu¬≠die zu erhal¬≠ten wich¬≠ti¬≠ger ist als die ein¬≠mal geschmie¬≠de¬≠te Kar¬≠rie¬≠re¬≠pl√§¬≠nen zu ver¬≠fol¬≠gen; der es wert ist, beruf¬≠li¬≠che W√ľn¬≠sche auf¬≠zu¬≠ge¬≠ben oder zu ver¬≠schie¬≠ben. Das¬≠sel¬≠be gilt f√ľr Frau¬≠en aus einem Milieu, das in der Stu¬≠die als ‚Äč‚ÄěPer¬≠for¬≠mer‚Äú bezeich¬≠net wird ‚Äď mit dem Selbst¬≠bild als ‚Äč‚Äě√∂ko¬≠no¬≠mi¬≠scher und kul¬≠tu¬≠rel¬≠ler Eli¬≠te‚Äú ‚Äď auch sie geben als pri¬≠m√§¬≠res Motiv f√ľr ihre Lebens¬≠ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen an, Zeit f√ľr die eige¬≠nen Kin¬≠der haben zu wol¬≠len; daf√ľr geben sie ihre Kar¬≠rieream¬≠bi¬≠tio¬≠nen auf oder stel¬≠len sie zur√ľck.

Dabei ist der R√ľck¬≠zug in das Fami¬≠li¬≠en¬≠le¬≠ben heu¬≠te nicht mehr gleich¬≠be¬≠deu¬≠tend mit Iso¬≠la¬≠ti¬≠on; eine Frau, die zu Hau¬≠se bleibt, muss sich nicht zwangs¬≠l√§u¬≠fig von der Welt abge¬≠schnit¬≠ten f√ľh¬≠len. Man¬≠che Frau¬≠en machen ein Fern¬≠stu¬≠di¬≠um, ande¬≠re schrei¬≠ben ihre Dis¬≠ser¬≠ta¬≠ti¬≠on oder ler¬≠nen Spra¬≠chen, w√§h¬≠rend sie mit dem Kind zu Hau¬≠se sind. Sie ver¬≠net¬≠zen sich mit ande¬≠ren M√ľt¬≠tern, schrei¬≠ben Blogs √ľber das Mut¬≠ter¬≠sein oder B√ľcher √ľber Erzie¬≠hung. F√ľr sie ist die Erzie¬≠hung des eige¬≠nen Kin¬≠des zudem wie eine Inves¬≠ti¬≠ti¬≠on, aber nicht f√ľr ihre Alters¬≠vor¬≠sor¬≠ge √† la Spar¬≠kas¬≠sen¬≠wer¬≠bung, son¬≠dern f√ľr die Gesell¬≠schaft als gan¬≠zer. Sie machen sich Gedan¬≠ken dar¬≠√ľber, was f√ľr Win¬≠deln sie kau¬≠fen, √ľber Ern√§h¬≠rung und √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Anbau und √ľber den Wert alter¬≠na¬≠ti¬≠ver Medi¬≠zin und Natur¬≠heil¬≠kun¬≠de. Sie √ľber¬≠le¬≠gen, wel¬≠che fr√ľh¬≠kind¬≠li¬≠che Bil¬≠dung sie ihren Kin¬≠dern mit¬≠ge¬≠ben, wel¬≠che Wer¬≠te und wel¬≠ches K√∂n¬≠nen, sie den¬≠ken √ľber gen¬≠der¬≠ge¬≠rech¬≠te Erzie¬≠hung nach. Part¬≠ne¬≠rin, Mut¬≠ter, Toch¬≠ter, Wis¬≠sen¬≠schaft¬≠le¬≠rin, Akti¬≠vis¬≠tin, Femi¬≠nis¬≠tin ‚Äď Frau¬≠en, die heu¬≠te zwi¬≠schen 30 und 40 sind, ste¬≠hen mehr denn je f√ľr die Ver¬≠viel¬≠schich¬≠ti¬≠gung des Lebens, f√ľr die Par¬≠al¬≠le¬≠li¬≠t√§t von Rol¬≠len und Aufgaben. 

