Was w√§re, wenn Social Media den Nutzer*innen geh√∂ren w√ľrde?

Dezen¬≠tra¬≠li¬≠siert euch!

Statt Daten in den H√§n¬≠den Weni¬≠ger zusam¬≠men¬≠zu¬≠zie¬≠hen, denkt das sozia¬≠le Netz¬≠werk Dia¬≠spo¬≠ra* das Inter¬≠net im Sin¬≠ne einer alten Uto¬≠pie. Daf√ľr braucht es auch neue Nutzungserwartungen.

Ein LED-Panel zeigt den Schriftzug Diaspora*.
Das Logo des Diaspora*-Netzwerks auf dem Chaos Communication Congress in Leipzig 2017 | Foto: Yves Sorge, CC BY-SA 2.0

Das Inter¬≠net ist kaputt. So, wie wir es heu¬≠te ken¬≠nen, ist es nicht das Inter¬≠net, wie es urspr√ľng¬≠lich geplant war. Im Kern basier¬≠te sei¬≠ne Idee auf ver¬≠teil¬≠ten Sys¬≠te¬≠men. Es gibt kei¬≠nen zen¬≠tra¬≠len Ser¬≠ver, es gibt kei¬≠ne zen¬≠tra¬≠le Macht, jede Per¬≠son kann ihre eige¬≠nen Diens¬≠te betrei¬≠ben und dar¬≠auf tun und las¬≠sen, was sie will. So war die gro¬≠√üe Uto¬≠pie der Pio¬≠nie¬≠re: Ein unver¬≠mes¬≠se¬≠ner Kon¬≠ti¬≠nent, eine Sph√§¬≠re der Frei¬≠heit, die allen die glei¬≠chen Rech¬≠te ein¬≠r√§umt zu kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren, Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen zu tei¬≠len, Ver¬≠bin¬≠dun¬≠gen zu kn√ľpfen. 

Das moder¬≠ne Inter¬≠net funk¬≠tio¬≠niert anders. Die eige¬≠nen Gedan¬≠ken wer¬≠den nicht mehr auf der eige¬≠nen Web¬≠sei¬≠te ver¬≠√∂f¬≠fent¬≠licht, son¬≠dern auf Face¬≠book. Bil¬≠der wer¬≠den nicht mehr in ein Foto¬≠al¬≠bum geklebt, son¬≠dern √ľber Whats¬≠App ver¬≠teilt. Wich¬≠ti¬≠ge Daten wer¬≠den nicht mehr zuhau¬≠se auf¬≠be¬≠wahrt, son¬≠dern in die Drop¬≠box gela¬≠den. Statt die Daten auf vie¬≠le klei¬≠ne und unab¬≠h√§n¬≠gi¬≠ge Diens¬≠te auf¬≠zu¬≠tei¬≠len, hat sich eine Abh√§n¬≠gig¬≠keit von einer Hand¬≠voll zen¬≠tra¬≠ler Diens¬≠te ent¬≠wi¬≠ckelt, die Unmen¬≠gen von Daten an einem Ort sam¬≠meln und aus¬≠wer¬≠ten. Statt in der gro¬≠√üen Frei¬≠heit, bewe¬≠gen wir uns zumeist auf recht engem Raum. Die¬≠se Ent¬≠wick¬≠lung ist nicht √ľber¬≠ra¬≠schend, denn die¬≠se Diens¬≠te sind sofort ver¬≠f√ľg¬≠bar, ein¬≠fach zu bedie¬≠nen und meist kos¬≠ten¬≠frei. Kein Wun¬≠der, dass wir uns ver¬≠lo¬≠cken lie√üen.

Das zen­tra­le Inter­net schadet

Doch die Abh√§n¬≠gig¬≠keit von gro¬≠√üen und zen¬≠tra¬≠len Diens¬≠ten ent¬≠spricht eben nicht der Idee des Inter¬≠nets. Und die¬≠se Abh√§n¬≠gig¬≠keit ist gef√§hr¬≠lich. Denn die¬≠se m√ľs¬≠sen finan¬≠ziert wer¬≠den. Aktu¬≠ell geschieht das meist √ľber das Ein¬≠blen¬≠den von Wer¬≠bung, ein hoch pro¬≠fi¬≠ta¬≠bles Gesch√§ft, das aber auf Kos¬≠ten der Pri¬≠vat¬≠sph√§¬≠re jeder ein¬≠zel¬≠nen Nut¬≠ze¬≠rin geht. Und je gr√∂¬≠√üer die Diens¬≠te und die Men¬≠ge an Daten, die dort gespei¬≠chert wer¬≠den, des¬≠to attrak¬≠ti¬≠ver wer¬≠den die¬≠se Diens¬≠te f√ľr Angreiferinnen. 

