Ein älteres Gemälde zeigt zwei Personen, die eine hält eine Waage, die zweite hält ein Banner, auf dem steht: Justice demands the vote - die Gerechtigkeit erfordert das Stimmrecht.

Keine Frage: Deutschland ist eine Demokratie. Alle Staatsbürger*innen haben bei Volljährigkeit das Wahlrecht und alle können ihre Meinung frei äußern. Alle vier Jahre wählen wir einen neuen Bundestag und dazwischen geben viele ihre Stimme auch in Landtags- und Kommunalwahlen ab. Doch reicht das aus, um eine demokratische und gerechte Gesellschaft zu haben?

Wer darf wählen und wer wird gehört?

Diese demokratische Theorie ist in der Praxis deutlich komplizierter. Nicht jede Stimme, so berechtigt sie auch sein mag, wird gleich stark gehört. Mitunter scheint sich das Regierungshandeln vom demokratischen Souverän entkoppelt zu haben. Um diesem Eindruck entgegenzuwirken – und auch dem Funken Wahrheit, der in ihm steckt – braucht es neue Formen der Mitsprache und des Mitbestimmens.

Und diesmal auf wirklich für alle! Seit den antiken Ursprüngen ist Demokratie nicht nur der Streit um gemeinsame politische Lösungen, sondern immer der Kampf darum gewesen, an diesem Streit teilzuhaben. Es wird nicht nur demokratisch, sondern auch um die Demokratie gestritten. Eigentum war im antiken Athen die Voraussetzung des Stimmrechts. Das Wahlrecht für Frauen wurde erst im 20. Jahrhundert erkämpft. Auch heute sind Menschen davon ausgeschlossen, in der Gesellschaft, in der sie leben, mitzuregieren. So ist das Wahlrecht in Deutschland an die Staatsbürgerschaft gekoppelt, was 5,3 Mio. Menschen faktisch von der Demokratie ausschließt.

Die politischen, sozialen und ökonomischen Teilhabechancen beruhen darauf, dass diese Demokratie lange so funktioniert hat, als gäbe es kein Morgen mehr.
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Prof. Stephan Lessenich, LMU München

Was wäre wenn,

… Demokratie für alle gelten würde? In der neuen Ausgabe des Podcasts geht Sara Steinert mit ihren Gästen den Defiziten unserer Demokratie auf den Grund. Gleichzeitig werden neue Wege aus der aktuellen Situation gezeigt. Katharina Liesenberg promoviert am Lehrstuhl für politische Theorie und Ideengeschichte an der Uni Darmstadt und erklärt, wie sogenannte Bürgerräte den Menschen mehr Mitbestimmung an konkreten Projekten verleihen können. Prof. Stephan Lessenich von der LMU München zeigt auf, dass die Demokratie immer auch ein Mechanismus des Ausschlusses ist. Um diesen aushebeln, setzt er auf eine neue Bewegung der Solidarität – nicht nur der Menschen untereinander, sondern ebenso mit der Natur. Demokratie und Mitbestimmung bedeutet für ihn auch, dass die Politik nachhaltiger und zukunftsbewusster werden muss.