So gibt es, wie in der Stu¬≠die der Fried¬≠rich-Ebert-Stif¬≠tung ergr√ľn¬≠det, vie¬≠le Frau¬≠en, f√ľr die eine Voll¬≠zeit¬≠ar¬≠beit nicht in Betracht kommt, solan¬≠ge das Kind noch klein ist; die, laut Stu¬≠die, min¬≠des¬≠tens die ers¬≠ten drei Lebens¬≠jah¬≠re des Kin¬≠des in ers¬≠ter Linie der Fami¬≠lie wid¬≠men wol¬≠len; die die Haupt¬≠ver¬≠ant¬≠wor¬≠tung f√ľr den Zusam¬≠men¬≠halt der Fami¬≠lie bei sich selbst sehen; die kri¬≠tisch gegen¬≠√ľber der For¬≠de¬≠rung sind, M√ľt¬≠ter m√ľss¬≠ten so schnell wie m√∂g¬≠lich wie¬≠der in die Arbeits¬≠welt zur√ľck¬≠keh¬≠ren; die damit ein¬≠ver¬≠stan¬≠den sind, wenn nur der Part¬≠ner Voll¬≠zeit arbei¬≠tet und f√ľr die finan¬≠zi¬≠el¬≠le Sicher¬≠heit der Fami¬≠lie sorgt. 

Eine selbst­be­wuss­te Entscheidung?

Die W√ľn¬≠sche und Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen die¬≠ser Frau¬≠en klin¬≠gen wie das Gegen¬≠teil klas¬≠sisch femi¬≠nis¬≠ti¬≠scher Lebens¬≠ent¬≠w√ľr¬≠fe. ‚Äč‚ÄěDen‚Äú Femi¬≠nis¬≠mus gab es jedoch nie; und den¬≠noch kur¬≠siert wei¬≠ter¬≠hin das √ľber¬≠hol¬≠te Kli¬≠schee des Ali¬≠ce-Schwar¬≠zer-Femi¬≠nis¬≠mus. Defi¬≠niert man Femi¬≠nis¬≠mus aber als gesell¬≠schaft¬≠li¬≠ches Kon¬≠zept, das auf Wahl¬≠frei¬≠heit beruht, ent¬≠spricht auch die Ent¬≠schei¬≠dung die¬≠ser Frau¬≠en in ers¬≠ter Linie Haus¬≠frau und Mut¬≠ter zu sein, dem femi¬≠nis¬≠ti¬≠schen Denk¬≠mus¬≠ter. Denn es gibt, wie dar¬≠ge¬≠legt, Frau¬≠en, die ihre Prio¬≠ri¬≠t√§¬≠ten bewusst neu set¬≠zen. Fami¬≠lie hat Vor¬≠rang. Das ist, erst ein¬≠mal, eine sou¬≠ve¬≠r√§¬≠ne Ent¬≠schei¬≠dung ‚Äď und, das muss beson¬≠ders betont wer¬≠den, auch ein Pri¬≠vi¬≠leg, gar ein Luxus: Denn zum einen k√∂n¬≠nen sich vie¬≠le Fami¬≠li¬≠en (von allein¬≠er¬≠zie¬≠hen¬≠den M√ľt¬≠tern ganz zu schwei¬≠gen) nicht leis¬≠ten, auf ein Gehalt teil¬≠wei¬≠se oder sogar ganz zu ver¬≠zich¬≠ten. Au√üer¬≠dem: Es gibt auch V√§ter, die sich w√ľn¬≠schen, mehr Zeit mit ihren Kin¬≠dern zu ver¬≠brin¬≠gen ‚Äď aber so weit ist die Gesell¬≠schaft noch lan¬≠ge nicht. Ein Vater, der mehr als zwei Mona¬≠te Eltern¬≠zeit nimmt, st√∂√üt in der Arbeits¬≠welt im bes¬≠ten Fall auf Unver¬≠st√§nd¬≠nis, im schlech¬≠tes¬≠ten Fall auf Aus¬≠gren¬≠zung. Auch das einer der Gr√ľn¬≠de, war¬≠um noch immer nur jeder zehn¬≠te Eltern¬≠zeit¬≠mo¬≠nat von V√§tern genom¬≠men wird. Ein ande¬≠rer Grund ist die erw√§hn¬≠te Lohn¬≠l√ľ¬≠cke: In 90 Pro¬≠zent der Bezie¬≠hun¬≠gen ver¬≠dient der Mann mehr als die Frau ‚Äď und ist der √∂ko¬≠no¬≠mi¬≠schen Logik fol¬≠gend der¬≠je¬≠ni¬≠ge, der wei¬≠ter¬≠hin Voll¬≠zeit arbeitet.

