Was wäre, wenn öffentlicher Personenverkehr kostenlos wäre?

Nut­zen als das neue Besitzen

Die Mobi¬≠li¬≠t√§t befin¬≠det sich im Umbruch, so viel ist sicher. Doch obwohl tech¬≠nisch vie¬≠les f√ľr das Ende des Pri¬≠vat¬≠au¬≠tos spricht, braucht ein ech¬≠ter Pfad¬≠wech¬≠sel poli¬≠ti¬≠schen Willen.

Ein altes, verfallenes Auto im Wald.
Das Auto einfach mal stehen lassen. | Foto: Tama66

Schau¬≠en wir ein¬≠mal auf den Auto¬≠ver¬≠kehr in unse¬≠ren Brei¬≠ten: Das pri¬≠va¬≠te Auto hat vor allem in gro¬≠√üen St√§d¬≠ten sei¬≠ne lan¬≠ge unhin¬≠ter¬≠frag¬≠te Vor¬≠macht¬≠stel¬≠lung ein¬≠ge¬≠b√ľ√üt. Es ist Opfer sei¬≠nes eige¬≠nen Erfol¬≠ges gewor¬≠den. Park¬≠platz¬≠su¬≠che sowie Staus und sto¬≠cken¬≠der Ver¬≠kehr ver¬≠mie¬≠sen die Auto¬≠nut¬≠zung. Der √Ėffent¬≠li¬≠che Ver¬≠kehr, Taxen und nicht zuletzt das Fahr¬≠rad wer¬≠den zu attrak¬≠ti¬≠ven Alter¬≠na¬≠ti¬≠ven. Der moder¬≠ne Gro√ü¬≠st√§d¬≠ter ist zuneh¬≠mend fle¬≠xi¬≠bel, mit wech¬≠seln¬≠den Ver¬≠kehrs¬≠mit¬≠teln ‚Äď oder wie es die Mobi¬≠li¬≠t√§ts¬≠for¬≠schung nennt: mul¬≠ti¬≠modal ‚Äď unterwegs. 

Gleich¬≠zei¬≠tig ist es aus Gr√ľn¬≠den des Kli¬≠ma¬≠schut¬≠zes n√∂tig, den Ver¬≠kehr zu dekar¬≠bo¬≠ni¬≠sie¬≠ren. Doch will man den knap¬≠pen Raum in den St√§d¬≠ten nicht den Autos √ľber¬≠las¬≠sen und will man die Auf¬≠ent¬≠halts¬≠qua¬≠li¬≠t√§t gera¬≠de in der wach¬≠sen¬≠den Stadt ver¬≠bes¬≠sern, bedarf es der umfas¬≠sen¬≠de¬≠ren Ver¬≠kehrs¬≠wen¬≠de. Nach Lage der Din¬≠ge bedeu¬≠tet das zum einen ein Umstei¬≠gen auf kli¬≠ma¬≠freund¬≠li¬≠che Ver¬≠kehrs¬≠mit¬≠tel, also auf das Zufu√ü¬≠ge¬≠hen, das Rad¬≠fah¬≠ren und auf die ver¬≠st√§rk¬≠te Nut¬≠zung von Bus¬≠sen und Bah¬≠nen. Zum ande¬≠ren geht es k√ľnf¬≠tig dort, wo wir moto¬≠ri¬≠siert unter¬≠wegs sind, nur noch elek¬≠trisch vor¬≠an, auf der Grund¬≠la¬≠ge erneu¬≠er¬≠ba¬≠rer Ener¬≠gi¬≠en. Schlie√ü¬≠lich bedeu¬≠tet die Ver¬≠kehrs¬≠wen¬≠de eine Abkehr vom Pri¬≠vat¬≠au¬≠to und eine effi¬≠zi¬≠en¬≠te Nut¬≠zung von Fahr¬≠zeu¬≠gen √ľber Sharing¬≠an¬≠ge¬≠bo¬≠te ‚Äď sei es Car¬≠sha¬≠ring, das Tei¬≠len von Fahr¬≠zeu¬≠gen, oder auch Ridesha¬≠ring, das Tei¬≠len von Fahr¬≠ten in Fahrgemeinschaften. 

