Was wäre, wenn Social Media den Nutzer*innen gehören würde?

Wir im Wes­ten kön­nen uns leis­ten, das Netz kri­tisch zu sehen“

Für vie­le Men­schen im glo­ba­len Süden dage­gen ist das Inter­net ein Frei­raum außer­halb der All­tags­zwän­ge. Die Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin Pay­al Aro­ra plä­diert für welt­wei­te Regu­lie­run­gen — und welt­wei­ten Dialog.

Februar 2011, Zehntausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Viele Proteste des Arabischen Frühlings wurden über Social Media organisiert. | Foto: Jonathan Rashad

Gibt es so etwas wie eine digi­ta­le Weltgemeinschaft? 

Pay­al Aro­ra: Ich arbei­te schon seit mehr als zehn Jah­ren dar­an, wie wir einen gemein­sa­men öffent­li­chen Raum auf­bau­en, in dem wir als Men­schen unse­re gemein­sa­men Inter­es­sen ver­han­deln. Ich habe wie vie­le ande­re Men­schen auch ein Inter­es­se dar­an, in einer Gesell­schaft zu leben, die für uns alle funk­tio­niert. Das ist uto­pisch, weil es unrea­lis­tisch ist. Aber es ist ein Ide­al, das wir brau­chen, um dar­auf hinzuarbeiten. 

Pay­al Aro­ra lehrt als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­fes­so­rin an der Eras­mus-Uni­ver­si­tät in Rot­ter­dam. Ihr letz­tes Buch The Next Bil­li­on Users. Digi­tal Life Bey­ond the West“ beschäf­tigt sich damit, wie Nutzer*innen im glo­ba­len Süden mit dem Inter­net umge­hen und was das für das digi­ta­le Leben welt­weit bedeutet. 

Sind wir denn auf einem guten Weg, im digi­ta­len Raum einer sol­chen Gesell­schaft näher zu kommen?

Idea­le sind natur­ge­mäß opti­mis­tisch. Des­halb stel­le ich mich auch gegen die­sen all­ge­gen­wär­ti­gen dys­to­pi­schen Dis­kurs des Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus, dem man im Augen­blick in den Medi­en über­all begeg­net. Ich glau­be nicht dar­an, dass die Nutzer*innen völ­lig macht­los sind und dass die Demo­kra­tie von den Platt­for­men rui­niert wird. Das unter­mi­niert kom­plett die Rol­le mensch­li­cher Hand­lungs­mög­lich­kei­ten. So ein­fach sind Men­schen nicht mani­pu­lier­bar und sie sind auch nicht nur Opfer von digi­ta­len Sys­te­men. Das bedeu­tet aber nicht, dass es nicht eine unge­heu­re Men­ge von Ungleich­heit auf der Welt gibt und dass dafür nie­mand ver­ant­wort­lich ist. 

Das Inter­net, wie es in den Anfangs­jah­ren kon­stru­iert war, war sehr funk­tio­nal. Es ging dar­um, dass Insti­tu­tio­nen top down Infor­ma­tio­nen ver­brei­ten woll­ten, um die Öffent­lich­keit zu steu­ern. Die Nutzer*innen selbst haben es dann aber für vie­le ver­schie­de­ne Zwe­cke über­nom­men. Die Nut­zung für Unter­hal­tungs­zwe­cke und Frei­zeit spielt dabei eine domi­nan­te Rol­le. Es gibt eine intrinsi­sche Ver­bin­dung zwi­schen Frei­zeit und Uto­pi­en. Nur wenn man aus der Maschi­ne­rie des All­tags aus­bricht, um sich in einem Raum ohne Regeln auf­zu­hal­ten, kann man über die eige­ne Situa­ti­on nach­den­ken und sich viel­leicht etwas Bes­se­res vor­stel­len. Wir haben dazu Daten – dar­um geht es auch in mei­nem neu­en Buch The Next Bil­li­on Users“. Men­schen nut­zen das Inter­net egal, ob sie in einem klei­nen Slum in Indi­en oder einem Vor­ort von Bos­ton in den USA sit­zen, für die glei­chen Din­ge: Sie unter­hal­ten sich in sozia­len Netz­wer­ken, sie schau­en Por­nos, sie prä­sen­tie­ren sich auf Insta­gram und spie­len Com­pu­ter­spie­le. Die Sta­tis­ti­ken zei­gen, dass das der über­wie­gen­de Teil der Online-Nut­zung ist.

