Was wäre, wenn Technologie uns die Arbeit abnähme?

Die mensch¬≠li¬≠che Hand

Ver­stän­di­ge Maschi­nen, unli­mi­tier­te Frei­zeit, spie­le­ri­sche Gesell­schaft. Ist das vor­stell­bar? Eine Erzäh­lung aus der post-kapi­ta­lis­ti­schen und femi­nis­ti­schen Zukunft, von der wir heu­te schon ler­nen können.

Ihre rech¬≠te, aus¬≠ge¬≠streck¬≠te Hand reich¬≠te nach dem Griff des anti¬≠ken Unter¬≠schranks im sp√§t¬≠ka¬≠pi¬≠ta¬≠lis¬≠ti¬≠schen Stil, in dem sich die Snacks f√ľr die Kat¬≠ze befan¬≠den. Zuvor war sie durch wie¬≠der¬≠hol¬≠tes Kopf¬≠ni¬≠cken des Tie¬≠res in Rich¬≠tung der K√ľche √ľber des¬≠sen Inter¬≠es¬≠se infor¬≠miert wor¬≠den. Die unmiss¬≠ver¬≠st√§nd¬≠li¬≠che Ges¬≠te hat¬≠te gen√ľgt, um sie in Bewe¬≠gung zu set¬≠zen, als w√§re sie fern¬≠ge¬≠steu¬≠ert. Sie war auf dem Sofa von der Lie¬≠ge- in die Sitz¬≠po¬≠si¬≠ti¬≠on gewech¬≠selt, auf¬≠ge¬≠stan¬≠den, hat¬≠te dabei ihre Phan¬≠tastic-Sleep-Sen¬≠so¬≠ren abge¬≠nom¬≠men und auf der Leh¬≠ne abge¬≠legt, war sie¬≠ben Schrit¬≠te gera¬≠de¬≠aus und einen nach links gegan¬≠gen und hat¬≠te sich dann vorn√ľbergebeugt. 

Chris¬≠tia¬≠ne Froh¬≠mann ist Ver¬≠le¬≠ge¬≠rin, Autorin und Kul¬≠tur¬≠phi¬≠lo¬≠so¬≠phin. Sie publi¬≠ziert zu √Ąsthe¬≠tik und Gesell¬≠schaft im digi¬≠ta¬≠len Wandel.

Nun fass¬≠te ihre lin¬≠ke Hand ins Inne¬≠re des Schranks und zog die por¬≠ti¬≠ons¬≠wei¬≠se ver¬≠pack¬≠ten Tro¬≠cken¬≠fleisch¬≠stan¬≠gen her¬≠aus. Sie rich¬≠te¬≠te sich auf und riss unter Ein¬≠satz bei¬≠der H√§n¬≠de ein Seg¬≠ment auf, Auge in Auge mit der Kat¬≠ze, wel¬≠che in eine Art Erwar¬≠tungs¬≠star¬≠re ver¬≠fal¬≠len war. Sie dr√ľck¬≠te die Stan¬≠ge nach oben und hielt sie der Kat¬≠ze hin, etwa zwan¬≠zig Zen¬≠ti¬≠me¬≠ter √ľber deren Kopf: ‚Äč‚ÄúSti¬≠cky!‚ÄĚ Die Kat¬≠ze stell¬≠te sich auf die Hin¬≠ter¬≠bei¬≠ne und zog mit den Z√§h¬≠nen den Snack heraus.

Das Care-Spiel

Bei die¬≠sem t√§g¬≠li¬≠chen Ritu¬≠al lie¬≠√üen sich bei¬≠de Lebe¬≠we¬≠sen abwech¬≠selnd vom jeweils ande¬≠ren wie eine Droh¬≠ne ein¬≠set¬≠zen: Die Per¬≠son wur¬≠de zum Schrank navi¬≠giert, den die Kat¬≠ze mit ihren Tier¬≠pfo¬≠ten nicht √∂ff¬≠nen konn¬≠te, und die Kat¬≠ze wur¬≠de dazu bewegt, ein Kunst¬≠st√ľck zu machen, das die Per¬≠son unter¬≠hielt. Die¬≠se locke¬≠re Koope¬≠ra¬≠ti¬≠on, bei der sie sich ohne Zwang und Qual gegen¬≠sei¬≠tig mehr Lebens¬≠qua¬≠li¬≠t√§t ver¬≠schaff¬≠ten, wies auf ein pro¬≠gres¬≠si¬≠ve¬≠res Arbeits¬≠ver¬≠h√§lt¬≠nis hin, als es noch im fr√ľ¬≠hen 21. Jahr¬≠hun¬≠dert die meis¬≠ten Men¬≠schen bei ihrer Lohn¬≠ar¬≠beit erlebt hat¬≠ten. Bei ihrem hybri¬≠den Snack-Game stell¬≠te sich dar¬≠√ľber hin¬≠aus ein Gef√ľhl der Bin¬≠dung und Zuge¬≠h√∂¬≠rig¬≠keit ein ‚Äď was gab es Sch√∂¬≠ne¬≠res, als in einer Welt, in der man sich von Tech¬≠nik alle Arbeit abneh¬≠men las¬≠sen konn¬≠te und nie¬≠mand mehr Skla¬≠ve oder Assis¬≠ten¬≠tin ande¬≠rer sein muss¬≠te, Arbeit frei¬≠wil¬≠lig als Lie¬≠bes¬≠dienst zu verrichten?

Je nach Lau­ne geriet ihr Care-Spiel aus dem Fluss. Ent­we­der tat die Per­son so, als näh­me sie die zuneh­mend miss­mu­ti­gen Kopf­be­we­gun­gen der Kat­ze nicht wahr oder die Kat­ze blieb, wenn ihr der Snack hin­ge­hal­ten wur­de, faul auf allen vier Pfo­ten ste­hen, ein­fach, weil sie es konn­te, sie war schließ­lich kein wil­len­lo­ses Zirkustier.

Trotz¬≠dem woll¬≠ten bei¬≠de, obwohl es das Ritu¬≠al effi¬≠zi¬≠en¬≠ter gemacht h√§t¬≠te und die Tech¬≠nik bereits jahr¬≠zehn¬≠te¬≠lang zur Ver¬≠f√ľ¬≠gung stand, kei¬≠nen robo¬≠ti¬≠schen Ersatz f√ľr ihr Gegen¬≠√ľber. Sie ver¬≠zich¬≠te¬≠ten ja auch nicht ohne Grund auf die Nut¬≠zung der Inter¬≠spe¬≠zi¬≠es-√úber¬≠set¬≠zungs-App. Ein ein¬≠zi¬≠ger Abend vor vie¬≠len Jah¬≠ren, an dem sie bei Cola und Kat¬≠zen¬≠milch ihre Erin¬≠ne¬≠run¬≠gen, Wer¬≠te und Befind¬≠lich¬≠kei¬≠ten abge¬≠gli¬≠chen hat¬≠ten, war genug gewe¬≠sen, um ihnen begreif¬≠lich zu machen, dass sie auch ohne App immer her¬≠vor¬≠ra¬≠gend mit¬≠ein¬≠an¬≠der kom¬≠mu¬≠ni¬≠ziert hatten.