Das Zau¬≠ber¬≠wort, in dem all dies zusam¬≠men¬≠l√§uft, lau¬≠tet: inter¬≠mo¬≠da¬≠le Mobi¬≠li¬≠t√§t. Das klingt sehr abs¬≠trakt, b√ľro¬≠kra¬≠tisch, blut¬≠leer. Und doch ver¬≠birgt sich dahin¬≠ter ein revo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠res Prin¬≠zip, n√§m¬≠lich alle m√∂g¬≠li¬≠chen Ver¬≠kehrs¬≠an¬≠ge¬≠bo¬≠te mit¬≠ein¬≠an¬≠der zu kom¬≠bi¬≠nie¬≠ren ‚Äď je nach Zweck und Ver¬≠f√ľg¬≠bar¬≠keit. Das hei√üt zugleich, dass uns die genutz¬≠ten Ver¬≠kehrs¬≠mit¬≠tel in aller Regel nicht geh√∂¬≠ren. Wir nut¬≠zen sie, statt sie zu besitzen.

Weert canzler

Dr. Weert Canz¬≠ler arbei¬≠tet am Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠zen¬≠trum Ber¬≠lin f√ľr Sozi¬≠al¬≠for¬≠schung (WZB) und lei¬≠tet dort die ‚Äč‚ÄěPro¬≠jekt¬≠grup¬≠pe Mobi¬≠li¬≠t√§t‚Äú. Er forscht zu den The¬≠men Inno¬≠va¬≠tions- und Technologie‚ÄĎ, sowie zur Ener¬≠gie¬≠po¬≠li¬≠tik. Zuletzt erschien von ihm ‚Äč‚ÄěErlo¬≠sche¬≠ne Lie¬≠be? Das Auto in der Ver¬≠kehrs¬≠wen¬≠de‚Äú (tran¬≠script). [Foto: D. Ausserhofer]

‚ÄěNut¬≠zen statt Besit¬≠zen‚Äú- v√∂l¬≠lig normal?

Die h√∂chs¬≠ten H√ľr¬≠den f√ľr die Rea¬≠li¬≠sie¬≠rung inter¬≠mo¬≠da¬≠ler Mobi¬≠li¬≠t√§ts¬≠kon¬≠zep¬≠te sind weni¬≠ger tech¬≠ni¬≠scher und wirt¬≠schaft¬≠li¬≠cher als viel¬≠mehr kul¬≠tu¬≠rel¬≠ler Art. Es sieht so aus, als dass das kol¬≠lek¬≠ti¬≠ve Auto¬≠tei¬≠len aus der Nische kom¬≠men kann. Als sozia¬≠le Pra¬≠xis in der Umwelt¬≠be¬≠we¬≠gung ent¬≠stan¬≠den, hat es mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le vie¬≠le Kin¬≠der¬≠krank¬≠hei¬≠ten √ľber¬≠wun¬≠den und ein ‚Äď mehr oder weni¬≠ger ‚Äď pro¬≠fes¬≠sio¬≠nel¬≠les Niveau erreicht. Das sta¬≠tio¬≠n√§¬≠re Car¬≠sha¬≠ring in Form der klas¬≠si¬≠schen Miet¬≠au¬≠tos wur¬≠de um ein fle¬≠xi¬≠bles Kurz¬≠zeit¬≠ver¬≠miet¬≠ge¬≠sch√§ft erg√§nzt, das l√§ngst die √ľber¬≠schau¬≠ba¬≠re Welt der Stadt¬≠teil¬≠grup¬≠pen oder idea¬≠lis¬≠tisch moti¬≠vier¬≠ten, orga¬≠ni¬≠sier¬≠ten Auto¬≠tei¬≠le¬≠rin¬≠nen ver¬≠las¬≠sen hat. Mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le wird auch das Ride-Sharing, also das gemein¬≠sa¬≠me Fah¬≠ren und damit eine effi¬≠zi¬≠en¬≠te Nut¬≠zung vor¬≠han¬≠de¬≠ner Sitz¬≠pl√§t¬≠ze, gera¬≠de f√ľr jun¬≠ge St√§d¬≠ter zuneh¬≠mend attraktiv. 

