Was w√§re, wenn St√§dte gut f√ľr das Klima w√§ren?

Die Not(wendigkeit) der Netzwerke

Kli­ma­po­li­tik ist vor allem Sache der Natio­nal­staa­ten. Weil sie ver­sa­gen, schlie­ßen sich Städ­te welt­weit zusam­men. Ihre Wir­kungs­macht ist noch begrenzt, doch der Druck wird immer größer.

In Kopenhagen, oft f√ľr seine nachhaltige Stadtplanung gelobt, findet im Oktober der C40-Gipfel statt.

Als Lau¬≠rent Fabi¬≠us am 12. Dezem¬≠ber 2015 abends um halb acht sei¬≠nen klei¬≠nen, gr√ľ¬≠nen Ham¬≠mer auf den Tisch vor ihm schl√§gt, bricht im Kon¬≠fe¬≠renz¬≠zen¬≠trum von Paris der gro¬≠√üe Jubel aus. Die Dele¬≠gier¬≠ten sprin¬≠gen von ihren Sit¬≠zen, schrei¬≠en, fal¬≠len sich um den Hals. Sie applau¬≠die¬≠ren minu¬≠ten¬≠lang, vie¬≠le haben Tr√§¬≠nen in den Augen. Mit dem Pari¬≠ser Kli¬≠ma¬≠ab¬≠kom¬≠men, das Gip¬≠fel¬≠pr√§¬≠si¬≠dent Fabi¬≠us gera¬≠de f√ľr ange¬≠nom¬≠men erkl√§rt hat, ver¬≠pflich¬≠ten sich zum ers¬≠ten Mal alle Staa¬≠ten der Welt zum Klimaschutz. 

Auf deut¬≠lich unter zwei Grad soll die Erd¬≠er¬≠w√§r¬≠mung begrenzt blei¬≠ben, m√∂g¬≠lichst sogar auf nur 1,5 Grad ‚Äď so das neue, stren¬≠ge Kli¬≠ma¬≠ziel. Fabi¬≠us spricht von einem ‚Äč‚ÄúWen¬≠de¬≠punkt in der Geschich¬≠te‚ÄĚ, welt¬≠weit wird der Ver¬≠trag als his¬≠to¬≠risch gefei¬≠ert, als Mei¬≠len¬≠stein, ver¬≠gleich¬≠bar mit der ers¬≠ten Mondlandung.

Vere¬≠na Kern arbei¬≠tet als freie Jour¬≠na¬≠lis¬≠tin in Ber¬≠lin, unter ande¬≠rem f√ľr die Frank¬≠fur¬≠ter Rund¬≠schau, die Deut¬≠sche Wel¬≠le sowie Fach¬≠ma¬≠ga¬≠zi¬≠ne, und lek¬≠to¬≠riert Fach¬≠b√ľ¬≠cher. Sie ist stell¬≠ver¬≠tre¬≠ten¬≠de Chef¬≠re¬≠dak¬≠teu¬≠rin der Platt¬≠form kli¬≠ma¬≠re¬≠por¬≠ter¬į.

Heu¬≠te ist von die¬≠sem Auf¬≠bruch nichts mehr zu sp√ľ¬≠ren. Die Eupho¬≠rie war nur ein kur¬≠zer, gl√ľck¬≠li¬≠cher Rausch. Die Zustim¬≠mung zum Paris-Abkom¬≠men hat die Staa¬≠ten nicht in Kli¬≠ma¬≠sch√ľt¬≠zer ver¬≠wan¬≠delt, kaum ein Land hat sich bis jetzt auf die neu¬≠en Kli¬≠ma¬≠zie¬≠le ein¬≠ge¬≠stellt. Bei der j√ľngs¬≠ten Fr√ľh¬≠jahrs¬≠kon¬≠fe¬≠renz in Bonn, dem Vor¬≠be¬≠rei¬≠tungs¬≠tref¬≠fen zum Kli¬≠ma¬≠gip¬≠fel Ende des Jah¬≠res, konn¬≠ten sich die Staa¬≠ten nicht ein¬≠mal dar¬≠auf eini¬≠gen, den 1,5‚ÄĎGrad-Bericht des Welt¬≠kli¬≠ma¬≠rats anzuerkennen. 