Valie Djor­dje­vić ist freie Autorin und Mit­be­grün­de­rin von iRights​.info, einem Web­por­tal zu The­men wie Urhe­ber­recht, Daten­schutz, Pri­vat­sphä­re rund um die digi­ta­le Welt.

Ist es nicht eher eine ande­re Mög­lich­keit, uns als Bürger*innen ruhig zu hal­ten – im Sin­ne von Brot und Spielen? 

Das glau­be ich nicht. In der gan­zen Debat­te über den Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus gibt es eine Grund­an­nah­me, die immer mit­schwingt, dass näm­lich der Markt als Prin­zip etwas Nega­ti­ves, Toxi­sches ist. Wir müs­sen aber sehr vor­sich­tig sein, Märk­te kom­plett abzu­schrei­ben. Glo­bal gese­hen haben Märk­te näm­lich – egal ob in Nami­bia, Gha­na oder Süd­ost­asi­en – als Gegen­ge­wicht zu den auto­ri­tä­ren Regi­men fun­giert. Märk­te haben auf die Bedürf­nis­se von Nutzer*innen reagiert, wenn staat­li­che Stel­len das nicht getan haben.

Der Markt an sich ist nicht das Problem“

Was natür­lich gefähr­lich ist, ist wenn der Staat und die Märk­te zusam­men­ar­bei­ten, um Olig­ar­chi­en zu erschaf­fen und Ungleich­heit zu erhal­ten und zu ver­grö­ßern. Aber wir soll­ten den Markt an sich nicht abschrei­ben. Der Kapi­ta­lis­mus hat – und das ist nach­weis­bar – Mil­lio­nen von Men­schen aus der Armut geholt und Ungleich­heit ver­rin­gert. Vor­aus­set­zung war die rich­ti­ge staat­li­che Regu­lie­rung, sorg­fäl­ti­ge Abwä­gung und die rich­ti­ge Balan­ce der ver­schie­de­nen Sta­ke­hol­der, die sich gegen­sei­tig kontrollieren. 

Der Markt an sich ist nicht das Pro­blem. Aller­dings sind die staat­li­chen Regu­lie­rungs­me­cha­nis­men oft so schwach und ver­wäs­sert, dass er ent­we­der von den Mäch­ti­gen im Staat oder den Lob­by­grup­pen usur­piert wird. Ein Markt im eigent­li­chen Sin­ne exis­tiert in vie­len Län­dern gar nicht mehr. 

Als das Inter­net Ende der 1990er zu einem Publi­kums­me­di­um wur­de, gab es die Hoff­nung, dass es zu einer Demo­kra­ti­sie­rung bei­tra­gen wür­de. Heu­te sieht es eher so aus, als ob es von pri­va­ten Tech­no­lo­gie­fir­men über­nom­men wurde. 

Ich glau­be, das ist eine Mys­ti­fi­zie­rung der Ver­gan­gen­heit. Es gab damals viel­leicht mehr Frei­räu­me, aber man muss auch sehen, dass die Zahl der Nutzer*innen sehr klein war und die­se aus sehr pri­vi­le­gier­ten Grup­pen kam. Es waren Hacker und Geeks, sehr weiß und männ­lich. In die­sem Sin­ne ist das Inter­net viel demo­kra­ti­scher gewor­den, weil ein­fach heu­te ande­re Leu­te Zugang haben. Zugang zum Inter­net war damals ver­gleichs­wei­se kost­spie­lig und man brauch­te teu­re Gerä­te. Heu­te ist das kei­ne Fra­ge mehr – auch in den Schwel­len­län­dern. Die tech­ni­schen Inno­va­tio­nen und Dis­rup­tio­nen kom­men inzwi­schen nicht nur aus den Indus­trie­län­dern, son­dern auch von ein­hei­mi­schen Fir­men, etwa in Chi­na, das inzwi­schen so etwas wie eine Gegen­kraft zum Sili­con Val­ley in den USA gewor­den ist, oder in Indi­en, das eben­falls eine eige­ne loka­le Tech-Indus­trie auf­ge­baut hat. 