Doch sind die Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen und Nut¬≠zer tat¬≠s√§ch¬≠lich bereit f√ľr eine neue inter¬≠mo¬≠da¬≠le Mobi¬≠li¬≠t√§t? Schlie√ü¬≠lich galt das pri¬≠va¬≠te Auto lan¬≠ge Zeit als Inbe¬≠griff des moder¬≠nen Lebens und als Aus¬≠druck f√ľr Wohl¬≠stand und sozia¬≠len Auf¬≠stieg. Es gab vie¬≠le Hin¬≠wei¬≠se auf eine star¬≠ke emo¬≠tio¬≠na¬≠le Affi¬≠ni¬≠t√§t zum Auto. Unse¬≠re ‚Äč‚ÄěLie¬≠be zum Auto¬≠mo¬≠bil‚Äú, so ein spre¬≠chen¬≠der Buch¬≠ti¬≠tel von Wolf¬≠gang Sachs von 1974, zeig¬≠te sich gera¬≠de in Deutsch¬≠land in viel¬≠f√§l¬≠ti¬≠gen kul¬≠tu¬≠rel¬≠len Prak¬≠ti¬≠ken. Man erin¬≠ne¬≠re sich an das ritu¬≠el¬≠le Auto¬≠wa¬≠schen am Sams¬≠tag¬≠nach¬≠mit¬≠tag. Sie fand eine umfas¬≠sen¬≠de media¬≠le Repr√§¬≠sen¬≠ta¬≠ti¬≠on und die Auto¬≠in¬≠dus¬≠trie wur¬≠de zu einer star¬≠ken √∂ko¬≠no¬≠mi¬≠schen und poli¬≠ti¬≠schen Macht. 

Die Mas¬≠sen¬≠mo¬≠to¬≠ri¬≠sie¬≠rung in Deutsch¬≠land kam gegen¬≠√ľber den USA zwar ver¬≠sp√§¬≠tet, sie wur¬≠de jedoch seit Mit¬≠te der 1950er Jah¬≠re poli¬≠tisch mas¬≠siv gef√∂r¬≠dert. F√ľr die bun¬≠des¬≠deut¬≠sche Mit¬≠tel¬≠schichts¬≠ge¬≠sell¬≠schaft war sie wesent¬≠li¬≠cher Bestand¬≠teil eines Modells vom ‚Äč‚Äěgelin¬≠gen¬≠den Leben‚Äú. Der Kon¬≠sens dar¬≠√ľber war breit, er umfass¬≠te alle Par¬≠tei¬≠en und reich¬≠te von den Wirt¬≠schafts¬≠ver¬≠b√§n¬≠den √ľber die Gewerk¬≠schaf¬≠ten bis zu den Mas¬≠sen¬≠me¬≠di¬≠en. Eine auto¬≠skep¬≠ti¬≠sche oder gar ‚ÄĎfeind¬≠li¬≠che Stim¬≠mung gab es nicht. Erst mit den Belas¬≠tun¬≠gen f√ľr die Umwelt und f√ľr die unter einem √ľber¬≠bor¬≠den¬≠den Auto¬≠ver¬≠kehr lei¬≠den¬≠den Bal¬≠lungs¬≠r√§u¬≠me begann der brei¬≠te Kon¬≠sens zu br√∂¬≠ckeln. Den¬≠noch stie¬≠gen ‚Äď und stei¬≠gen ‚Äď die Zulas¬≠sungs¬≠zah¬≠len. Grund¬≠s√§tz¬≠lich bie¬≠tet das pri¬≠va¬≠te Auto ein Ma√ü an ‚Äč‚ÄěEigen¬≠raum und Eigen¬≠zeit‚Äú, wie es der Ver¬≠kehrs¬≠so¬≠zio¬≠lo¬≠ge Andre¬≠as Knie for¬≠mu¬≠liert, das gera¬≠de in indi¬≠vi¬≠dua¬≠li¬≠sier¬≠ten Gesell¬≠schaf¬≠ten wie der unse¬≠ren hoch gesch√§tzt wur¬≠de und wird.