Dabei hat¬≠ten sie den Bericht selbst in Auf¬≠trag gege¬≠ben, um sich vor¬≠rech¬≠nen zu las¬≠sen, was ihr Beschluss von Paris bedeu¬≠tet. N√§m¬≠lich: Nur mit dem 1,5‚ÄĎGrad-Limit ist die Welt eini¬≠ger¬≠ma¬≠√üen safe. Bei zwei Grad wird es brand¬≠ge¬≠f√§hr¬≠lich. N√∂tig sind schnel¬≠le und dras¬≠ti¬≠sche Ein¬≠schnit¬≠te bei den CO2-Emissionen.

Ande­re Akteu­re gefragt

L√§n¬≠der wie Sau¬≠di-Ara¬≠bi¬≠en, Russ¬≠land und die USA, die mit fos¬≠si¬≠len Ener¬≠gie¬≠tr√§¬≠gern viel Geld ver¬≠die¬≠nen, wol¬≠len davon nichts wis¬≠sen. Sie stell¬≠ten sich quer und ver¬≠hin¬≠der¬≠ten so ein offi¬≠zi¬≠el¬≠les Bekennt¬≠nis der Staa¬≠ten¬≠ge¬≠mein¬≠schaft zu den Aus¬≠sa¬≠gen des Berichts. Da Ein¬≠stim¬≠mig¬≠keit erfor¬≠der¬≠lich ist, kann jedes Land zur Veto¬≠macht wer¬≠den und Fort¬≠schrit¬≠te blo¬≠ckie¬≠ren. Das Ergeb¬≠nis ist ein z√§her und √ľber¬≠aus frus¬≠trie¬≠ren¬≠der Pro¬≠zess, der mit der Beschleu¬≠ni¬≠gung der Kli¬≠ma¬≠ver¬≠√§n¬≠de¬≠run¬≠gen nicht im Min¬≠des¬≠ten Schritt h√§lt. Eine Staa¬≠ten¬≠ge¬≠mein¬≠schaft, die sich gemein¬≠sam gegen die Erd¬≠er¬≠hit¬≠zung stemmt, scheint nur noch Utopie.

Also was?

Wenn die Haupt¬≠ak¬≠teu¬≠re der Kli¬≠ma¬≠po¬≠li¬≠tik sich gegen¬≠sei¬≠tig blo¬≠ckie¬≠ren und damit wirk¬≠sa¬≠me Ma√ü¬≠nah¬≠men gegen die Kli¬≠ma¬≠kri¬≠se aus¬≠brem¬≠sen, wer¬≠den ande¬≠re Akteu¬≠re wich¬≠ti¬≠ger. Kin¬≠der und Jugend¬≠li¬≠che zum Bei¬≠spiel, die f√ľrs Kli¬≠ma strei¬≠ken. Pro¬≠test¬≠be¬≠we¬≠gun¬≠gen wie Extinc¬≠tion Rebel¬≠li¬≠on, die zivi¬≠len Unge¬≠hor¬≠sam pro¬≠pa¬≠gie¬≠ren. NGOs, die Kli¬≠ma¬≠kla¬≠gen gegen Regie¬≠run¬≠gen initi¬≠ie¬≠ren. Pri¬≠vat¬≠un¬≠ter¬≠neh¬≠men, die Geld in gr√ľ¬≠ne Tech¬≠no¬≠lo¬≠gi¬≠en ste¬≠cken. Fonds und Stif¬≠tun¬≠gen, die ihre Invest¬≠ments aus fos¬≠si¬≠len Fir¬≠men abziehen.