Zwar haben wir bis heu¬≠te noch kei¬≠ne gra¬≠vie¬≠ren¬≠den Sicher¬≠heits¬≠l√ľ¬≠cken in Sys¬≠te¬≠men wie Face¬≠book oder Goog¬≠le gese¬≠hen, aber die Ver¬≠gan¬≠gen¬≠heit zeigt, dass das nur eine Fra¬≠ge der Zeit ist. Selbst wenn bei einem Angriff kei¬≠ne Daten abge¬≠grif¬≠fen wer¬≠den, k√∂nn¬≠ten Sys¬≠te¬≠me f√ľr Mil¬≠lio¬≠nen von Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen lahm¬≠ge¬≠legt wer¬≠den. Schon allein des¬≠halb ist die fort¬≠schrei¬≠ten¬≠de Zen¬≠tra¬≠li¬≠sie¬≠rung des Inter¬≠nets kei¬≠ne gute Idee. Wo ist also der Aus¬≠gang aus die¬≠ser selbst¬≠ver¬≠schul¬≠de¬≠ten Zentralisiertheit?

Den¬≠nis Schu¬≠bert ist Soft¬≠ware¬≠ent¬≠wick¬≠ler und arbei¬≠tet beruf¬≠lich am Fire¬≠fox-Brow¬≠ser f√ľr ein offe¬≠nes und frei¬≠es Inter¬≠net. Auch pri¬≠vat spie¬≠len Pro¬≠jek¬≠te rund um Daten¬≠schutz und Selbst¬≠be¬≠stim¬≠mung eine gro¬≠√üe Rolle.

Die Gegen­be­we­gung

Das Pro¬≠jekt dia¬≠spo¬≠ra* kn√ľpft dort an, wo die Uto¬≠pie noch leben¬≠dig war. Es hat zum Ziel, die Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on zwi¬≠schen Men¬≠schen wie¬≠der so aus¬≠se¬≠hen zu las¬≠sen, wie das Inter¬≠net urspr√ľng¬≠lich gedacht war: dezen¬≠tral. Damit ist dia¬≠spo¬≠ra* nicht allein, denn vie¬≠le ande¬≠re Pro¬≠jek¬≠te wie bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se Fri¬≠en¬≠di¬≠ca oder Mastodon haben das¬≠sel¬≠be Ziel. Dezen¬≠tra¬≠li¬≠t√§t bedeu¬≠tet, dass die Daten der Benut¬≠ze¬≠rin¬≠nen nicht wie etwa bei Face¬≠book ver¬≠eint unter der Kon¬≠trol¬≠le einer ein¬≠zi¬≠gen Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠on lie¬≠gen, son¬≠dern dass die Daten auf vie¬≠le, unab¬≠h√§n¬≠gig von¬≠ein¬≠an¬≠der arbei¬≠ten¬≠de Stel¬≠len ver¬≠teilt sind. Auch wenn das auf den ers¬≠ten Blick nur wie ein tech¬≠ni¬≠sches Detail aus¬≠sieht, bedeu¬≠tet Dezen¬≠tra¬≠li¬≠t√§t viel mehr.