Doch unter¬≠gr√§bt die Voll¬≠mo¬≠to¬≠ri¬≠sie¬≠rung alle Exklu¬≠si¬≠vi¬≠t√§ts¬≠ver¬≠spre¬≠chen. Laut Kraft¬≠fahrt¬≠bun¬≠des¬≠amt roll¬≠ten zum 1. Janu¬≠ar 2019 rund 47 Mio. Pkw √ľber deut¬≠sche Stra¬≠√üen. Wegen der hohen Auto¬≠ver¬≠f√ľg¬≠bar¬≠keit ist der Reiz des Beson¬≠de¬≠ren abhan¬≠den¬≠ge¬≠kom¬≠men. Das pri¬≠va¬≠te Auto als Pres¬≠ti¬≠ge¬≠ob¬≠jekt hat au√üer¬≠dem l√§ngst Kon¬≠kur¬≠renz erhal¬≠ten. Bei den jun¬≠gen St√§d¬≠tern haben das neu¬≠es¬≠te Smart¬≠pho¬≠ne und die ange¬≠sag¬≠te St√§d¬≠te¬≠rei¬≠se l√§ngst ein min¬≠des¬≠tens so hohes Pres¬≠ti¬≠ge¬≠po¬≠ten¬≠zi¬≠al wie ein eige¬≠nes Auto. Auch bei den Ein¬≠stel¬≠lun¬≠gen zeigt sich immer mehr, dass eine F√∂r¬≠de¬≠rung der stadt- und umwelt¬≠freund¬≠li¬≠chen Ver¬≠kehrs¬≠ar¬≠ten und umge¬≠kehrt auch Beschr√§n¬≠kun¬≠gen f√ľr den pri¬≠va¬≠ten Auto¬≠ver¬≠kehr zuneh¬≠mend Unter¬≠st√ľt¬≠zung finden.

Nach dem Kipppunkt

Ein Aus¬≠bruch der geteil¬≠ten und elek¬≠tri¬≠fi¬≠zier¬≠ten Mobi¬≠li¬≠t√§t aus der Nische k√§me jedoch einem revo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Pfad¬≠wech¬≠sel im Auto¬≠mo¬≠bil¬≠bau und einer Abkehr vom Prin¬≠zip des Uni¬≠ver¬≠salau¬≠tos als ein Gef√§hrt f√ľr alle Even¬≠tua¬≠li¬≠t√§¬≠ten mit dem Ver¬≠bren¬≠nungs¬≠mo¬≠tor als sei¬≠nem tech¬≠ni¬≠schen Kern gleich. Erschwe¬≠rend kommt hin¬≠zu, dass das Mus¬≠ter der suk¬≠zes¬≠si¬≠ven Leis¬≠tungs¬≠er¬≠h√∂¬≠hung, das in der Ent¬≠wick¬≠lung der Auto¬≠mo¬≠del¬≠le seit Jahr¬≠zehn¬≠ten durch¬≠schl√§gt, offen¬≠bar in die ‚Äč‚Äěmen¬≠ta¬≠len Infra¬≠struk¬≠tu¬≠ren‚Äú, den Gewohn¬≠hei¬≠ten und Erwar¬≠tun¬≠gen sowohl der Ent¬≠wick¬≠ler als auch der Nut¬≠zer von Autos ein¬≠ge¬≠schrie¬≠ben ist.

F√ľr das mul¬≠ti- und inter¬≠mo¬≠da¬≠le E‚ÄĎMo¬≠bi¬≠li¬≠ty-Kon¬≠zept spre¬≠chen den¬≠noch ganz prag¬≠ma¬≠ti¬≠sche Gr√ľn¬≠de und Vie¬≠les ist tech¬≠nik¬≠ge¬≠trie¬≠ben. Zwar ist die Umset¬≠zung h√∂chst ambi¬≠tio¬≠niert. Unter¬≠schied¬≠li¬≠che Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠ons¬≠kul¬≠tu¬≠ren m√ľs¬≠sen eng zusam¬≠men¬≠ar¬≠bei¬≠ten. Tr√§¬≠ger¬≠kon¬≠stel¬≠la¬≠tio¬≠nen sind n√∂tig, f√ľr die es kei¬≠ne Vor¬≠bil¬≠der gibt. Der Para¬≠dig¬≠men¬≠wech¬≠sel ber√ľhrt nicht zuletzt auch die Wert¬≠sch√∂p¬≠fung in der Auto¬≠mo¬≠bil¬≠bran¬≠che. F√ľr die Auto¬≠her¬≠stel¬≠ler ver¬≠la¬≠gert sich die Wert¬≠sch√∂p¬≠fung von der Pro¬≠duk¬≠ti¬≠on von Auto¬≠mo¬≠bi¬≠len und ihrer Finan¬≠zie¬≠rung hin zu umfas¬≠sen¬≠den Mobi¬≠li¬≠t√§ts¬≠dienst¬≠leis¬≠tun¬≠gen und die¬≠se Ver¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen betref¬≠fen letzt¬≠lich den Iden¬≠ti¬≠t√§ts¬≠kern der Branche.