Oder auch Städ­te­netz­wer­ke. Was sie tun, lan­det sel­ten in den Schlag­zei­len. Die Bedeu­tung ihrer Arbeit ist aber nicht zu unterschätzen.

Zun√§chst ein¬≠mal die Gr√∂¬≠√üen¬≠ord¬≠nung. Mehr als 160 die¬≠ser Kli¬≠ma-B√ľnd¬≠nis¬≠se gibt es welt¬≠weit. Teil¬≠wei¬≠se sind sie schon vor dem ers¬≠ten Erd¬≠gip¬≠fel 1992 in Rio ent¬≠stan¬≠den und haben so viel prak¬≠ti¬≠sches Erfah¬≠rungs¬≠wis¬≠sen und ein Gesp√ľr f√ľr das M√∂g¬≠li¬≠che und N√∂ti¬≠ge gesammelt.

‚ÄúWir reden nicht nur, wir k√§mpfen‚ÄĚ

Auf¬≠f√§l¬≠lig ist auch das Selbst¬≠be¬≠wusst¬≠sein, mit dem die Netz¬≠wer¬≠ke auf¬≠tre¬≠ten. ‚Äč‚ÄúWeder B√ľr¬≠ger¬≠meis¬≠ter noch St√§d¬≠te k√∂n¬≠nen sich den Luxus leis¬≠ten, nur her¬≠um¬≠zu¬≠sit¬≠zen und √ľber Pro¬≠ble¬≠me zu spre¬≠chen‚ÄĚ, sagt bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se Micha¬≠el Bloom¬≠berg, der fr√ľ¬≠he¬≠re B√ľr¬≠ger¬≠meis¬≠ter von New York, mit einem deut¬≠li¬≠chen Sei¬≠ten¬≠hieb gegen die Regie¬≠rungs¬≠chefs und ‚ÄĎche¬≠fin¬≠nen der Nationalstaaten.

Bloom¬≠berg lei¬≠te¬≠te in sei¬≠ner Amts¬≠zeit das Netz¬≠werk C40, in dem mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le 94 der gr√∂√ü¬≠ten St√§d¬≠te der Welt orga¬≠ni¬≠siert sind. Dass sich das Netz¬≠werk Cities Cli¬≠ma¬≠te Lea¬≠dership Group nennt, unter¬≠streicht den Anspruch: Vor¬≠rei¬≠ter sein, direkt und indi¬≠rekt Druck machen auf all jene, die noch z√∂gern. ‚Äč‚ÄúWir reden nicht nur, wir k√§mp¬≠fen‚ÄĚ, sagt Anne Hidal¬≠go, die B√ľr¬≠ger¬≠meis¬≠te¬≠rin von Paris, die inzwi¬≠schen das Netz¬≠werk leitet.

Und was steht hin¬≠ter dem Anspruch? K√∂n¬≠nen B√ľrgermeister*innen mehr lie¬≠fern als star¬≠ke Worte? 

W√§re C40 ein Land, k√∂nn¬≠te es sich mit den USA, Chi¬≠na und der EU mes¬≠sen. Es ver¬≠sam¬≠melt √ľber 650 Mil¬≠lio¬≠nen Men¬≠schen und ein Vier¬≠tel der glo¬≠ba¬≠len Wirt¬≠schafts¬≠leis¬≠tung. Auch beim CO2-Aus¬≠sto√ü ist das B√ľnd¬≠nis ein Schwer¬≠ge¬≠wicht. F√ľr 2,4 Mil¬≠li¬≠ar¬≠den Ton¬≠nen pro Jahr ste¬≠hen die C40-St√§d¬≠te nach eige¬≠nen Anga¬≠ben. Zum Ver¬≠gleich: Deutsch¬≠land emit¬≠tiert j√§hr¬≠lich rund 900 Mil¬≠lio¬≠nen Tonnen.