Mit der Hand √ľber das Fell der schnur¬≠ren¬≠den Kat¬≠ze strei¬≠chend erin¬≠ner¬≠te sie sich an Paro, den Sat¬≠tel¬≠rob¬≠ben¬≠ba¬≠by-Robo¬≠ter. Paro spiel¬≠te eine bedeu¬≠ten¬≠de Rol¬≠le in den ‚Äč‚ÄúLebens-Geschich¬≠ten‚ÄĚ ‚Äď den instanta¬≠nen, sich in Echt¬≠zeit aktua¬≠li¬≠sie¬≠ren¬≠den Chro¬≠ni¬≠ken der Mensch¬≠heit. Er war 2001, im sel¬≠ben Jahr wie ihre Urgro√ü¬≠mutter, auf die Welt gekom¬≠men. Die Urur¬≠gro√ü¬≠mutter arbei¬≠te¬≠te damals in einer Pfle¬≠ge¬≠ein¬≠rich¬≠tung, in der Paro ein¬≠ge¬≠setzt wur¬≠de. In der Anschaf¬≠fung kos¬≠te¬≠te ‚Äč‚Äúder sozia¬≠le Robo¬≠ter‚ÄĚ unge¬≠f√§hr den glei¬≠chen Betrag Geld, den ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter als exami¬≠nier¬≠te Fach¬≠kraft in drei Mona¬≠ten ver¬≠dien¬≠te. Er war also nach sp√§t¬≠ka¬≠pi¬≠ta¬≠lis¬≠ti¬≠schen Ma√ü¬≠st√§¬≠ben g√ľns¬≠tig, denn in Sozi¬≠al¬≠be¬≠ru¬≠fen ver¬≠dien¬≠te man so schlecht, dass man selbst bei durch¬≠ge¬≠hen¬≠der Besch√§f¬≠ti¬≠gung bis zur Ren¬≠te in Armut leb¬≠te und starb. Ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re, wenn man wie ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter allein f√ľr ein Kind zu sor¬≠gen hat¬≠te. Heu¬≠te konn¬≠te sich nie¬≠mand mehr eine Gesell¬≠schaft vor¬≠stel¬≠len, die aus¬≠ge¬≠rech¬≠net Care-T√§tig¬≠kei¬≠ten so wenig wert¬≠sch√§tz¬≠te oder Eltern der siche¬≠ren √úber¬≠for¬≠de¬≠rung aussetzte.

Die frei¬≠wil¬≠li¬≠ge Sor¬≠ge f√ľreinander

Erst als Rent¬≠ne¬≠rin fand ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter die Zeit, ihre kom¬≠ple¬≠xen Beob¬≠ach¬≠tun¬≠gen und Erfah¬≠run¬≠gen als allein¬≠er¬≠zie¬≠hen¬≠de Mut¬≠ter und Alten¬≠pfle¬≠ge¬≠rin in der fr√ľ¬≠hen Digi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠rung zu ana¬≠ly¬≠sie¬≠ren und nie¬≠der¬≠zu¬≠schrei¬≠ben, um dar¬≠aus ein neu¬≠es Kon¬≠zept namens ‚Äč‚ÄúKom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons-Pfle¬≠ge‚ÄĚ abzu¬≠lei¬≠ten. Dar¬≠in leg¬≠te sie zuk√ľnf¬≠ti¬≠gen Genera¬≠tio¬≠nen nahe, k√ľnst¬≠li¬≠che Intel¬≠li¬≠genz nur f√ľr T√§tig¬≠kei¬≠ten ein¬≠zu¬≠set¬≠zen, die Men¬≠schen als qu√§¬≠lend oder f√ľr sozia¬≠le Bezie¬≠hun¬≠gen sch√§¬≠di¬≠gend betrach¬≠te¬≠ten. F√ľr die Men¬≠schen selbst for¬≠der¬≠te sie die gesamt¬≠ge¬≠sell¬≠schaft¬≠li¬≠che Kon¬≠zen¬≠tra¬≠ti¬≠on auf ein bis¬≠lang nicht oder nur sehr ein¬≠ge¬≠schr√§nkt als Arbeit gel¬≠ten¬≠des Gebiet: die frei¬≠wil¬≠li¬≠ge Sor¬≠ge f√ľr¬≠ein¬≠an¬≠der. Es war Paro gewe¬≠sen, bes¬≠ser gesagt, die Beob¬≠ach¬≠tung von Men¬≠schen, die mit Paro Umgang hat¬≠ten, der ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter dazu gebracht hat¬≠te, bestimm¬≠te Ph√§¬≠no¬≠me¬≠ne anders zu sehen und anders einzuordnen. 

Der Baby¬≠rob¬≠ben-Robo¬≠ter wur¬≠de vor allem bei der Pfle¬≠ge demen¬≠ter Men¬≠schen ein¬≠ge¬≠setzt, die ihn strei¬≠cheln und mit ihm kuscheln durf¬≠ten, was sie ent¬≠spann¬≠te und beru¬≠hig¬≠te. Ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter bemerk¬≠te, dass Paro wie ihr Men¬≠schen¬≠ba¬≠by zuhau¬≠se fast schmerz¬≠haft nied¬≠lich war, aber das galt auch f√ľr man¬≠che Stoff¬≠tie¬≠re. Was Paro beson¬≠ders mach¬≠te, war, dass er emp¬≠find¬≠lich auf Ber√ľh¬≠run¬≠gen und Namen reagier¬≠te. Er beweg¬≠te dann Kopf, Augen und Schwanz und mach¬≠te T√∂ne. Damals wur¬≠den in der tier¬≠ge¬≠st√ľtz¬≠ten The¬≠ra¬≠pie noch kei¬≠ne vor¬≠der¬≠gr√ľn¬≠dig nied¬≠li¬≠chen Tie¬≠re ein¬≠ge¬≠setzt, es ging eher um ein dif¬≠fu¬≠ses, wohl¬≠tu¬≠en¬≠des Ver¬≠ste¬≠hen, dass man, weil man mit einem ande¬≠ren Lebe¬≠we¬≠sen Bli¬≠cke und Ber√ľh¬≠run¬≠gen aus¬≠tausch¬≠te, selbst leben¬≠dig war. 

Mit Paro und den Demenz¬≠kran¬≠ken hat¬≠te man nun den Son¬≠der¬≠fall, dass Per¬≠so¬≠nen, die m√∂g¬≠li¬≠cher¬≠wei¬≠se gar nicht mehr wuss¬≠ten, was Mensch¬≠sein bedeu¬≠tet ‚Äď im Sp√§t¬≠ka¬≠pi¬≠ta¬≠lis¬≠mus, die¬≠se kri¬≠ti¬≠sche Anmer¬≠kung muss gestat¬≠tet sein, wuss¬≠ten dies auch sehr vie¬≠le Men¬≠schen ohne Demenz nicht zwin¬≠gend ‚Äď auf ein Robo¬≠ter¬≠tier mit Kind¬≠chen¬≠sche¬≠ma tra¬≠fen. Durch den Anblick von Paro und die Inter¬≠ak¬≠ti¬≠on mit ihm wur¬≠den sie dazu gebracht, sich wie Men¬≠schen mit einem sinn¬≠vol¬≠len Leben zu f√ľh¬≠len. Sie glaub¬≠ten, so hat¬≠te es zumin¬≠dest den Anschein, Care-Arbeit f√ľr ein sehr schutz¬≠be¬≠d√ľrf¬≠ti¬≠ges Lebe¬≠we¬≠sen zu leis¬≠ten. Das mach¬≠te sie gl√ľcklich. 