Es ste¬≠hen dem aber eine Viel¬≠zahl von Vor¬≠tei¬≠len gegen¬≠√ľber. E‚ÄĎFahrzeuge las¬≠sen sich im Flot¬≠ten¬≠be¬≠trieb ein¬≠fach und zuver¬≠l√§s¬≠sig war¬≠ten und ver¬≠wal¬≠ten. Die Bat¬≠te¬≠ri¬≠en der E‚ÄĎMobile lie¬≠√üen sich zudem als Spei¬≠cher f√ľr √ľber¬≠sch√ľs¬≠si¬≠gen rege¬≠ne¬≠ra¬≠ti¬≠ven Strom nut¬≠zen. Dazu kommt die Digi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠rung, die ja vor dem Ver¬≠kehr nicht halt¬≠macht. Das √ľber Apps ver¬≠mit¬≠tel¬≠te Tei¬≠len von Fahr¬≠zeu¬≠gen und auch von Fahr¬≠ten war noch nie so ein¬≠fach. Die per¬≠s√∂n¬≠li¬≠che Digi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠rung ist in den j√ľn¬≠ge¬≠ren Genera¬≠tio¬≠nen fast total, der All¬≠tag wird umfas¬≠send digi¬≠tal gema¬≠nagt, auch der Ver¬≠kehr. Zumin¬≠dest dort, wo es nicht nur das Pri¬≠vat¬≠au¬≠to gibt, son¬≠dern wo sich tat¬≠s√§ch¬≠lich ver¬≠schie¬≠de¬≠ne Ange¬≠bo¬≠te aus¬≠w√§h¬≠len und kom¬≠bi¬≠nie¬≠ren lassen.

Kein Selbst­läu­fer

Auch wenn man es kaum glau¬≠ben mag: Die Bedin¬≠gun¬≠gen sind zumin¬≠dest in den St√§d¬≠ten im Prin¬≠zip gege¬≠ben, dass ein Kipp¬≠punkt erreicht wird. Der Abschied vom pri¬≠va¬≠ten Auto ist m√∂g¬≠lich. F√ľr die¬≠sen Fall st√ľn¬≠de nicht nur das Ver¬≠kehrs¬≠ver¬≠hal¬≠ten selbst vor einem Umbruch. Das pri¬≠va¬≠te Auto zu nut¬≠zen, w√ľr¬≠de zum Min¬≠der¬≠hei¬≠ten¬≠ph√§¬≠no¬≠men. Das w√ľr¬≠de bedeu¬≠ten, dass es schnell ‚Äč‚Äěuncool‚Äú w√§re, auf das ‚Äč‚Äěeige¬≠ne Auto‚Äú zu set¬≠zen. Gleich¬≠zei¬≠tig br√§¬≠che die Legi¬≠ti¬≠ma¬≠ti¬≠on weg, das rie¬≠si¬≠ge Stra¬≠√üen¬≠netz und die gigan¬≠ti¬≠schen Park¬≠fl√§¬≠chen vor¬≠zu¬≠hal¬≠ten. Der R√ľck¬≠bau von Auto¬≠stra¬≠√üen und Park¬≠pl√§t¬≠zen w√ľr¬≠de zum ver¬≠kehrs¬≠po¬≠li¬≠ti¬≠schen Stan¬≠dard¬≠pro¬≠gramm f√ľr die Kom¬≠mu¬≠nen und der Bund w√ľr¬≠de einen ‚Äč‚ÄěBun¬≠des¬≠stra¬≠√üen¬≠um¬≠wid¬≠mungs¬≠wett¬≠be¬≠werb‚Äú star¬≠ten. Nicht nur das: Ein Wett¬≠lauf w√ľr¬≠de star¬≠ten, m√∂g¬≠lichst schnell das Image der ‚Äč‚Äěauto¬≠ge¬≠rech¬≠ten Stadt‚Äú loszuwerden. 