Wer einen Dienst betreibt, hat damit auch die Kon¬≠trol¬≠le √ľber alle dort gespei¬≠cher¬≠ten Daten. Daten sind l√§ngst mehr als Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen, die in Rechen¬≠zen¬≠tren gespei¬≠chert wer¬≠den‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČDaten sind eine W√§h¬≠rung. Sozia¬≠le Netz¬≠wer¬≠ke sind eine Gold¬≠gru¬≠be, denn wir tei¬≠len in die¬≠sen Netz¬≠wer¬≠ken Details √ľber unser Pri¬≠vat¬≠le¬≠ben. Wir tei¬≠len wo wir uns auf¬≠hal¬≠ten, was wir unter¬≠neh¬≠men, und vie¬≠les mehr. F√ľr Diens¬≠te, die sich √ľber¬≠wie¬≠gend durch Wer¬≠bung finan¬≠zie¬≠ren, sind die¬≠se Daten sehr wert¬≠voll. Je mehr die Diens¬≠te √ľber ihre Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen wis¬≠sen, des¬≠to genau¬≠er k√∂n¬≠nen sie ihre Wer¬≠bung zuschnei¬≠den, und des¬≠to h√∂her ist die Chan¬≠ce, dass dar¬≠auf reagiert wird und damit dem Dienst viel Geld ein¬≠bringt. Wer¬≠be¬≠fi¬≠nan¬≠zier¬≠te Diens¬≠te sind nicht grund¬≠s√§tz¬≠lich nega¬≠tiv. Doch vie¬≠le die¬≠ser Diens¬≠te ent¬≠wi¬≠ckeln sich zu Daten¬≠kra¬≠ken, die um jeden Preis so viel wie m√∂g¬≠lich √ľber eine Per¬≠son erfah¬≠ren wol¬≠len. Das ist ein tie¬≠fer Ein¬≠schnitt in unser Pri¬≠vat¬≠le¬≠ben, den wir nicht akzep¬≠tie¬≠ren m√ľssen.

Daten bewusst ver­tei­len, statt Macht abgeben

Dezen¬≠tra¬≠le sozia¬≠le Netz¬≠wer¬≠ke funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren grund¬≠s√§tz¬≠lich anders. Statt die Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen zu zwin¬≠gen, alle Daten ‚Äč‚Äěauf einen gro¬≠√üen Hau¬≠fen‚Äú zu wer¬≠fen, also auf einen zen¬≠tra¬≠len Ser¬≠ver hoch¬≠zu¬≠la¬≠den, bestehen dezen¬≠tra¬≠le sozia¬≠le Medi¬≠en aus einem Netz vie¬≠ler unab¬≠h√§n¬≠gi¬≠ger, mit¬≠ein¬≠an¬≠der ver¬≠bun¬≠de¬≠nen Kno¬≠ten. Die Idee ist nicht neu, wir ken¬≠nen das zum Bei¬≠spiel vom Email-Sys¬≠tem: Hier gibt es eben¬≠falls vie¬≠le Kno¬≠ten, und egal, bei wel¬≠chem Anbie¬≠ter die Nut¬≠ze¬≠rin ihr Kon¬≠to hat, sie ist mit dem Rest des Netz¬≠werks ver¬≠bun¬≠den. Voll¬≠kom¬≠men egal, ob das Kon¬≠to bei Pos¬≠teo, GMX oder Goog¬≠le Mail liegt, der Aus¬≠tausch mit Kon¬≠tak¬≠ten ande¬≠rer Anbie¬≠ter funk¬≠tio¬≠niert problemlos.

In einer per¬≠fek¬≠ten Welt w√ľr¬≠de jede dia¬≠spo¬≠ra*-Nut¬≠ze¬≠rin ihren eige¬≠nen Kno¬≠ten betrei¬≠ben, bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se in Form eines klei¬≠nen Ger√§ts, das zuhau¬≠se am Rou¬≠ter ange¬≠schlos¬≠sen wird. √úber die¬≠ses Ger√§t l√§uft die gesam¬≠te Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on mit dem Netz¬≠werk, und dort wer¬≠den auch alle per¬≠s√∂n¬≠li¬≠chen Daten gespei¬≠chert. Von dort aus k√∂n¬≠nen die Daten dann ganz bewusst und kon¬≠trol¬≠liert ver¬≠teilt werden.

Dia¬≠spo¬≠ra* arbei¬≠tet nach dem strik¬≠ten Prin¬≠zip, Daten nur dann zu ver¬≠tei¬≠len, wenn das not¬≠wen¬≠dig und gew√ľnscht ist. Neh¬≠men wir als Bei¬≠spiel vier Per¬≠so¬≠nen, die alle ihren eige¬≠nen dia¬≠spo¬≠ra*-Kno¬≠ten betrei¬≠ben. Ali¬≠ce m√∂ch¬≠te ein Foto tei¬≠len und hat die M√∂g¬≠lich¬≠keit, genau zu bestim¬≠men, wel¬≠che ihrer Kon¬≠tak¬≠te die¬≠ses Foto sehen d√ľr¬≠fen. Teilt Ali¬≠ce das Foto bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se mit Bob und Char¬≠lie, dann sen¬≠det dia¬≠spo¬≠ra* die¬≠se Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen auch nur an deren Kno¬≠ten. Ande¬≠re Mit¬≠glie¬≠derin¬≠nen des Netz¬≠werks, bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se Eve, bekom¬≠men so die Daten nie zu sehen.