Ber¬≠lin geh√∂rt seit Lan¬≠gem zur C40-Grup¬≠pe. Anruf in der Ber¬≠li¬≠ner Senats¬≠kanz¬≠lei. Wof√ľr ist das Netz¬≠werk gut? Bringt so ein Zusam¬≠men¬≠schluss √ľber¬≠haupt etwas? Auf jeden Fall, ist die Ant¬≠wort. Der Aus¬≠tausch der St√§d¬≠te unter¬≠ein¬≠an¬≠der sei wich¬≠tig, um von¬≠ein¬≠an¬≠der zu ler¬≠nen und alter¬≠na¬≠ti¬≠ve L√∂sungs¬≠an¬≠s√§t¬≠ze zu dis¬≠ku¬≠tie¬≠ren. Und: ‚Äč‚ÄúWir wol¬≠len den Ein¬≠fluss der St√§d¬≠te auf die natio¬≠na¬≠le Poli¬≠tik erh√∂¬≠hen‚ÄĚ, hei√üt es aus der Senats¬≠kanz¬≠lei. Sich selbst hat die Stadt das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 kli¬≠ma¬≠neu¬≠tral zu sein.

Der Wär­mein­sel-Druck der Städte

Wer dem Netz¬≠werk C40 auf Twit¬≠ter folgt, erf√§hrt prak¬≠tisch t√§g¬≠lich von neu¬≠en Selbst¬≠ver¬≠pflich¬≠tun¬≠gen. Da sind 25 St√§d¬≠te, die wie Ber¬≠lin bis 2050 kli¬≠ma¬≠neu¬≠tral sein wol¬≠len. 19 ver¬≠spre¬≠chen, ab 2030 nur noch emis¬≠si¬≠ons¬≠frei zu bau¬≠en, dar¬≠un¬≠ter Kopen¬≠ha¬≠gen, Lon¬≠don, New York, Tokio. 28 St√§d¬≠te wol¬≠len ab 2025 nur noch Elek¬≠tro-Bus¬≠se anschaf¬≠fen, etwa Rio de Janei¬≠ro oder San¬≠tia¬≠go de Chi¬≠le. Ande¬≠re ver¬≠pflich¬≠ten sich, ab 2030 nur noch emis¬≠si¬≠ons¬≠frei zu inves¬≠tie¬≠ren. Wie¬≠der ande¬≠re gehen gegen Plas¬≠tik vor. Vie¬≠le haben den Kli¬≠ma¬≠not¬≠stand aus¬≠ge¬≠ru¬≠fen. W√ľr¬≠den alle St√§d¬≠te welt¬≠weit den Emp¬≠feh¬≠lun¬≠gen des Netz¬≠werks fol¬≠gen und √§hn¬≠li¬≠che Kli¬≠ma-Akti¬≠ons¬≠pl√§¬≠ne auf¬≠stel¬≠len, k√∂nn¬≠ten 40 Pro¬≠zent der Emis¬≠si¬≠ons¬≠ein¬≠spa¬≠run¬≠gen geschafft wer¬≠den, die f√ľr die Ein¬≠hal¬≠tung der Paris-Zie¬≠le n√∂tig sind, hat C40 aus¬≠rech¬≠nen lassen.

Dabei geht es kei¬≠nes¬≠wegs um Idea¬≠lis¬≠mus. Die St√§d¬≠te haben hand¬≠fes¬≠te Inter¬≠es¬≠sen, denn auf ihnen las¬≠tet ein beson¬≠de¬≠rer Pro¬≠blem¬≠druck. Schon mehr als die H√§lf¬≠te der Welt¬≠be¬≠v√∂l¬≠ke¬≠rung lebt in st√§d¬≠ti¬≠schen Gebie¬≠ten. Bis 2050 wer¬≠den es nach UN-Pro¬≠gno¬≠sen 70 Pro¬≠zent sein. Und bereits heu¬≠te trifft der Kli¬≠ma¬≠wan¬≠del St√§d¬≠te st√§r¬≠ker als das Land. Mehr als zwei Drit¬≠tel der Mega¬≠ci¬≠ties lie¬≠gen in K√ľs¬≠ten¬≠re¬≠gio¬≠nen. Da sich der Anstieg des Mee¬≠res¬≠spie¬≠gels bei zuneh¬≠men¬≠der Erd¬≠er¬≠w√§r¬≠mung beschleu¬≠nigt, ist es f√ľr die St√§d¬≠te die bes¬≠te Opti¬≠on, wenn das Paris-Abkom¬≠men ein¬≠ge¬≠hal¬≠ten wird. 