Auf dem Land s√§he die Sache anders aus. Dort w√ľr¬≠de wohl nur der Ver¬≠bren¬≠nungs¬≠mo¬≠tor ge√§ch¬≠tet, mit dem man in kei¬≠ne Stadt mehr hin¬≠ein¬≠kommt, selbst wenn man noch so vie¬≠le Mit¬≠fahr¬≠ge¬≠le¬≠gen¬≠hei¬≠ten anbie¬≠tet. Das Pri¬≠vat¬≠au¬≠to selbst w√§re wohl zun√§chst nicht in aku¬≠ter Gefahr. Daf√ľr br√§ch¬≠te es wohl erst auto¬≠nom fah¬≠ren¬≠de Robo¬≠ta¬≠xis, die aber- wenn √ľber¬≠haupt ‚Äď erst in Jahr¬≠zehn¬≠ten kommen. 

Die Kipp¬≠punkt-Meta¬≠pher tr√ľgt jedoch: Eine Ver¬≠kehrs¬≠wen¬≠de und der Abschied vom pri¬≠va¬≠ten Auto sind kei¬≠ne Selbst¬≠l√§u¬≠fer. Auch das Prin¬≠zip ‚Äč‚ÄěNut¬≠zen statt Besit¬≠zen‚Äú setzt sich nicht des¬≠halb durch, weil es tech¬≠nisch leich¬≠ter denn je umsetz¬≠bar und √∂ko¬≠no¬≠misch vor¬≠teil¬≠haft ist. Alter¬≠na¬≠ti¬≠ve Fahr¬≠zeug- und Antriebs¬≠kon¬≠zep¬≠te und erst recht inter¬≠mo¬≠da¬≠le Mobi¬≠li¬≠t√§ts¬≠an¬≠ge¬≠bo¬≠te wer¬≠den in st√§d¬≠ti¬≠schen R√§u¬≠men zuk√ľnf¬≠tig nur dann eine wich¬≠ti¬≠ge Rol¬≠le spie¬≠len, wenn die Bedin¬≠gun¬≠gen daf√ľr geschaf¬≠fen werden. 

Dazu geh√∂¬≠ren attrak¬≠ti¬≠ve Pro¬≠duk¬≠te auf der einen und Restrik¬≠tio¬≠nen f√ľr den kon¬≠ven¬≠tio¬≠nel¬≠len pri¬≠va¬≠ten Auto¬≠ver¬≠kehr auf der ande¬≠ren Sei¬≠te. Ohne Beschr√§n¬≠kun¬≠gen f√ľr den pri¬≠va¬≠ten Auto¬≠ver¬≠kehr geht es nicht, die Bereit¬≠schaft daf√ľr ist umso h√∂her, des¬≠to bes¬≠ser die Alter¬≠na¬≠ti¬≠ven sind. Eines ist aber auch klar: wer¬≠den die Vor¬≠tei¬≠le einer inter¬≠mo¬≠da¬≠len Ver¬≠kehrs¬≠wirk¬≠lich¬≠keit mit viel weni¬≠ger Autos auf den Stra¬≠√üen und Park¬≠fl√§¬≠chen und mit viel mehr Platz f√ľr das Rad, das Zufu√ü¬≠ge¬≠hen und f√ľr spie¬≠len¬≠de Kin¬≠der ‚Äď und Erwach¬≠se¬≠ne ‚Äď offen¬≠sicht¬≠lich, will die¬≠sen Fort¬≠schritt nie¬≠mand mehr mis¬≠sen. Der Erfolg f√∂r¬≠dert den Erfolg, doch den Erfolg muss man wollen.