Was sind denn die neu­en Arten und Wei­sen, wie Nutzer_​innen außer­halb der indus­tria­li­sier­ten Län­der das Inter­net nutzen? 

Neben wir zum Bei­spiel die Debat­te um Memes und Remi­xes, die ja in Euro­pa urhe­ber­recht­lich pro­ble­ma­tisch sind. Die Idee dahin­ter ist, dass wir die Urhe­ber­rech­te von Krea­ti­ven ver­tei­di­gen wol­len. Mit dem Arti­kel 17 der EU-Urhe­ber­rechts­re­form sol­len Upload­fil­ter ein­ge­führt wer­den, um urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Mate­ri­al auto­ma­tisch raus­zu­fil­tern. Wenn man so etwas welt­weit ein­füh­ren wür­de, dann wäre poli­ti­scher Pro­test in vie­len Län­dern nicht mehr mög­lich. In Chi­na nut­zen vie­le Nutzer*innen Memes, um sich über die Regie­rung lus­tig zu machen. Das ist nicht ein­fach, weil dort ein star­kes Zen­sur­re­gime herrscht und alle Inhal­te im Netz über­wacht wer­den. Man muss also sehr geschickt sein.

Das Leben ist von kul­tu­rel­len Codes bestimmt“ 

Es gibt ja die Cute cat theo­ry of digi­tal activism“ von Ethan Zucker­man, die besagt, wenn man genug Kat­zen­con­tent auf eine Platt­form hoch­lädt, dann ist es sehr schwer sie zu schlie­ßen, weil sie haupt­säch­lich Unter­hal­tungs­zwe­cken dient. Inner­halb die­ser Platt­form kann man dann leich­ter sub­ver­si­ve Inhal­te unter­brin­gen. Platt­for­men wie Face­book wer­den welt­weit auch für poli­ti­schen Pro­test genutzt. 

In Ihrem Buch beschrei­ben Sie, wie Nutzer_​innen das Inter­net im All­tag benut­zen, um sich klei­ne Frei­räu­me zu schaf­fen. Inwie­fern ist das poli­tisch relevant? 

Das All­tags­le­ben von Men­schen ist nicht nur von Geset­zen bestimmt, son­dern zum gro­ßen Teil von infor­mel­len Regeln und kul­tu­rel­len Codes. Frau­en ste­hen da oft auf der Ver­lie­rer­sei­te – in sehr vie­len Län­dern der Welt. Wenn Frau­en in Sau­di-Ara­bi­en ihr Gesicht auf Insta­gram zei­gen, dann wird das mit Peit­schen­hie­ben von der Moral­po­li­zei bestraft. Trotz­dem nut­zen sie sozia­le Medi­en, um mit Frem­den zu kom­mu­ni­zie­ren und sogar Lie­bes­be­zie­hun­gen online auf­zu­bau­en. Wenn sie Ver­trau­en auf­ge­baut haben, zei­gen sie in pri­va­ten Nach­rich­ten die­sen Frem­den“ sogar ihr Gesicht und tau­schen Lie­bes­be­teue­run­gen aus. Das ist unge­heu­er ris­kant für sie. Vie­le sind Teen­ager, die sich nach Lie­be und Zunei­gung sehen, nach ihrer Iden­ti­tät suchen und sich aus­pro­bie­ren wol­len, was in ihrem All­tag aber nicht mög­lich ist. Wir hier im Wes­ten kön­nen anzie­hen, was wir wol­len und uns ver­hal­ten, wie wir wol­len. Wir kön­nen uns in der Öffent­lich­keit küs­sen. In Indi­en ver­prü­gelt die selbst­er­nann­te Moral­po­li­zei Paa­re, wenn sie in der Öffent­lich­keit Zärt­lich­kei­ten aus­tau­schen. Und Indi­en ist eine Demokratie! 

Wir reden viel über Daten­schutz und Pri­vat­sphä­re im Zusam­men­hang mit dem Inter­net. Was ist die Rol­le von Pri­vat­sphä­re bei die­sen neu­en Nutzer*innen?