Wenn Frau¬≠en aller¬≠dings, wie sie es in der Stu¬≠die der Fried¬≠rich-Ebert-Stif¬≠tung ange¬≠ben, durch den R√ľck¬≠zug in das Pri¬≠va¬≠te eine Zuflucht vor den ‚Äč‚ÄěZumu¬≠tun¬≠gen drau¬≠√üen‚Äú suchen, dann hat das in ers¬≠ter Linie mit der Struk¬≠tur der Berufs¬≠welt und der Gesell¬≠schaft zu tun. Denn die Berufs¬≠welt ist, und das klingt wie ein Kli¬≠schee, im Wan¬≠del ‚Äď bis hin zur v√∂l¬≠li¬≠gen Un√ľber¬≠sicht¬≠lich¬≠keit. Dass es immer weni¬≠ger Chan¬≠cen auf unbe¬≠fris¬≠te¬≠te Arbeits¬≠ver¬≠h√§lt¬≠nis¬≠se und damit auf so etwas wie Sicher¬≠heit gibt, ist kei¬≠ne Neu¬≠ig¬≠keit. Wir befin¬≠den uns im Zeit¬≠al¬≠ter des Ver¬≠schwin¬≠dens der Kar¬≠rie¬≠re ‚Äď und das gilt f√ľr Frau¬≠en noch st√§r¬≠ker als f√ľr M√§n¬≠ner. Denn der Berufs¬≠weg der meis¬≠ten Frau¬≠en wird irgend¬≠wann durch die Geburt von Kin¬≠dern zwangs¬≠l√§u¬≠fig unter¬≠bro¬≠chen ‚Äď im Dickicht der befris¬≠te¬≠ten Ver¬≠tr√§¬≠ge und unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Arbeits¬≠m√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten, von selbst¬≠st√§n¬≠dig √ľber fest-frei bis zur Teil¬≠selb¬≠st√§n¬≠dig¬≠keit, ist es schwer, sich nach einer Pau¬≠se wie¬≠der ein¬≠zu¬≠fin¬≠den oder gar an Vor¬≠he¬≠ri¬≠ges anzukn√ľpfen.

Die Stu¬≠die stellt denn auch die beruf¬≠li¬≠chen Erwar¬≠tun¬≠gen der Genera¬≠ti¬≠on der Frau¬≠en der 60er bis in die 90er Jah¬≠re den Erwar¬≠tun¬≠gen der heu¬≠ti¬≠gen Genera¬≠ti¬≠on gegen¬≠√ľber: Die √§lte¬≠re Genera¬≠ti¬≠on war grund¬≠s√§tz¬≠lich ‚Äč‚Äěauf¬≠stiegs¬≠ori¬≠en¬≠tiert‚Äú, sie emp¬≠fand die Chan¬≠cen f√ľr einen Auf¬≠stieg als rea¬≠lis¬≠tisch und enga¬≠gier¬≠te sich beruf¬≠lich dem¬≠entspre¬≠chend. Im Gegen¬≠satz dazu sei die Auf¬≠stiegs¬≠ori¬≠en¬≠tie¬≠rung bei jun¬≠gen Frau¬≠en der b√ľr¬≠ger¬≠li¬≠chen Mit¬≠te heu¬≠te ‚Äč‚Äěkaum noch zu sp√ľ¬≠ren‚Äú; sie hal¬≠ten sie sogar f√ľr einen ‚Äč‚Äěgesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Mythos‚Äú, hei√üt es in der Studie. 