Die bei der Markt¬≠ein¬≠f√ľh¬≠rung von Paro zu beob¬≠ach¬≠ten¬≠de Unbe¬≠hag¬≠lich¬≠keit des Pfle¬≠ge¬≠per¬≠so¬≠nals leg¬≠te sich bald, weil kein Zwei¬≠fel dar¬≠√ľber bestehen konn¬≠te, dass die Lebens¬≠qua¬≠li¬≠t√§t der demen¬≠ten Per¬≠so¬≠nen sich ver¬≠bes¬≠ser¬≠te. Man t√§usch¬≠te sie ja auch nicht wirk¬≠lich, nie¬≠mand setz¬≠te ihnen lebens¬≠ech¬≠te Robo¬≠ter mit den Gesichts¬≠z√ľ¬≠gen naher Ver¬≠wand¬≠ter gegen¬≠√ľber. Die Rob¬≠be, die im Gegen¬≠satz zu den ech¬≠ten Ange¬≠h√∂¬≠ri¬≠gen mit einem uner¬≠sch√ľt¬≠ter¬≠li¬≠chen Gleich¬≠mut aus¬≠ge¬≠stat¬≠tet war, wur¬≠de schlicht mit den Wor¬≠ten ‚Äč‚ÄúDas ist Paro‚ÄĚ vor¬≠ge¬≠stellt. Was die ein¬≠zel¬≠nen Per¬≠so¬≠nen in Paro sahen, bestimm¬≠ten deren eige¬≠ne Gehirne. 

Das Schö­ne am mensch­li­chen Miteinander

Man k√∂nn¬≠te mei¬≠nen, dass ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter dar¬≠auf¬≠hin zu dem Schluss gekom¬≠men w√§re, alle Men¬≠schen br√§uch¬≠ten, um psy¬≠chisch aus¬≠ge¬≠gli¬≠che¬≠ner und ins¬≠ge¬≠samt leis¬≠tungs¬≠st√§r¬≠ker zu wer¬≠den, t√§u¬≠schend ech¬≠te Robo¬≠ter f√ľr ver¬≠schie¬≠de¬≠ne N√§he- und Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons¬≠kon¬≠tex¬≠te: Kuschel¬≠ro¬≠bo¬≠ter, Spiel¬≠ro¬≠bo¬≠ter, Unter¬≠richts¬≠ro¬≠bo¬≠ter, Gespr√§chs¬≠ro¬≠bo¬≠ter, The¬≠ra¬≠pie¬≠ro¬≠bo¬≠ter, Sex¬≠ro¬≠bo¬≠ter. Das Gegen¬≠teil war der Fall, in ihr ent¬≠stand die fes¬≠te √úber¬≠zeu¬≠gung, dass die Arbeits¬≠ver¬≠h√§lt¬≠nis¬≠se sich kate¬≠go¬≠ri¬≠al √§ndern muss¬≠ten, damit Men¬≠schen nicht l√§n¬≠ger wie min¬≠der¬≠wer¬≠ti¬≠ge Robo¬≠ter wirk¬≠ten. Man muss¬≠te weg von einer Arbeits¬≠welt, die als so qu√§¬≠lend emp¬≠fun¬≠den wur¬≠de, dass es schier das Mensch¬≠sein aus einem raus¬≠saug¬≠te. Arbeit soll¬≠te so ver¬≠stan¬≠den und orga¬≠ni¬≠siert wer¬≠den, dass man sich auf das Sch√∂¬≠ne am Mensch- und Leben¬≠dig¬≠sein kon¬≠zen¬≠trie¬≠ren konn¬≠ten, das Mit¬≠ein¬≠an¬≠der- und F√ľr¬≠ein¬≠an¬≠der¬≠da¬≠sein, das frei¬≠wil¬≠li¬≠ge T√§tig¬≠sein und Schaf¬≠fen. Arbeit w√ľr¬≠de einen auch wei¬≠ter¬≠hin ersch√∂p¬≠fen, aber nicht schon beim blo¬≠√üen Gedan¬≠ken an sie. 

Zwar wur¬≠den auch damals Pfle¬≠ge¬≠t√§¬≠tig¬≠kei¬≠ten aus¬≠nahms¬≠los als sinn¬≠voll bezeich¬≠net, aber dies schlug sich nicht in den Arbeits¬≠be¬≠din¬≠gun¬≠gen nie¬≠der, wodurch es Men¬≠schen in die¬≠sen Beru¬≠fen schwer¬≠fiel, dem Anspruch des mensch¬≠li¬≠chen Pfle¬≠gens gerecht zu wer¬≠den. Sie waren pro¬≠fes¬≠sio¬≠nell aus¬≠ge¬≠bil¬≠det und dadurch weni¬≠ger anf√§l¬≠lig als die Ange¬≠h√∂¬≠ri¬≠gen von Pati¬≠en¬≠tin¬≠nen, durch die Belas¬≠tung ver¬≠bal oder phy¬≠sisch gewalt¬≠t√§¬≠tig zu wer¬≠den, aber sie hat¬≠ten viel zu wenig Zeit f√ľr eine mehr als √ľber das N√∂tigs¬≠te hin¬≠aus¬≠ge¬≠hen¬≠de F√ľrsorge.

Hier setz¬≠ten die √úber¬≠le¬≠gun¬≠gen ihrer Urur¬≠gro√ü¬≠mutter an: Was w√§re, wenn man, sobald die Tech¬≠no¬≠lo¬≠gie aus¬≠ge¬≠reift war, Robo¬≠ter in jenen Berei¬≠chen der Pfle¬≠ge ein¬≠setz¬≠te, die Men¬≠schen unan¬≠ge¬≠nehm waren. Eine Pfle¬≠ge¬≠kraft, die einer ande¬≠ren Per¬≠son nicht mehr in poten¬≠zi¬≠ell pein¬≠li¬≠chen Situa¬≠tio¬≠nen assis¬≠tie¬≠ren m√ľss¬≠te, k√∂nn¬≠te unbe¬≠las¬≠te¬≠ter und auf Augen¬≠h√∂¬≠he mit ihr spre¬≠chen. Pati¬≠en¬≠tin¬≠nen w√ľr¬≠den sich auto¬≠nom mit einem Knopf¬≠druck oder Blin¬≠zeln der Augen die ben√∂¬≠tig¬≠te auto¬≠ma¬≠ti¬≠sier¬≠te Hil¬≠fe holen k√∂n¬≠nen, was die Vor¬≠stel¬≠lung von Hilfs¬≠be¬≠d√ľrf¬≠tig¬≠keit und damit den Sta¬≠tus von Alten, Kran¬≠ken und Men¬≠schen mit Behin¬≠de¬≠run¬≠gen radi¬≠kal ver¬≠√§n¬≠dern w√ľr¬≠de. Als die Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons-Pfle¬≠ge eini¬≠ge Jah¬≠re sp√§¬≠ter in Modell¬≠ver¬≠su¬≠chen umge¬≠setzt wur¬≠de, zeig¬≠te sich ein wun¬≠der¬≠sch√∂¬≠ner Neben¬≠ef¬≠fekt: Eine hel¬≠fen¬≠de Hand wur¬≠de zuneh¬≠mend gern ange¬≠bo¬≠ten und gern akzep¬≠tiert, nach¬≠dem Men¬≠schen weder gezwun¬≠gen waren zu hel¬≠fen noch Hil¬≠fe anzunehmen. 

Ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter hat¬≠te sich au√üer¬≠dem vehe¬≠ment gegen eine phi¬≠lo¬≠so¬≠phi¬≠sche Erhe¬≠bung der k√ľnst¬≠li¬≠chen Intel¬≠li¬≠genz zum bes¬≠se¬≠ren Men¬≠schen gewandt und daf√ľr pl√§¬≠diert, statt¬≠des¬≠sen die mensch¬≠li¬≠che Hand ins Zen¬≠trum allen Den¬≠kens zu stel¬≠len. Damit mach¬≠te sie sich auch ein wenig √ľber die Meta¬≠pher der ‚Äč‚Äúunsicht¬≠ba¬≠ren Hand‚ÄĚ lus¬≠tig, die damals seit √ľber 250 Jah¬≠ren durch Wirt¬≠schafts¬≠theo¬≠ri¬≠en geis¬≠ter¬≠te, als w√ľr¬≠de es sich bei ihr um einen fes¬≠ten Begriff han¬≠deln, obwohl sie urspr√ľng¬≠lich gar nicht von Adam Smith, son¬≠dern aus einem reli¬≠gi√∂¬≠sen Kon¬≠text stamm¬≠te und auch bei Smith ver¬≠schie¬≠de¬≠ne Bedeu¬≠tun¬≠gen annahm. In ihrer wenig bis nichts¬≠sa¬≠gen¬≠den All¬≠ge¬≠gen¬≠w√§r¬≠tig¬≠keit, fand ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter, √§hnel¬≠te die ‚Äč‚Äúunsicht¬≠ba¬≠re Hand‚ÄĚ zeit¬≠ge¬≠n√∂s¬≠si¬≠schen buz¬≠zwordswie ‚Äč‚ÄúDigi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠rung‚ÄĚ und ‚Äč‚ÄúK√ľnst¬≠li¬≠che Intel¬≠li¬≠genz‚ÄĚ, die eben¬≠falls einen dif¬≠fu¬≠sen Raum zwi¬≠schen √Ėko¬≠no¬≠mie, Gesell¬≠schafts¬≠po¬≠li¬≠tik, Reli¬≠gi¬≠on und Magie er√∂ff¬≠ne¬≠ten. Ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter beschrieb dies tref¬≠fend als ‚Äč‚ÄúBegriffs¬≠fik¬≠ti¬≠on‚ÄĚ.

Glo­ba­le Revolution

Das dama¬≠li¬≠ge Pres¬≠ti¬≠ge¬≠den¬≠ken ver¬≠hin¬≠der¬≠te, dass Ver¬≠la¬≠ge die Schrif¬≠ten zu ihren Leb¬≠zei¬≠ten ver¬≠√∂f¬≠fent¬≠lich¬≠ten. Von sozia¬≠len Medi¬≠en wur¬≠de man aber durch einen feh¬≠len¬≠den aka¬≠de¬≠mi¬≠schen Hin¬≠ter¬≠grund nicht aus¬≠ge¬≠schlos¬≠sen, das Blog und die Tweets ihrer Urur¬≠gro√ü¬≠mutter wur¬≠den von Mil¬≠lio¬≠nen Men¬≠schen gele¬≠sen. Mehr und mehr Pfle¬≠ge¬≠ein¬≠rich¬≠tun¬≠gen mit pri¬≠va¬≠ten Tr√§¬≠gern grif¬≠fen die √úber¬≠le¬≠gun¬≠gen zur Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons-Pfle¬≠ge auf, taten sich mit Ent¬≠wick¬≠le¬≠rin¬≠nen und Inge¬≠nieu¬≠rin¬≠nen zusam¬≠men, besorg¬≠ten das n√∂ti¬≠ge Geld √ľber Crowd¬≠fun¬≠dings und gewan¬≠nen Aging-Akti¬≠vis¬≠tin¬≠nen und Men¬≠schen mit Behin¬≠de¬≠run¬≠gen als Bot¬≠schaf¬≠te¬≠rin¬≠nen f√ľr die Bewegung. 

Die im Pfle¬≠ge¬≠be¬≠reich begon¬≠ne¬≠ne Revo¬≠lu¬≠ti¬≠on wur¬≠de von ihrer Urur¬≠gro√ü¬≠mutter im st√§n¬≠di¬≠gen Aus¬≠tausch mit vie¬≠len ande¬≠ren Men¬≠schen ‚Äď die Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on fand in Chat¬≠grup¬≠pen statt ‚Äď unter dem Namen ‚Äč‚ÄúLebens-Wen¬≠de‚ÄĚ auf alle gesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Berei¬≠che aus¬≠ge¬≠dehnt. Eine glo¬≠ba¬≠le Bewe¬≠gung ent¬≠stand, denn nach und nach erkann¬≠ten Men¬≠schen aller Kul¬≠tu¬≠ren den kate¬≠go¬≠ria¬≠len Feh¬≠ler, die mensch¬≠li¬≠che Ten¬≠denz, domi¬≠nie¬≠ren zu wol¬≠len, auf Maschi¬≠nen zu pro¬≠ji¬≠zie¬≠ren und damit erst den Grund zur Sor¬≠ge vor deren √úber¬≠nah¬≠me gelie¬≠fert zu haben. Wenn eine Maschi¬≠ne a prio¬≠ri nur eine von mensch¬≠li¬≠cher Hand geschaf¬≠fe¬≠ne k√ľnst¬≠li¬≠che Assis¬≠tenz war, die man nut¬≠zen konn¬≠te oder auch nicht, war¬≠um soll¬≠te die Maschi¬≠ne den Auf¬≠stand pla¬≠nen oder den Men¬≠schen erset¬≠zen wol¬≠len? Ohne die mensch¬≠li¬≠che Hand gab es kei¬≠ne Maschi¬≠nen, dar¬≠an hat¬≠te die Mensch¬≠heit sich nur erin¬≠nern m√ľssen. 

Maschi¬≠nen mach¬≠ten jetzt per defi¬≠ni¬≠tio¬≠nem die unwich¬≠ti¬≠ge Arbeit, das hei√üt die Arbeit, die Men¬≠schen nicht machen woll¬≠ten oder konn¬≠ten. Die Maschi¬≠nen selbst wur¬≠den als unwe¬≠sent¬≠lich defi¬≠niert ‚Äď eine Denk¬≠fi¬≠gur, die man dem Patri¬≠ar¬≠chat in der Les¬≠art Han¬≠nah Arendts ent¬≠lehn¬≠te. Men¬≠schen als unwe¬≠sent¬≠lich zu set¬≠zen, war dis¬≠kri¬≠mi¬≠nie¬≠rend gewe¬≠sen, Maschi¬≠nen als unwe¬≠sent¬≠lich zu set¬≠zen, war vern√ľnftig. 