Statt einer Zen¬≠tra¬≠le zu ver¬≠trau¬≠en, die Daten rich¬≠tig zu ver¬≠tei¬≠len und f√ľr kei¬≠ne ande¬≠ren Zwe¬≠cke zu ver¬≠wen¬≠den, hat im dia¬≠spo¬≠ra*-Netz jede Benut¬≠ze¬≠rin die Kon¬≠trol¬≠le selbst in der Hand. Kno¬≠ten, mit denen Inhal¬≠te nicht expli¬≠zit geteilt wer¬≠den, erhal¬≠ten die¬≠se nie. Damit sind sie auch nicht in der Lage, alle Daten zu sam¬≠meln und dar¬≠aus ein genau¬≠es Pro¬≠fil zu erstellen.

Die¬≠ses Sys¬≠tem bringt nicht nur f√ľr den Daten¬≠schutz Vor¬≠tei¬≠le mit sich. Soll¬≠te Bobs Kno¬≠ten auf¬≠grund von tech¬≠ni¬≠schen Pro¬≠ble¬≠men oder einem Angriff nicht erreich¬≠bar sein, kann Ali¬≠ce trotz¬≠dem mit Char¬≠lie kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČnur Bob ist vom Netz¬≠werk abge¬≠schnit¬≠ten. Im Fal¬≠le einer Atta¬≠cke auf Bobs Kno¬≠ten, bei der Sicher¬≠heits¬≠l√ľ¬≠cken aus¬≠ge¬≠nutzt wer¬≠den und Daten abge¬≠grif¬≠fen wer¬≠den, sind nur Daten betrof¬≠fen, die mit Bob geteilt wurden.

Tech­ni­sche und gesell­schaft­li­che Probleme

Auch wenn das Ver¬≠tei¬≠len von Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen bereits sta¬≠bil funk¬≠tio¬≠niert, sind Pro¬≠jek¬≠te wie dia¬≠spo¬≠ra* lei¬≠der noch sehr weit davon ent¬≠fernt, ein Netz¬≠werk f√ľr alle zu werden.

Die im Bei¬≠spiel oben erw√§hn¬≠te Box, die jede inter¬≠es¬≠sier¬≠te Per¬≠son bei sich zuhau¬≠se ans Inter¬≠net h√§n¬≠gen kann, und die als Kno¬≠ten im sozia¬≠le Netz¬≠werk agiert, gibt es nicht. Zwar gibt es eini¬≠ge Pro¬≠jek¬≠te, die mit die¬≠sem Ziel ent¬≠wi¬≠ckelt wer¬≠den, aber die¬≠se sind noch weit nicht soweit, freund¬≠lich gegen¬≠√ľber tech¬≠nisch nicht ver¬≠sier¬≠ten Anwen¬≠de¬≠rin¬≠nen zu sein. Selbst wenn es eine sol¬≠che Box g√§be, w√§re das Pro¬≠blem damit noch lan¬≠ge nicht gel√∂st. Damit ein Netz¬≠werk wie dia¬≠spo¬≠ra* zuver¬≠l√§s¬≠sig funk¬≠tio¬≠niert, m√ľs¬≠sen die Kno¬≠ten dau¬≠er¬≠haft mit dem Inter¬≠net ver¬≠bun¬≠den und √ľber eine fes¬≠te Adres¬≠se erreich¬≠bar sein. Das ist unrea¬≠lis¬≠tisch, wenn das Ziel ist, die Box zuhau¬≠se zu betrei¬≠ben, denn Inter¬≠net¬≠an¬≠bie¬≠ter unter¬≠sa¬≠gen meist den Betrieb von Diens¬≠ten im hei¬≠mi¬≠schen Internet.