Die¬≠ses Gef√ľhl ent¬≠spricht der deut¬≠schen Rea¬≠li¬≠t√§t. Denn Frau¬≠en, die ihren beruf¬≠li¬≠chen Wer¬≠de¬≠gang f√ľr die Fami¬≠lie unter¬≠bre¬≠chen, sind in unse¬≠rem Sys¬≠tem nicht vor¬≠ge¬≠se¬≠hen. Der j√ľngs¬≠te Gleich¬≠stel¬≠lungs¬≠be¬≠richt der Bun¬≠des¬≠re¬≠gie¬≠rung aus dem Jahr 2017 ist deut¬≠lich: Je l√§n¬≠ger die Fami¬≠li¬≠en¬≠pau¬≠se ist, des¬≠to schwie¬≠ri¬≠ger ist es f√ľr Frau¬≠en, ‚Äč‚Äěqua¬≠li¬≠t√§ts¬≠ad¬≠√§quat und voll¬≠zeit¬≠nah‚Äú in den Beruf zur√ľck¬≠zu¬≠keh¬≠ren. Die¬≠ser Zusam¬≠men¬≠hang ist laut Bericht ‚Äč‚Äěsta¬≠tis¬≠tisch nach¬≠weis¬≠bar und beharr¬≠lich‚Äú. Nach drei Jah¬≠ren Pau¬≠se vom Beruf arbei¬≠ten in West¬≠deutsch¬≠land nur 50 Pro¬≠zent der M√ľt¬≠ter, in Ost¬≠deutsch¬≠land sind es zwei Drit¬≠tel. Au√üer¬≠dem arbei¬≠ten 70 Pro¬≠zent der Frau¬≠en, die Kin¬≠der unter drei Jah¬≠ren haben, in Teil¬≠zeit. Was beson¬≠ders auf¬≠f√§llt: Von den Frau¬≠en, die min¬≠des¬≠tens drei Jah¬≠re pau¬≠siert haben, sind 30 bis 40 Pro¬≠zent f√ľr die T√§tig¬≠keit, die sie aus¬≠√ľben, √ľber¬≠qua¬≠li¬≠fi¬≠ziert. Sie m√ľs¬≠sen also einen Job anneh¬≠men ‚Äď oft auch gezwun¬≠ge¬≠ner¬≠ma¬≠√üen nach Tren¬≠nung oder Schei¬≠dung ‚Äď f√ľr den sie zu gut aus¬≠ge¬≠bil¬≠det sind.

Weder Back­lash noch neue Souveränität

Nun wird in Poli¬≠tik und √Ėffent¬≠lich¬≠keit viel √ľber bes¬≠se¬≠re Betreu¬≠ungs¬≠an¬≠ge¬≠bo¬≠te gespro¬≠chen; die muss es geben. Ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re f√ľr Fami¬≠li¬≠en oder Allein¬≠er¬≠zie¬≠hen¬≠de, die auf sol¬≠che ange¬≠wie¬≠sen sind. Aber die bes¬≠ten Betreu¬≠ungs¬≠an¬≠ge¬≠bo¬≠te hel¬≠fen jenen M√ľt¬≠tern nicht, die ihre Kin¬≠der das ers¬≠te Jahr oder auch die ers¬≠ten drei Jah¬≠re nicht in eine Kita geben wol¬≠len, son¬≠dern ent¬≠schei¬≠den, selbst mit dem Kind zu Hau¬≠se zu blei¬≠ben. Was ihnen hilft, ist nur eine voll¬≠kom¬≠me¬≠ne Umstruk¬≠tu¬≠rie¬≠rung der Arbeitswelt. 