Dazu kommt der W√§r¬≠mein¬≠sel-Effekt. Durch die dich¬≠te Bebau¬≠ung ist es in St√§d¬≠ten meh¬≠re¬≠re Grad w√§r¬≠mer als im Umland. Im Som¬≠mer staut sich die Hit¬≠ze zwi¬≠schen den H√§u¬≠sern, auch nachts k√ľhlt es kaum ab. Frisch¬≠luft¬≠schnei¬≠sen und K√§l¬≠te¬≠fl√§¬≠chen wie etwa das Tem¬≠pel¬≠ho¬≠fer Feld in Ber¬≠lin sind n√∂tig. Zudem Gr√ľn¬≠strei¬≠fen und B√§u¬≠me ent¬≠lang der Stra¬≠√üen, die K√ľh¬≠lung brin¬≠gen und die Luft¬≠qua¬≠li¬≠t√§t ver¬≠bes¬≠sern. Wenn St√§d¬≠te eine lebens¬≠wer¬≠te Zukunft haben wol¬≠len, bedeu¬≠tet das, k√∂n¬≠nen sie die Din¬≠ge nicht ein¬≠fach lau¬≠fen lassen.

F√∂r¬≠der¬≠mit¬≠tel f√ľr Klimaschonung

Eine Stu¬≠die der ETH Z√ľrich hat k√ľrz¬≠lich aus¬≠ge¬≠rech¬≠net, was 520 St√§d¬≠ten welt¬≠weit bevor¬≠steht. Im Jahr 2050 wird Ber¬≠lin dem¬≠nach so hei√ü und tro¬≠cken sein wie das aus¬≠tra¬≠li¬≠sche Can¬≠ber¬≠ra, Lon¬≠don wie Bar¬≠ce¬≠lo¬≠na, Madrid wie Mar¬≠ra¬≠kesch. In Mega¬≠ci¬≠ties wie Peking, Jakar¬≠ta, Seo¬≠ul ‚Äď alle bei C40 orga¬≠ni¬≠siert ‚Äď wer¬≠den in 30 Jah¬≠ren kli¬≠ma¬≠ti¬≠sche Bedin¬≠gun¬≠gen herr¬≠schen, die es der¬≠zeit in kei¬≠ner gro¬≠√üen Stadt auf dem Pla¬≠ne¬≠ten gibt. Das gilt sogar dann, wenn die Pari¬≠ser Kli¬≠ma¬≠zie¬≠le ein¬≠ge¬≠hal¬≠ten und die Emis¬≠sio¬≠nen deut¬≠lich redu¬≠ziert werden.