Dia¬≠spo¬≠ra* kann auch funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren, wenn nicht jede Nut¬≠ze¬≠rin ihren eige¬≠nen Kno¬≠ten betreibt. Es w√§re durch¬≠aus denk¬≠bar, dass es einen Kno¬≠ten pro Fami¬≠lie oder pro Freun¬≠des¬≠kreis gibt. Zus√§tz¬≠lich k√∂nn¬≠ten bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se Ver¬≠ei¬≠ne einen dia¬≠spo¬≠ra*-Kno¬≠ten f√ľr ihre Mit¬≠glie¬≠der betrei¬≠ben. Aber auch hier gilt: Wer den Dienst betreibt, hat Zugriff auf die Daten. Wenn man die Betrei¬≠be¬≠rin eines Kno¬≠tens nicht per¬≠s√∂n¬≠lich kennt, muss ein Kom¬≠pro¬≠miss zwi¬≠schen Ver¬≠trau¬≠en und Kon¬≠trol¬≠le ein¬≠ge¬≠gan¬≠gen werden.

Daten­schutz und Nutzerinnenfreundlichkeit

Auch wenn wir das Betrei¬≠ben der Kno¬≠ten v√∂l¬≠lig igno¬≠rie¬≠ren, haben dia¬≠spo¬≠ra* und ande¬≠re Pro¬≠jek¬≠te l√§ngst nicht das Level erreicht, das Benut¬≠ze¬≠rin¬≠nen von sozia¬≠len Netz¬≠wer¬≠ken erwar¬≠ten. M√∂g¬≠li¬≠cher¬≠wei¬≠se k√∂n¬≠nen die Pro¬≠jek¬≠te das auch √ľber¬≠haupt nicht.

Obwohl vie¬≠le Men¬≠schen sich der Daten¬≠schutz¬≠pro¬≠ble¬≠me der gro¬≠√üen Netz¬≠wer¬≠ke bewusst sind, nut¬≠zen und erwar¬≠ten sie vie¬≠le Funk¬≠tio¬≠nen, die nur funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren, weil die zen¬≠tra¬≠len Netz¬≠wer¬≠ke Zugriff auf alle Daten haben. Funk¬≠tio¬≠nen wie die kom¬≠for¬≠ta¬≠ble Suche nach Kon¬≠tak¬≠ten und Freun¬≠din¬≠nen sind f√ľr alter¬≠na¬≠ti¬≠ve Netz¬≠wer¬≠ke nicht ein¬≠fach zu rea¬≠li¬≠sie¬≠ren. Dia¬≠spo¬≠ra* sam¬≠melt kei¬≠ne Han¬≠dy¬≠num¬≠mern aus den Tele¬≠fon¬≠b√ľ¬≠chern und der Abgleich von schu¬≠li¬≠schen und beruf¬≠li¬≠chen Wer¬≠de¬≠g√§n¬≠gen ist eben¬≠falls nicht m√∂g¬≠lich. Nicht nur m√ľss¬≠ten dazu die¬≠se Daten √ľber¬≠haupt erst erfasst wer¬≠den, sie m√ľss¬≠ten auch f√ľr alle Kno¬≠ten erreich¬≠bar gespei¬≠chert wer¬≠den, um eine netz¬≠werk¬≠wei¬≠te Suche zu erm√∂g¬≠li¬≠chen. Das w√ľr¬≠de Zen¬≠tra¬≠len in einem dezen¬≠tra¬≠len Netz schaffen.

Die Ent­wick­lung alter­na­ti­ver sozia­len Medi­en ist oft das Suchen eines Kom­pro­mis­ses zwi­schen den Anfor­de­run­gen der Nut­ze­rin­nen und dem Erhal­ten von Daten­schutz und Kon­trol­le. Mit kon­stan­ten Nut­ze­rin­nen­er­war­tun­gen ist der Sys­tem­wech­sel also nicht zu machen. Sol­che Pro­jek­te sehen sich daher nicht nur von tech­ni­schen Pro­ble­men kon­fron­tiert, son­dern auch vor gesell­schaft­li­chen Herausforderungen.