Das Vor¬≠bild bei der Kon¬≠zep¬≠ti¬≠on k√ľnst¬≠li¬≠cher Intel¬≠li¬≠genz war die abge¬≠trenn¬≠te Hand aus der Addams Fami¬≠ly, Thing T. Thing, in der deut¬≠schen Fas¬≠sung ‚Äč‚Äúdas eis¬≠kal¬≠te H√§nd¬≠chen‚ÄĚ. Thing war kein Ding, kein Haus¬≠tier, kein Mensch, aber ein Freund. Mit sei¬≠nen ein¬≠ge¬≠schr√§nk¬≠ten M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten erle¬≠dig¬≠te Thing ein¬≠fa¬≠che T√§tig¬≠kei¬≠ten und hol¬≠te etwa die Post rein. Thing mach¬≠te plau¬≠si¬≠bel, dass sich die Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen von Beleb¬≠tem und Unbe¬≠leb¬≠tem zwar sehr ver¬≠√§n¬≠dert hat¬≠ten, aber die Maschi¬≠nen trotz¬≠dem kei¬≠ne Super¬≠men¬≠schen waren. Es ging zuk√ľnf¬≠tig nicht mehr pri¬≠m√§r dar¬≠um, die Ber√ľh¬≠rung einer mensch¬≠li¬≠chen Hand m√∂g¬≠lichst per¬≠fekt zu simu¬≠lie¬≠ren. Viel¬≠mehr soll¬≠te eine Gesell¬≠schaft, eine Welt, kre¬≠iert wer¬≠den, in der Men¬≠schen ande¬≠re Lebe¬≠we¬≠sen ber√ľhr¬≠ten und in der Men¬≠schen und ande¬≠re Lebe¬≠we¬≠sen von Men¬≠schen und Robo¬≠tern ber√ľhrt wur¬≠den, auf eine Art und Wei¬≠se, in Situa¬≠tio¬≠nen und zu Zeit¬≠punk¬≠ten, die ange¬≠nehm und nicht qu√§¬≠lend waren. Men¬≠schen hat¬≠ten das unver¬≠br√ľch¬≠li¬≠che Recht, in jedem Augen¬≠blick neu zu ent¬≠schei¬≠den, wobei sie Hil¬≠fe haben woll¬≠ten und wobei nicht. Wer unsi¬≠cher war, eine bestimm¬≠te maschi¬≠nel¬≠le Hil¬≠fe ein¬≠zu¬≠for¬≠dern, konn¬≠te sie in einer Tag¬≠traum¬≠si¬≠mu¬≠la¬≠ti¬≠on aus¬≠pro¬≠bie¬≠ren. Der Name der App war von Shir¬≠ley Jack¬≠son inspi¬≠riert und lau¬≠te¬≠te Phan¬≠tastic Sleep. Die Anwen¬≠dung erleich¬≠ter¬≠te die Ein¬≠sch√§t¬≠zung, ob man sich mit dem rea¬≠len K√∂r¬≠per und Sein an die frag¬≠li¬≠che Situa¬≠ti¬≠on her¬≠an¬≠wa¬≠gen wollte. 

Men­schen mit robo­ti­schen Glied­ma­ßen wur­den nicht mehr Cyborgs genannt und so unnö­tig dem Mensch­sein ent­frem­det. Sie waren Men­schen und ein Mensch war ein Mensch war ein Mensch. Auch das 2012 als Kunst dar­ge­stell­te Expe­ri­ment, aus einer toten Kat­ze einen Hub­schrau­ber zu machen, erschien jetzt unethisch. Kat­zen waren Lebe­we­sen und ein Lebe­we­sen war ein Lebe­we­sen war ein Lebewesen.

Zwang­lo­ser Sozia­lis­mus ohne Wettbewerb

Seit als gesi¬≠chert galt, dass Maschi¬≠nen den Men¬≠schen ein mate¬≠ri¬≠ell sorg¬≠lo¬≠ses Leben erm√∂g¬≠li¬≠chen w√ľr¬≠den, ohne sie im Schlaf zu ermor¬≠den, ver¬≠lo¬≠ren die Men¬≠schen das Inter¬≠es¬≠se am √∂ko¬≠no¬≠mi¬≠schen Wett¬≠be¬≠werb. Sich mit¬≠ein¬≠an¬≠der zu mes¬≠sen, war nur noch im spie¬≠le¬≠ri¬≠schen, sport¬≠li¬≠chen oder krea¬≠ti¬≠ven Rah¬≠men plau¬≠si¬≠bel, man tat es, wenn man Lust dazu hat¬≠te und ande¬≠re Lust hat¬≠ten, mit¬≠zu¬≠ma¬≠chen. Das lie√ü den Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus fast bei¬≠l√§u¬≠fig kol¬≠la¬≠bie¬≠ren, ohne dass daf√ľr Mani¬≠fes¬≠te geschrie¬≠ben oder neue Men¬≠schen geformt wer¬≠den muss¬≠ten. Indem sich alle, so wie sie waren, auf das Mensch¬≠sein und Mensch¬≠lich¬≠sein kon¬≠zen¬≠trie¬≠ren konn¬≠ten, emer¬≠gier¬≠te ein zwang¬≠lo¬≠ser Sozia¬≠lis¬≠mus. Mehr zu haben als ande¬≠re wur¬≠de zu einer unsin¬≠ni¬≠gen Vor¬≠stel¬≠lung, was soll¬≠te das noch brin¬≠gen? Unter den nach alter Vor¬≠stel¬≠lung Rei¬≠chen, vor allem dem soge¬≠nann¬≠ten 1 %, gab es trotz¬≠dem sehr unter¬≠schied¬≠li¬≠che Reak¬≠tio¬≠nen. Eini¬≠ge ver¬≠stan¬≠den die phi¬≠lo¬≠so¬≠phi¬≠sche Unaus¬≠weich¬≠lich¬≠keit der Lebens-Wen¬≠de sofort und spen¬≠de¬≠ten, solan¬≠ge Geld noch genutzt wur¬≠de, alles Kapi¬≠tal, um die Ent¬≠wick¬≠lung der k√ľnst¬≠li¬≠chen Assis¬≠ten¬≠zen zu beschleu¬≠ni¬≠gen. Ande¬≠re hiel¬≠ten an ihrer Igno¬≠ranz fest, lie¬≠√üen sich Raum¬≠schif¬≠fe bau¬≠en, ver¬≠lie¬≠√üen belei¬≠digt die Erde und kolo¬≠nia¬≠li¬≠sier¬≠ten den Mars.

Als weni¬≠ge Jah¬≠re sp√§¬≠ter Maschi¬≠nen wirk¬≠lich sehr effi¬≠zi¬≠ent √ľber¬≠nah¬≠men, was Men¬≠schen nicht tun woll¬≠ten oder konn¬≠ten, mach¬≠ten Men¬≠schen die Erfah¬≠rung, dass sich eine wei¬≠te¬≠re unheim¬≠li¬≠che Angst als unbe¬≠gr√ľn¬≠det erwie¬≠sen hat¬≠te. Die unli¬≠mi¬≠tier¬≠te Frei¬≠zeit, das hei√üt nicht von Lohn¬≠ar¬≠beit, son¬≠dern Mu√üe bestimm¬≠te freie Zeit, ver¬≠wan¬≠del¬≠te sie nicht in √ľber¬≠fres¬≠se¬≠ne, √ľber¬≠pfleg¬≠te und √ľber¬≠dr√ľs¬≠si¬≠ge Blobs, die sich zu Tode lang¬≠weil¬≠ten, weil ihnen die Werk¬≠t√§¬≠tig¬≠keit als Sinn des Lebens abging. Selbst katho¬≠lisch sozia¬≠li¬≠sier¬≠te Men¬≠schen ‚Äď auch die¬≠ser kri¬≠ti¬≠sche Hin¬≠weis sei bit¬≠te noch erlaubt ‚Äď hat¬≠ten ja vor¬≠mals l√§ngst kul¬≠tu¬≠rell gelernt, die pro¬≠tes¬≠tan¬≠ti¬≠sche Werk¬≠mo¬≠ral als das Kreuz des Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus anzu¬≠neh¬≠men und zu tragen. 