Gigan¬≠ti¬≠sche Finanz¬≠mit¬≠tel wer¬≠den n√∂tig sein, damit die St√§d¬≠te ihre Infra¬≠struk¬≠tur so umbau¬≠en k√∂n¬≠nen, dass sie sowohl kli¬≠ma¬≠neu¬≠tral als auch kli¬≠ma¬≠re¬≠si¬≠li¬≠ent wer¬≠den. Vie¬≠le St√§d¬≠te d√ľrf¬≠te das √ľber¬≠for¬≠dern. Anruf beim St√§d¬≠te¬≠netz¬≠werk ICLEI ‚Äď Local Governments for Sustai¬≠na¬≠bi¬≠li¬≠ty, das 1000 St√§d¬≠te, Gemein¬≠den und Land¬≠krei¬≠se in 70 L√§n¬≠dern ver¬≠tritt. Wie ste¬≠hen die Chan¬≠cen? K√∂n¬≠nen die St√§d¬≠te das schaf¬≠fen? ‚Äč‚ÄúDer Man¬≠gel an finan¬≠zi¬≠el¬≠len Res¬≠sour¬≠cen geh√∂rt auf jeden Fall zu den gr√∂√ü¬≠ten Hemm¬≠nis¬≠sen‚ÄĚ, sagt ICLEI-Spre¬≠cher Ari¬≠el Deko¬≠vic. ‚Äč‚ÄúSt√§d¬≠te in Euro¬≠pa und Nord¬≠ame¬≠ri¬≠ka haben da nat√ľr¬≠lich einen Vor¬≠sprung. Anders als St√§d¬≠te des glo¬≠ba¬≠len S√ľdens haben sie nicht mit so vie¬≠len grund¬≠s√§tz¬≠li¬≠chen Pro¬≠ble¬≠men zu k√§mp¬≠fen, um bei ihren Zie¬≠len voranzukommen.‚ÄĚ

Das B√ľnd¬≠nis ICLEI exis¬≠tiert schon seit 1990. Es dient als Inter¬≠es¬≠sen¬≠ver¬≠tre¬≠tung, bie¬≠tet aber auch Bera¬≠tung und Unter¬≠st√ľt¬≠zung an. ‚Äč‚ÄúAllein im letz¬≠ten Jahr haben wir mit mehr als 1900 St√§d¬≠ten welt¬≠weit zusam¬≠men¬≠ge¬≠ar¬≠bei¬≠tet‚ÄĚ, sagt Deko¬≠vic. ‚Äč‚ÄúImmer geht es um die Fra¬≠ge, wo die St√§d¬≠te am bes¬≠ten anset¬≠zen k√∂n¬≠nen. Manch¬≠mal ist es die Schu¬≠lung der Mit¬≠ar¬≠bei¬≠ter, manch¬≠mal wer¬≠den Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen ben√∂¬≠tigt, wie man F√∂r¬≠der¬≠mit¬≠tel f√ľr bestimm¬≠te kli¬≠ma¬≠scho¬≠nen¬≠de Ma√ü¬≠nah¬≠men ein¬≠wer¬≠ben kann.‚Äú

Sanie¬≠run¬≠gen, LED, Tem¬≠po 30

Doch reicht das? Haben St√§d¬≠te nicht doch zu wenig Kon¬≠trol¬≠le √ľber ihren CO2-Fu√ü¬≠ab¬≠druck, um ein so gro¬≠√ües Ziel wie Kli¬≠ma¬≠neu¬≠tra¬≠li¬≠t√§t zu schaf¬≠fen? ‚Äč‚ÄúDas ist h√∂chs¬≠tens teil¬≠wei¬≠se rich¬≠tig‚ÄĚ, sagt Deko¬≠vic. ‚Äč‚ÄúWir weh¬≠ren uns gegen das Nar¬≠ra¬≠tiv, dass St√§d¬≠te kaum etwas tun k√∂n¬≠nen. Wir arbei¬≠ten dar¬≠an, dass sich das √§ndert.‚ÄĚ √Ąhn¬≠lich sieht das Bj√∂rn Weber, Exper¬≠te f√ľr kom¬≠mu¬≠na¬≠len Kli¬≠ma¬≠schutz beim Deut¬≠schen Insti¬≠tut f√ľr Urba¬≠nis¬≠tik. ‚Äč‚ÄúDer gesetz¬≠li¬≠che Rah¬≠men ist den Kom¬≠mu¬≠nen nat√ľr¬≠lich vor¬≠ge¬≠ge¬≠ben‚ÄĚ, so Weber. ‚Äč‚ÄúAber inner¬≠halb die¬≠ses Rah¬≠mens ist vie¬≠les m√∂glich.‚ÄĚ 