Wir haben vor ein paar Jah­ren ein Pro­jekt gemacht, wo wir die Inter­net­nut­zung in bra­si­lia­ni­schen Fave­las, Slums in Indi­en und Town­ships in Süd­afri­ka unter­sucht haben. Wir haben her­aus­ge­fun­den, dass Pri­vat­sphä­re bei den jun­gen Leu­ten, die dort online gehen, eine ganz ande­re Rol­le spielt. Wir haben uns dafür die Öko­no­mi­en von Lie­bes­be­zie­hun­gen ange­schaut. Wir spre­chen von jun­gen Men­schen, die sich nichts sehn­li­cher wün­schen als Lie­be, eine Bezie­hung und Sex. Sie sind auf der Suche nach ihrer sexu­el­len Iden­ti­tät. Wir haben uns ange­schaut, wie sie nach Sex suchen, wie sie mit Por­no­gra­fie umge­hen, wie sie sol­che Inhal­te tei­len. Sie gehen dabei unge­heu­re Risi­ken ein, um sich dar­zu­stel­len, um sicht- und hör­bar zu werden.

Sozia­le Medi­en als Rückzugsraum

Es zeig­te sich, dass sie kei­ne Angst davor haben, vom Staat über­wacht zu wer­den, son­dern dass die Gefahr von ihrer Fami­lie, den Nach­barn, der Gemein­schaft droh­te. Ein typi­sches bra­si­lia­ni­sches Mäd­chen hat­te mehr Angst vor ihrer Mut­ter, die stän­dig ihr Smart­pho­ne kon­trol­liert, um her­aus­zu­fin­den, mit wem sie sich trifft, mit wem sie redet, wohin sie geht. Die Mut­ter ist ein sehr mäch­ti­ges sozia­les Über­wa­chungs­sys­tem in die­sen Fave­las. Oder die Gang­mit­glie­der des loka­len Dro­gen­bos­ses – sie befri­en­den dich auf Face­book und du musst das akzeptieren. 

Pri­vat­sphä­re ist für vie­le Leu­te auf der Welt ein Luxus. Wenn sich eine gan­ze Fami­lie ein Schlaf­zim­mer tei­len muss, dann gibt es dort kei­ne Pri­vat­sphä­re. Die Nachbar*innen sind gleich neben­an und sehen und hören alles. In den Wohn­ge­bie­ten der Armen ist die Poli­zei über­all und beob­ach­tet sie eben­falls. Man ist es so gewöhnt unter Beob­ach­tung zu ste­hen, dass der vir­tu­el­le Raum in den sozia­len Medi­en, wo man viel­leicht das ers­te Mal für sich sein kann, ein ech­tes Aha-Erleb­nis ist. 

Inter­net-Fir­men wie Face­book sam­meln aber vie­le Daten und bestim­men dar­über, wel­che Infor­ma­tio­nen wir sehen. Ist das nicht problematisch? 

Die­se Debat­te um Pri­vat­sphä­re, die uns im Wes­ten so beschäf­tigt, dass Inter­net-Fir­men unse­re Daten sam­meln, kau­fen und ver­kau­fen, ist in vie­len Län­dern weit ent­fernt vom All­tag und den Sor­gen der Men­schen. Für sie ist das Inter­net ein Frei­raum, wo sie eine neue Iden­ti­tät anneh­men kön­nen und exo­ti­sche Freun­de aus der gan­zen Welt haben kön­nen. In Län­dern wie Bra­si­li­en oder Indi­en sind die Hälf­te bis zu zwei Drit­tel der Freun­de auf Face­book Frem­de. Bei uns sind es weni­ger als fünf Prozent. 

In vie­len Schwel­len­län­dern gibt es die­sen Wunsch, Teil einer glo­ba­len Gemein­schaft zu sein. Das bie­tet einen Aus­weg aus einer Lebens­um­ge­bung, die sehr ein­ge­schränkt ist. Die meis­ten der Leu­te wer­den wahr­schein­lich nie ihr Vier­tel oder ihre Stadt ver­las­sen. Trotz­dem füh­len sie sich als Welt­bür­ger. In einer BBC-Befra­gung 2016 haben Drei­vier­tel der nige­ria­ni­schen Staats­bür­ger sich als Welt­bür­ger bezeich­net, wäh­rend es in Deutsch­land nur rund drei­ßig Pro­zent waren.