Viel¬≠mehr konn¬≠ten Men¬≠schen sich den gan¬≠zen Tag √ľber sinn¬≠voll mit Sachen besch√§f¬≠ti¬≠gen, die im Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus nicht als Arbeit gegol¬≠ten hat¬≠ten: mit¬≠ein¬≠an¬≠der reden, dis¬≠ku¬≠tie¬≠ren, strei¬≠ten, tr√§u¬≠men, Geschich¬≠ten aus¬≠den¬≠ken, erz√§h¬≠len, erin¬≠nern, lachen, tan¬≠zen, sin¬≠gen, spie¬≠len ‚Ķ Nach dem Ende des Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus konn¬≠ten sich die Men¬≠schen end¬≠lich wie¬≠der ertragen.

Die Maschi­nen leis­te­ten gute Arbeit, die Men­schen aber hat­ten die gute Arbeit, weil sie nichts leis­ten muss­ten, son­dern schaf­fen konnten.

Was fr√ľ¬≠her Lohn¬≠ar¬≠beit von Men¬≠schen gewe¬≠sen war, war jetzt Maschi¬≠nen¬≠ar¬≠beit oder Nei¬≠gungs¬≠t√§¬≠tig¬≠keit von Men¬≠schen. Und was fr√ľ¬≠her nur als Lip¬≠pen¬≠be¬≠kennt¬≠nis bedeu¬≠tend genannt wur¬≠de, die mensch¬≠li¬≠che Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on und t√§ti¬≠ge Sor¬≠ge f√ľr¬≠ein¬≠an¬≠der, mach¬≠te jetzt ein Men¬≠schen¬≠le¬≠ben und das Mensch¬≠sein aus. Nicht nur jun¬≠ge Men¬≠schen lern¬≠ten, son¬≠dern alle Men¬≠schen lern¬≠ten nun per¬≠ma¬≠nent, lern¬≠ten von¬≠ein¬≠an¬≠der. Die Lebens-Geschich¬≠ten bezeug¬≠ten und erm√∂g¬≠lich¬≠ten dies. Leben war kein ganz¬≠heit¬≠li¬≠ches Kon¬≠zept, son¬≠dern ein beweg¬≠li¬≠ches und offenes.

Futures­plai­ning

Der Gedan¬≠ke an ihre Urur¬≠gro√ü¬≠mutter erf√ľll¬≠te sie mit Stolz, nicht so sehr, weil sie mit ihr ver¬≠wandt war, son¬≠dern weil sie Teil einer Bewe¬≠gung gewe¬≠sen war, die jetzt Men¬≠schen so frei leben lie√ü, dass Ver¬≠wandt¬≠schaft weder dis¬≠kur¬≠siv abge¬≠wer¬≠tet noch zur per¬≠s√∂n¬≠li¬≠chen Dis¬≠tink¬≠ti¬≠on benutzt wur¬≠de. Sie schau¬≠te auf die Kat¬≠ze, die unter ihrer strei¬≠cheln¬≠den Hand ein¬≠ge¬≠schla¬≠fen war. Gleich w√ľr¬≠de ein Mit¬≠mensch zu Besuch kom¬≠men, um das Lern¬≠spiel fort¬≠zu¬≠set¬≠zen. Sie sa√üen dabei gem√ľt¬≠lich auf dem Sofa und lern¬≠ten nicht nur indi¬≠vi¬≠du¬≠ell und von¬≠ein¬≠an¬≠der, son¬≠dern konn¬≠ten ihre beim Spie¬≠len auf¬≠kom¬≠men¬≠den √úber¬≠le¬≠gun¬≠gen und Kom¬≠men¬≠ta¬≠re offen zug√§ng¬≠lich machen und so die Lebens-Geschich¬≠ten f√ľr alle erwei¬≠tern. ‚Äč‚ÄúFutures¬≠plai¬≠ning‚ÄĚ, wie das sehr popu¬≠l√§¬≠re Spiel hie√ü, ging so: eine mit¬≠spie¬≠len¬≠de Per¬≠son w√§hl¬≠te eine fik¬≠ti¬≠ve oder rea¬≠le Figur der Kul¬≠tur¬≠ge¬≠schich¬≠te aus und stell¬≠te sich als die¬≠se vor. In der Art und Wei¬≠se, wie sie die Figur pr√§¬≠sen¬≠tier¬≠te, lag eine Ten¬≠denz, die¬≠se ein¬≠zu¬≠ord¬≠nen. Die ande¬≠re mit¬≠spie¬≠len¬≠de Per¬≠son wur¬≠de nun auf¬≠ge¬≠for¬≠dert, auf die Figur zu reagie¬≠ren, wie sie es in einem rea¬≠len Gespr√§ch tun w√ľr¬≠de. Sie hat¬≠ten f√ľr heu¬≠te ver¬≠ein¬≠bart, immer abwech¬≠selnd zu re-enac¬≠ten und zu erkl√§¬≠ren. Sie w√ľr¬≠de anfangen: 

‚ÄúBon¬≠jour, ich bin Jean Flores¬≠sas Des Ess¬≠e¬≠in¬≠tes, ich bin die Haupt¬≠fi¬≠gur aus dem Roman Gegen den Strich von Joris-Karl Huys¬≠mans, ver¬≠√∂f¬≠fent¬≠licht im Jah¬≠re 1884. Ich bin √Ąsthe¬≠ti¬≠zist und Men¬≠schen¬≠feind, lei¬≠de an exis¬≠ten¬≠zi¬≠el¬≠ler Lan¬≠ge¬≠wei¬≠le und √úber¬≠druss-Ekel. Gera¬≠de habe ich mir einen deka¬≠den¬≠ten Gar¬≠ten anle¬≠gen las¬≠sen, in dem nur beson¬≠ders abscheu¬≠li¬≠che Pflan¬≠zen ste¬≠hen d√ľr¬≠fen, aber mir ist schon wie¬≠der lang¬≠wei¬≠lig, ich f√ľh¬≠le mich sehr ersch√∂pft und krank.‚ÄĚ