Was neben geschlech¬≠ter¬≠ge¬≠rech¬≠ter Bezah¬≠lung, guten Betreu¬≠ungs¬≠an¬≠ge¬≠bo¬≠ten und fle¬≠xi¬≠blen Arbeits¬≠be¬≠din¬≠gun¬≠gen not¬≠wen¬≠dig ist, ist die gesell¬≠schaft¬≠li¬≠che Akzep¬≠tanz der Erzie¬≠hungs¬≠zeit. Wenn Frau¬≠en ein oder auch meh¬≠re¬≠re Jah¬≠re f√ľr die Fami¬≠lie zu Hau¬≠se blei¬≠ben (m√∂ch¬≠ten), hei√üt das nicht, dass sie ‚Äď pro¬≠vo¬≠kant aus¬≠ge¬≠dr√ľckt ‚Äď nur ‚Äč‚ÄěHaus¬≠mutt¬≠chen‚Äú sind, ver¬≠dum¬≠men oder ihre Qua¬≠li¬≠fi¬≠zie¬≠rung abnimmt. Im Gegen¬≠teil, sie brin¬≠gen Erfah¬≠run¬≠gen und Wis¬≠sen mit, die sie zuvor nicht hat¬≠ten ‚Äď und das nicht nur in der Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠ons¬≠f√§¬≠hig¬≠keit. Es muss m√∂g¬≠lich sein, dass Frau¬≠en ihre Qua¬≠li¬≠fi¬≠ka¬≠tio¬≠nen und ihr Wis¬≠sen auch mit 40 oder mehr Jah¬≠ren b√ľn¬≠deln k√∂n¬≠nen und auf dem Arbeits¬≠markt als gleich¬≠wer¬≠tig zu jenen erach¬≠tet wer¬≠den, die ihre beruf¬≠li¬≠che Lauf¬≠bahn nicht unter¬≠bro¬≠chen haben. Es muss m√∂g¬≠lich sein, dass es gar nicht erst zur ‚Äč‚ÄěRush hour‚Äú des Lebens kommt, dass Beruf und Fami¬≠lie nicht gleich¬≠zei¬≠tig ver¬≠ein¬≠bar sein m√ľs¬≠sen, son¬≠dern genau¬≠so gut auch nach¬≠ein¬≠an¬≠der rea¬≠li¬≠sier¬≠bar sind ‚Äď f√ľr die¬≠je¬≠ni¬≠gen, die sich das w√ľnschen.

Die Retra¬≠di¬≠tio¬≠na¬≠li¬≠sie¬≠rung der Geschlech¬≠ter¬≠rol¬≠len ist also weder Back¬≠lash f√ľr den Femi¬≠nis¬≠mus noch neue Sou¬≠ve¬≠r√§¬≠ni¬≠t√§t. Sie kann Aus¬≠druck von Sou¬≠ve¬≠r√§¬≠ni¬≠t√§t sein, wenn frau die Ent¬≠schei¬≠dung f√ľr die Fami¬≠lie bewusst und frei trifft; sie wird aber dann zum Back¬≠lash, wenn die Frau nach ihrer Fami¬≠li¬≠en¬≠zeit beruf¬≠lich dis¬≠kri¬≠mi¬≠niert wird. Haus¬≠frau und Mut¬≠ter zu sein kann also durch¬≠aus einem femi¬≠nis¬≠ti¬≠schen Lebens¬≠mo¬≠dell ent¬≠spre¬≠chen; die¬≠ses Lebens¬≠mo¬≠dell wird aber dann zum Back¬≠lash, wenn die Frau danach wie Sisy¬≠phus immer wie¬≠der am unte¬≠ren Ende des Ber¬≠ges begin¬≠nen muss.