Eine Her­aus­for­de­rung

Die Betrei¬≠be¬≠rin¬≠nen der Kno¬≠ten im dia¬≠spo¬≠ra*-Netz¬≠werk sind der¬≠zeit √ľber¬≠wie¬≠gend Pri¬≠vat¬≠per¬≠so¬≠nen, die sich, bzw. ihre Dienst¬≠leis¬≠tun¬≠gen f√ľr die Com¬≠mu¬≠ni¬≠ty durch Spen¬≠den ihrer Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen finan¬≠zie¬≠ren. Das Netz¬≠werk besteht zu einem gro¬≠√üen Teil aus Per¬≠so¬≠nen, die ein sehr gro¬≠√ües Inter¬≠es¬≠se an Daten¬≠schutz und alter¬≠na¬≠ti¬≠ven sozia¬≠len Medi¬≠en haben und unter die¬≠sen ist die Spen¬≠den¬≠be¬≠reit¬≠schaft ver¬≠gleichs¬≠wei¬≠se hoch. Wir wis¬≠sen nicht, ob die¬≠ses Prin¬≠zip auch noch funk¬≠tio¬≠niert, wenn Mil¬≠lio¬≠nen von Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen dem Netz¬≠werk bei¬≠tre¬≠ten, f√ľr die Daten¬≠schutz nicht das vor¬≠wie¬≠gen¬≠de Inter¬≠es¬≠se ist.

Neben dem Betrieb der Kno¬≠ten ist die Ent¬≠wick¬≠lung der Soft¬≠ware dahin¬≠ter eine gro¬≠√üe Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠rung. Soft¬≠ware¬≠ent¬≠wick¬≠lung ist auf¬≠wen¬≠dig und damit teu¬≠er. Gera¬≠de dezen¬≠tra¬≠le sozia¬≠le Netz¬≠wer¬≠ke ste¬≠cken hier in einer Zwick¬≠m√ľh¬≠le: Nicht nur m√ľs¬≠sen sie Anfor¬≠de¬≠run¬≠gen bew√§l¬≠ti¬≠gen, die klas¬≠si¬≠sche sozia¬≠le Netz¬≠wer¬≠ke mit Mil¬≠li¬≠ar¬≠den¬≠bud¬≠gets umset¬≠zen, son¬≠dern durch die ver¬≠teil¬≠te Natur der Daten sind vie¬≠le tech¬≠ni¬≠sche Berei¬≠che deut¬≠lich kom¬≠ple¬≠xer als sie das bei einem zen¬≠tra¬≠len Netz¬≠werk w√§ren.

Dia¬≠spo¬≠ra* ist ein gemein¬≠n√ľt¬≠zi¬≠ges Pro¬≠jekt mit offe¬≠nem Quell¬≠code und offe¬≠ner Ent¬≠wick¬≠le¬≠rin¬≠nen¬≠ge¬≠mein¬≠schaft. Die Ent¬≠wick¬≠lung fin¬≠det durch Frei¬≠wil¬≠li¬≠ge in ihrer Frei¬≠zeit statt. Zwar machen die Ent¬≠wick¬≠le¬≠rin¬≠nen das, weil sie Spa√ü dar¬≠an haben und die Moti¬≠ve hin¬≠ter den Pro¬≠jek¬≠ten unter¬≠st√ľt¬≠zen, aber gro¬≠√üe Spr√ľn¬≠ge machen Pro¬≠jek¬≠te auf die¬≠se Art nicht. Gesch√§fts¬≠mo¬≠del¬≠le oder Spon¬≠so¬≠ren f√ľr sol¬≠che Pro¬≠jek¬≠te sind schwer zu fin¬≠den, auch hier sind vie¬≠le von den Spen¬≠den der Nut¬≠ze¬≠rin¬≠nen abh√§ngig.

Ein­fach mal machen

Dia¬≠spo¬≠ra* sieht sich nicht als Face¬≠book-Kil¬≠ler, son¬≠dern mehr als Spiel¬≠platz oder offe¬≠nes Labor, in dem inter¬≠es¬≠sier¬≠te Ent¬≠wick¬≠le¬≠rin¬≠nen und Benut¬≠ze¬≠rin¬≠nen gemein¬≠sam an L√∂sun¬≠gen zu den Pro¬≠ble¬≠men arbei¬≠ten und das funk¬≠tio¬≠niert sehr gut.

Wenn wei­ter­hin vie­le Pro­jek­te nach den Wegen in das ande­re Inter­net suchen, ist zu hof­fen, dass irgend­wann eines die­ser Pro­jek­te den Durch­bruch schafft und damit eine daten­schutz­freund­li­che Alter­na­ti­ve zu den zen­tra­len Netz­wer­ken geschaf­fen wird. Eine Alter­na­ti­ve, die hof­fent­lich ohne gro­ße Kom­pro­mis­se auskommt.

Und bis dahin machen wir ein­fach mal weiter.