Als Bei¬≠spie¬≠le nennt Weber die ener¬≠ge¬≠ti¬≠sche Sanie¬≠rung von stadt¬≠ei¬≠ge¬≠nen Geb√§u¬≠den, zum Bei¬≠spiel Turn¬≠hal¬≠len oder Schwimm¬≠b√§¬≠dern. Au√üer¬≠dem k√∂n¬≠ne man die Abw√§r¬≠me von Gewer¬≠be¬≠be¬≠trie¬≠ben nut¬≠zen und f√ľr eige¬≠ne Lie¬≠gen¬≠schaf¬≠ten Ein¬≠spar¬≠kon¬≠zep¬≠te entwickeln. 

Und dann w√§re da nat√ľr¬≠lich noch der gro¬≠√üe Bereich Ver¬≠kehr, also: Auto¬≠spu¬≠ren in Fahr¬≠rad¬≠spu¬≠ren umwan¬≠deln, Lade¬≠s√§u¬≠len f√ľr E‚ÄĎAutos auf¬≠stel¬≠len, Tem¬≠po 30 auch auf Haupt¬≠ver¬≠kehrs¬≠stra¬≠√üen ein¬≠f√ľh¬≠ren, Stra¬≠√üen¬≠be¬≠leuch¬≠tung auf LED umstel¬≠len. Mit sol¬≠chen Ma√ü¬≠nah¬≠men k√∂n¬≠nen St√§d¬≠te posi¬≠ti¬≠ve Anrei¬≠ze set¬≠zen und Bedin¬≠gun¬≠gen schaf¬≠fen, die kli¬≠ma¬≠freund¬≠li¬≠ches Ver¬≠hal¬≠ten f√∂r¬≠dern. ‚Äč‚ÄúDas h√∂rt sich nach klein-klein an‚ÄĚ, sagt Weber, ‚Äč‚Äúist es aber nicht‚ÄĚ.

Städ­te trei­ben Länder

‚ÄúDie deut¬≠schen Kom¬≠mu¬≠nen sind aber ver¬≠gleichs¬≠wei¬≠se gut auf¬≠ge¬≠stellt‚ÄĚ, sagt Weber, was dar¬≠an lie¬≠ge, dass sich Deutsch¬≠land schon fr√ľh Kli¬≠ma¬≠zie¬≠le gesetzt habe. ‚Äč‚ÄúDas hat etwas ins Rol¬≠len gebracht.‚ÄĚ Weil die St√§d¬≠te in vie¬≠len Berei¬≠chen f√ľr die Umset¬≠zung zust√§n¬≠dig sind, schrie¬≠ben sie eige¬≠ne Kli¬≠ma¬≠schutz¬≠pl√§¬≠ne und stell¬≠ten daf√ľr Kli¬≠ma¬≠schutz¬≠ma¬≠na¬≠ger ein. Inzwi¬≠schen for¬≠dern sie auch ‚Äď man¬≠che mehr, ande¬≠re weni¬≠ger ‚Äď laut¬≠stark eine Poli¬≠tik, die einen kla¬≠ren Rah¬≠men vor¬≠gibt und den ein¬≠ge¬≠schla¬≠ge¬≠nen Weg zu mehr Kli¬≠ma¬≠freund¬≠lich¬≠keit zumin¬≠dest nicht kon¬≠ter¬≠ka¬≠riert. Die Dyna¬≠mik hat sich umge¬≠dreht. W√§h¬≠rend Deutsch¬≠land sei¬≠ne natio¬≠na¬≠len Kli¬≠ma¬≠zie¬≠le ver¬≠fehlt, sind es nun die St√§d¬≠te und Gemein¬≠den, die Druck machen. Sie wer¬≠den zum Antrei¬≠ber, zum Motor. 