‚ÄúDu mei¬≠ne G√ľte, Jean, was ist dein Pro¬≠blem? Du bist so hand¬≠lungs¬≠arm wie dein Roman. Wenn dein Leben so √∂de ist, war¬≠um legst du den Gar¬≠ten nicht selbst an, statt den G√§rt¬≠nern beim Arbei¬≠ten zuzu¬≠se¬≠hen? Dann w√ľr¬≠dest du abends ersch√∂pft und beseelt auf der Chai¬≠se¬≠longue ein¬≠schla¬≠fen, das kann ich dir ganz ohne medi¬≠zi¬≠ni¬≠sche Aus¬≠bil¬≠dung ver¬≠ra¬≠ten. Aber du bist ganz offen¬≠sicht¬≠lich au√üer¬≠stan¬≠de, Schaf¬≠fen nicht als Kon¬≠su¬≠mie¬≠ren von Sti¬≠len zu den¬≠ken, wie so ein cool boy des sp√§¬≠ten 20. Jahr¬≠hun¬≠derts. Dein Lei¬≠den ‚Äď lupen¬≠rei¬≠ne male tears!‚ÄĚ

Die bewusst maschi¬≠nell klin¬≠gend pro¬≠gram¬≠mier¬≠te Stim¬≠me der k√ľnst¬≠li¬≠chen Spiel-Assis¬≠tenz ert√∂n¬≠te: ‚Äč‚ÄúVie¬≠len Dank f√ľr dei¬≠ne Erkl√§¬≠rung aus der Zukunft, sie ist jetzt in den digi¬≠ta¬≠li¬≠sier¬≠ten Lebens-Geschich¬≠ten abruf¬≠bar. Es kann weitergehen.‚ÄĚ

‚ÄúSalut, ich bin Alain de Bot¬≠ton und habe 2009 ein hoch¬≠ge¬≠lob¬≠tes Buch √ľber Arbeit in der glo¬≠ba¬≠li¬≠sier¬≠ten Welt geschrie¬≠ben. Ich bin daf√ľr um die gan¬≠ze Welt gereist und tief in sonst unsicht¬≠ba¬≠re Sph√§¬≠ren der Arbeit eingetaucht.‚Äú 

‚ÄúEcht jetzt, Alain, so ein Buch wie dei¬≠nes konn¬≠te man nur im sp√§¬≠ten Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus schrei¬≠ben, als man in pro¬≠fes¬≠sio¬≠nel¬≠len Kon¬≠tex¬≠ten absur¬≠der¬≠wei¬≠se man¬≠che Per¬≠so¬≠nen immer noch als Frau¬≠en eti¬≠ket¬≠tier¬≠te und sie dann genau des¬≠we¬≠gen weni¬≠ger rele¬≠vant fand. Wie w√§re es sonst zu erkl√§¬≠ren, dass dir in dei¬≠nem sonst wirk¬≠lich ela¬≠bo¬≠rier¬≠ten Buch zu Care-Arbeit nur Care¬≠er Coun¬≠sel¬≠ling einf√§llt ‚Ķ‚Äú

‚ÄúVie¬≠len Dank f√ľr dei¬≠ne Erkl√§¬≠rung aus der Zukunft, sie ist jetzt in den digi¬≠ta¬≠li¬≠sier¬≠ten Lebens-Geschich¬≠ten abruf¬≠bar. Es kann weitergehen.‚ÄĚ

‚ÄúHi, ich bin Aud¬≠re Lor¬≠de und habe Sis¬≠ter Out¬≠si¬≠der geschrie¬≠ben. Du kennst das Buch, es wird oft zitiert. Ich lege Wert dar¬≠auf, dass man mich als Schwar¬≠ze les¬≠bi¬≠sche Mut¬≠ter und Dich¬≠te¬≠rin sieht und m√∂ch¬≠te wis¬≠sen, ob die Men¬≠schen end¬≠lich ver¬≠stan¬≠den haben, war¬≠um das so ist.‚ÄĚ

‚ÄúDu hast uns die Zukunft erkl√§rt, Aud¬≠re Lor¬≠de, wirk¬≠lich erkl√§rt, so dass immer mehr Men¬≠schen es f√ľh¬≠len konn¬≠ten. Ohne The Mas¬≠ter‚Äôs Tools Will Never Dis¬≠mant¬≠le the Mas¬≠ter‚Äôs House h√§t¬≠ten wir nicht die Vor¬≠stel¬≠lungs¬≠kraft und den Dri¬≠ve ent¬≠wi¬≠ckelt, das alte Sys¬≠tem kaputt¬≠zu¬≠den¬≠ken. Es g√§be kei¬≠ne Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons-Pfle¬≠ge, kei¬≠ne k√ľnst¬≠li¬≠che Assis¬≠tenz, kei¬≠ne Lebens-Wen¬≠de, kei¬≠ne Lebens-Geschich¬≠ten. Es g√§be immer noch Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus, Patri¬≠ar¬≠chat, Dis¬≠kri¬≠mi¬≠nie¬≠rung und ent¬≠frem¬≠de¬≠te Arbeit. Oder es g√§be kei¬≠ne Mensch¬≠heit mehr.‚ÄĚ

‚ÄúVie¬≠len Dank f√ľr dei¬≠ne Erkl√§¬≠rung aus der Zukunft, sie ist jetzt in den digi¬≠ta¬≠li¬≠sier¬≠ten Lebens-Geschich¬≠ten abruf¬≠bar. Es kann weitergehen.‚ÄĚ

‚ÄěHel¬≠lo, ich bin Graf Dra¬≠cu¬≠la, ver¬≠k√∂r¬≠pert von Bela Lugo¬≠si im nach mir benann¬≠ten Film von 1931. An einer Stel¬≠le sage ich sehr hin¬≠ter¬≠sin¬≠nig: ‚Äč‚ÄėTo die, to be real¬≠ly dead, that must be glo¬≠rious! [‚Ķ] The¬≠re are far wor¬≠se things awai¬≠ting man than death‚Äė. Wie ich lebst du ewig, aber nicht fik¬≠tio¬≠nal, son¬≠dern wirk¬≠lich, wie fin¬≠dest du das?‚ÄĚ 

‚ÄúHerr Dra¬≠cu¬≠la, Sie deu¬≠ten da wohl an, dass ewi¬≠ges Leben auf Erden schlim¬≠mer als der Tod sei. Bei n√§he¬≠rem Hin¬≠se¬≠hen, so erscheint es mir, ist es aber nicht das Leben selbst, was Sie und ande¬≠re melan¬≠cho¬≠li¬≠sche Vam¬≠pi¬≠re lang¬≠weilt. Was Ihnen fehlt sind gleich¬≠ge¬≠sinn¬≠te Ande¬≠re. Ihr Pro¬≠blem ist, dass Sie ein kon¬≠su¬≠me¬≠ris¬≠ti¬≠sches Men¬≠schen¬≠bild haben. Sie gewin¬≠nen Men¬≠schen nur durch T√§u¬≠schung oder Gewalt f√ľr sich, wobei die¬≠se Ihnen unter den Z√§h¬≠nen weg¬≠ster¬≠ben. Die phi¬≠lo¬≠so¬≠phi¬≠sche Fra¬≠ge, ob Leben per se an Qua¬≠li¬≠t√§t ver¬≠liert, wenn man es nicht vom Tod her denkt, son¬≠dern auch mit ewi¬≠gem Refill haben kann, las¬≠sen Sie unbeantwortet.‚ÄĚ 

‚ÄěVie¬≠len Dank f√ľr dei¬≠ne Erkl√§¬≠rung aus der Zukunft, sie ist jetzt in den digi¬≠ta¬≠li¬≠sier¬≠ten Lebens-Geschich¬≠ten abruf¬≠bar. Es kann weitergehen.‚ÄĚ 