Eine US-Fir­ma ist nicht ein­fach nur eine US-Firma“ 

Wir im Wes­ten kön­nen es uns leis­ten, dem Netz gegen­über kri­tisch zu sein, weil wir ande­re Kanä­le haben, über die wir uns aus­drü­cken kön­nen. Es ist kein Wun­der, dass die Men­schen in den Län­dern des glo­ba­len Südens viel enthu­si­as­ti­scher gegen­über dem Inter­net zei­gen. Ich fin­de es schwie­rig zu sagen, wir müs­sen Face­book abschaf­fen, es zer­stört unse­re Demo­kra­tie. Wes­sen Demo­kra­tie ist das und aus wel­cher Per­spek­ti­ve spre­chen wir? 

Die Kri­tik an Face­book ist berech­tigt, kei­ne Fra­ge, aber sie waren die Ers­ten, die das Inter­net zu die­sen Men­schen in den Nied­rig­lohn­län­dern gebracht haben. Das geschah über das Internet.org-Projekt, das in eini­gen Län­dern kos­ten­lo­sen Zugang zu aus­ge­wähl­ten Web­sei­ten wie Wiki­pe­dia, Goog­le und natür­lich Face­book erlaubt. Natür­lich ist das nicht das Inter­net, aber nie­mand sonst hat etwas für die­se Leu­te getan. Halb Myan­mar ist inner­halb von zwei Jah­ren über die­ses Pro­jekt online gegan­gen, nach­dem die Mili­tär­herr­schaft been­det war. 

Was wären denn dann die Schrit­te, um das Inter­net für alle gerech­ter zu gestalten? 

Daten flie­ßen über natio­na­le Gren­zen hin­weg. Inter­na­tio­nal agie­ren­de Unter­neh­men bau­en ihre Struk­tu­ren eben­falls inter­na­tio­nal auf. Daten­zen­tren befin­den sich auf der Welt ver­teilt; die Roh­stof­fe für Smart­pho­nes und Com­pu­ter kom­men zu gro­ßen Tei­len aus Afri­ka – wir müs­sen all die­se Struk­tu­ren beach­ten. Eine US-ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma ist nicht ein­fach nur eine US-ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma. Die Geld­flüs­se sind welt­weit verteilt.

Wir brau­chen drin­gend eine glo­ba­le Regulierung“ 

Wir brau­chen unab­hän­gi­ge Regu­lie­rungs­be­hör­den, die kol­lek­tiv von inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen finan­ziert wer­den. Wir bewe­gen uns zwar schon in die­se Rich­tung, aber wer kon­trol­liert die Kon­trol­leu­re? Wir brau­chen dort Leu­te, die kei­ne eige­nen poli­ti­schen Inter­es­sen ver­fol­gen. Vor allem in den USA gibt es die Vor­stel­lung, dass die Indus­trie sich über Selbst­ver­pflich­tun­gen regu­liert. Dafür bekom­men Ver­brau­cher­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen immer weni­ger Geld. Das ist zu kurz gedacht, denn natür­lich haben Tech-Fir­men ganz ande­re Stan­dards und Inter­es­sen. Das Ergeb­nis ist für die Öffent­lich­keit nicht so gut – wie wir immer wie­der sehen. Wir brau­chen also drin­gend eine glo­ba­le Regu­lie­rung die­ser angeb­lich natio­na­len Pro­ble­me, weil sie nicht mehr natio­nal sind. Es ist trau­rig, dass es auf der gan­zen Welt die­se Bewe­gun­gen gibt, die Natio­nal­staa­ten zu stär­ken, aber eigent­lich müss­ten wir genau das Gegen­teil tun. Die digi­ta­le Welt ist Teil unse­res All­tags gewor­den und wir sind des­halb Teil eines glo­ba­len Dia­logs, ob es uns passt oder nicht.