Auch z√§hl¬≠ba¬≠re Erfol¬≠ge k√∂n¬≠nen die St√§d¬≠te¬≠netz¬≠wer¬≠ke mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le vor¬≠wei¬≠sen. Im ver¬≠gan¬≠ge¬≠nen Jahr gaben 27 St√§d¬≠te des Netz¬≠werks C40 bekannt, dass sie ihre Emis¬≠sio¬≠nen um mehr als zehn Pro¬≠zent unter ihre fr√ľ¬≠he¬≠ren H√∂chst¬≠wer¬≠te dr√ľ¬≠cken konn¬≠ten. Dar¬≠un¬≠ter Basel, Madrid, Rom, San Fran¬≠cis¬≠co. Zehn Pro¬≠zent, das klingt nach nicht sehr viel. Und doch ist es durch¬≠aus beacht¬≠lich, wenn man bedenkt, dass der glo¬≠ba¬≠le Treib¬≠haus¬≠gas¬≠aus¬≠sto√ü noch immer wei¬≠ter steigt, auch vier Jah¬≠re nach¬≠dem die Staa¬≠ten¬≠ge¬≠mein¬≠schaft im Paris-Abkom¬≠men ver¬≠spro¬≠chen hat, den Auf¬≠w√§rts¬≠trend zu stoppen.

Das Grund¬≠pro¬≠blem besteht dar¬≠in, dass beim Paris-Abkom¬≠men alles auf Frei¬≠wil¬≠lig¬≠keit beruht. Jedes Land hat sel¬≠ber fest¬≠ge¬≠legt, wie viel es zum glo¬≠ba¬≠len Kli¬≠ma¬≠schutz bei¬≠tra¬≠gen kann und will. Die¬≠se Selbst¬≠ver¬≠pflich¬≠tun¬≠gen rei¬≠chen jedoch nicht ein¬≠mal daf√ľr aus, um die Pari¬≠ser Kli¬≠ma¬≠zie¬≠le ein¬≠zu¬≠hal¬≠ten, also die Erd¬≠er¬≠w√§r¬≠mung auf zwei Grad zu begren¬≠zen, geschwei¬≠ge denn auf 1,5 Grad.

Die Crux mit der Freiwilligkeit

Doch nur auf der Basis die¬≠ser Frei¬≠wil¬≠lig¬≠keit ist das Abkom¬≠men √ľber¬≠haupt zustan¬≠de gekom¬≠men. Als sechs Jah¬≠re zuvor beim Kli¬≠ma¬≠gip¬≠fel in Kopen¬≠ha¬≠gen 2009 ein Welt¬≠kli¬≠ma¬≠ver¬≠trag mit fes¬≠ten Reduk¬≠ti¬≠ons¬≠vor¬≠ga¬≠ben beschlos¬≠sen wer¬≠den soll¬≠te, schei¬≠ter¬≠te dies auf gan¬≠zer Linie. Zu wenig L√§n¬≠der waren dazu bereit, sich irgend¬≠et¬≠was vor¬≠schrei¬≠ben zu lassen. 

Damit sich bei die¬≠ser Unver¬≠bind¬≠lich¬≠keit den¬≠noch kli¬≠ma¬≠po¬≠li¬≠tisch etwas tut, kennt das Paris-Abkom¬≠men nur einen Hebel. Er ist psy¬≠cho¬≠lo¬≠gi¬≠scher Natur und alles ande¬≠re als robust. Man setzt dar¬≠auf, dass es Vor¬≠rei¬≠ter und Vor¬≠bil¬≠der gibt, die beim Kli¬≠ma¬≠schutz beson¬≠ders aktiv wer¬≠den und die ande¬≠ren damit qua¬≠si mitziehen. 

Dass so viel davon abh√§ngt, ob es poli¬≠ti¬≠schen Druck gibt, bie¬≠tet aller¬≠dings auch einen Vor¬≠teil: Der Druck kann von √ľber¬≠all her kom¬≠men. Von St√§d¬≠te¬≠netz¬≠wer¬≠ken, von Klimasch√ľtzer*innen, Akti¬≠vis¬≠ten, Unter¬≠neh¬≠men. Von allen.