Beob¬≠ach¬≠ten, was man nicht wis¬≠sen kann

Ihr Besuch strei¬≠chel¬≠te gedan¬≠ken¬≠ver¬≠lo¬≠ren die lang¬≠sam erwa¬≠chen¬≠de Kat¬≠ze und leg¬≠te eine Spiel¬≠pau¬≠se ein. ‚Äč‚ÄúIst unser tol¬≠les neu¬≠es ewi¬≠ges Leben viel¬≠leicht zwar nicht lang¬≠wei¬≠lig, weil wir Gesell¬≠schaft haben, aber trotz¬≠dem irgend¬≠wie schrecklich?‚ÄĚ 

‚ÄúKei¬≠ne Ahnung, wir sind ja die Eter¬≠nals, die Ers¬≠ten, die es haben k√∂n¬≠nen, und wir wer¬≠den es schon her¬≠aus¬≠fin¬≠den, gemein¬≠sam, so wie alles. Wir wer¬≠den es beob¬≠ach¬≠ten, uns beob¬≠ach¬≠ten und dar¬≠√ľber reden, wir wer¬≠den uns dabei unter¬≠st√ľt¬≠zen, hin¬≠ter¬≠fra¬≠gen, strei¬≠ten, ver¬≠s√∂h¬≠nen, best√§r¬≠ken. Und wenn ein Mensch nicht mehr leben will, wird auch das Ende wirk¬≠lich frei¬≠wil¬≠lig sein, zwang¬≠los, so wie jetzt unser Leben. Man kann in unse¬≠rer Gesell¬≠schaft Sex und Lie¬≠be kom¬≠bi¬≠nie¬≠ren oder nicht, ein Kind in der Geb√§r¬≠mut¬≠ter aus¬≠tra¬≠gen oder nicht, Kin¬≠der bekom¬≠men oder nicht, in Fami¬≠li¬≠en leben oder nicht, Maschi¬≠nen¬≠ar¬≠beit √ľber¬≠neh¬≠men oder nicht. Das sind alles kei¬≠ne Belie¬≠big¬≠kei¬≠ten. Die freie Wahl zu haben, solan¬≠ge dies nicht auf Kos¬≠ten ande¬≠rer Men¬≠schen oder Tie¬≠re geht, bedeu¬≠tet wirk¬≠li¬≠che mensch¬≠li¬≠che Auto¬≠no¬≠mie. Und wir wis¬≠sen ja jetzt, dass wir, um gute Leben zu haben, im Gespr√§ch und in Bewe¬≠gung blei¬≠ben m√ľssen.‚ÄĚ 

‚ÄúJa, da hast du wohl recht. Es ist ein Aus¬≠lo¬≠ten beim Kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren. Ich kann zum Bei¬≠spiel wegen der √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Sch√§¬≠den nicht st√§n¬≠dig rei¬≠sen, aber habe die allen emp¬≠foh¬≠le¬≠ne Grand Tour auf der Schwel¬≠le zum Erwach¬≠se¬≠nen¬≠al¬≠ter gemacht, um m√∂g¬≠lichst vie¬≠len Men¬≠schen, mit denen ich vir¬≠tu¬≠ell ver¬≠bun¬≠den bin, ein¬≠mal die Hand zu rei¬≠chen. Dadurch, dass wir alle fast st√§n¬≠dig mit¬≠ein¬≠an¬≠der kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren, uns aus¬≠tau¬≠schen, gegen¬≠sei¬≠tig auf uns ein¬≠wir¬≠ken, sind wir im Ver¬≠gleich zu den Men¬≠schen von vor hun¬≠dert Jah¬≠ren wie¬≠der Gene¬≠ra¬≠lis¬≠tin¬≠nen. Es kommt uns merk¬≠w√ľr¬≠dig vor, dass man damals zuguns¬≠ten von Kon¬≠sum dar¬≠auf ver¬≠zich¬≠te¬≠te, m√∂g¬≠lichst viel √ľber die Welt zu wis¬≠sen und zu ver¬≠ste¬≠hen. Ich selbst kann auch nicht jede Maschi¬≠ne im Detail ver¬≠ste¬≠hen, aber ich kann sie mir von den Men¬≠schen, die sie geschaf¬≠fen haben oder anlei¬≠ten, m√∂g¬≠lichst gut erkl√§¬≠ren las¬≠sen. Ich k√∂nn¬≠te nicht jede hand¬≠werk¬≠li¬≠che Arbeit ver¬≠rich¬≠ten, aber habe Freu¬≠de dar¬≠an, gewis¬≠se Sachen selbst bau¬≠en und die Kon¬≠struk¬≠ti¬≠on vie¬≠ler ande¬≠rer nach¬≠voll¬≠zie¬≠hen zu k√∂n¬≠nen. Dass man nicht alles wis¬≠sen kann, ist kein Grund, sich nicht m√∂g¬≠lichst viel erz√§h¬≠len zu lassen.‚ÄĚ 

Die Kat¬≠ze sprang vom Sofa und begann, Kopf¬≠be¬≠we¬≠gun¬≠gen in Rich¬≠tung K√ľche zu machen.

‚ÄúMen¬≠schen geht es gut, seit man Geschich¬≠te als Geschich¬≠ten ver¬≠steht, wodurch alle Indi¬≠vi¬≠du¬≠en ihren Selbst-Wert und ihre Bedeu¬≠tung in der Gemein¬≠schaft f√ľh¬≠len. Die Lebens-Geschich¬≠ten ver¬≠bin¬≠den √ľber alle Sph√§¬≠ren und For¬≠ma¬≠te hin¬≠weg Men¬≠schen so eng und sch√∂p¬≠fe¬≠risch, dass unse¬≠re Leben fast lite¬≠ra¬≠risch anmu¬≠ten. Wir leben den Traum des Aris¬≠to¬≠te¬≠les von sch√∂p¬≠fe¬≠ri¬≠scher Mu√üe ohne Lohn¬≠ar¬≠beit, aber wir sind uns nicht zu fein, auch ande¬≠res als Phi¬≠lo¬≠so¬≠phie und Musik Schaf¬≠fen zu nen¬≠nen, was ver¬≠mut¬≠lich Marx freu¬≠en w√ľr¬≠de. Wir √ľben frei¬≠wil¬≠lig T√§tig¬≠kei¬≠ten aus und erz√§h¬≠len davon, wir sind die 27-b√§n¬≠di¬≠ge Ency¬≠clo¬≠p√©¬≠die, die dar¬≠in por¬≠tr√§¬≠tier¬≠ten Men¬≠schen und zugleich Dide¬≠rot und d‚ÄôAlembert. Weil wir Mu√üe haben und sch√∂p¬≠fen d√ľr¬≠fen, ohne zu m√ľs¬≠sen, weil wir ein¬≠an¬≠der gegen¬≠sei¬≠tig Muse sind, will auch nie¬≠mand mehr Gott spie¬≠len. Wir sind Men¬≠schen. Viel¬≠leicht ist ‚Äč‚Äėewig‚Äô ein zu sta¬≠ti¬≠scher Begriff, viel¬≠leicht ist es fort¬≠w√§h¬≠ren¬≠des Leben.‚ÄĚ

Sie stand auf.