Was w√§re, wenn Social Media den Nutzer*innen geh√∂ren w√ľrde?

Der Staat neben den Staaten

Damit Face­book demo­kra­tisch wird, bräuch­te es eine poli­ti­sche Revo­lu­ti­on. Doch was kommt nach dem Umsturz? Die gro­ße Her­aus­for­de­rung der gerech­ten Selbstregierung.

Die Festung Bastille wird vom Volk erst√ľrmt
‚ÄěDer Sturm auf die Bastille‚Äú, hier in der Darstellung von Jean-Pierre Hou√ęl, gilt als der Auftakt der Franz√∂sischen Revolution.

Am 14. Juli 1789 koch¬≠te die Wut der Bewohner*innen Frank¬≠reichs √ľber: Als ein¬≠zi¬≠gen Aus¬≠weg aus dem voll¬≠st√§n¬≠di¬≠gen Aus¬≠ge¬≠lie¬≠fert¬≠sein einem abso¬≠lu¬≠ten Herr¬≠scher gegen¬≠√ľber, st√ľrm¬≠ten die Pariser*innen die ‚Äč‚ÄěBas¬≠til¬≠le‚Äú, eine Fes¬≠tung und Gef√§ng¬≠nis. Und selbst wenn der Sturm auf ein kaum bemann¬≠tes Geb√§u¬≠de weit weni¬≠ger dra¬≠ma¬≠tisch war, als sich vie¬≠le das vor¬≠stel¬≠len, so steht er immer noch sym¬≠bo¬≠lisch f√ľr die Macht der Bev√∂l¬≠ke¬≠rung, f√ľr die Legi¬≠ti¬≠mi¬≠t√§t des Auf¬≠stands gegen Herr¬≠schaft und Unterdr√ľckung.

230 Jah¬≠re sp√§¬≠ter stellt sich die Lebens¬≠si¬≠tua¬≠ti¬≠on vie¬≠ler Men¬≠schen grund¬≠s√§tz¬≠lich anders dar: Ein gro¬≠√üer Teil der Staa¬≠ten der Erde ist mehr oder weni¬≠ger demo¬≠kra¬≠tisch und erlaubt die poli¬≠ti¬≠sche Mit¬≠be¬≠stim¬≠mung sei¬≠ner B√ľrger*innen. Die Men¬≠schen k√∂n¬≠nen unter ande¬≠rem durch Wah¬≠len, Peti¬≠tio¬≠nen und Refe¬≠ren¬≠den die Regeln ihres Zusam¬≠men¬≠le¬≠bens mit¬≠be¬≠stim¬≠men. Au√üer auf Face¬≠book. Und ande¬≠ren Soci¬≠al-Media-Platt¬≠for¬≠men, in die¬≠sem Text soll der Fokus aber pars pro toto auf Face¬≠book blei¬≠ben.

Know Your Enemy

Die Regu¬≠lie¬≠rung von Face¬≠book ist eine der gro¬≠√üen poli¬≠ti¬≠schen Fra¬≠gen unse¬≠rer Zeit und hat in den letz¬≠ten Jah¬≠ren eine gan¬≠ze Biblio¬≠thek von B√ľchern inspi¬≠riert, die sich dem The¬≠ma aus unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Per¬≠spek¬≠ti¬≠ven n√§hern: Face¬≠book wird mal als Unter¬≠neh¬≠men betrach¬≠tet, wel¬≠ches √ľber Wett¬≠be¬≠werbs¬≠recht und ande¬≠re juris¬≠ti¬≠sche Kon¬≠struk¬≠te ein¬≠ge¬≠fan¬≠gen und zum Gemein¬≠wohl ver¬≠pflich¬≠tet wer¬≠den soll, mal als ‚Äč‚ÄěPlatt¬≠form‚Äú bezeich¬≠net, auf der der ‚Äč‚Äúglo¬≠ba¬≠le Markt¬≠platz der Ide¬≠en‚ÄĚ gesch√ľtzt wer¬≠den soll.

Aber Face­book als Unter­neh­men oder Platt­form zu begrei­fen, springt zu kurz. Face­book ist zwar auch ein Unter­neh­men und auch eine Platt­form, es ist aber vor allem ein staats­ähn­li­cher poli­ti­scher Raum. Ein staats­ähn­li­cher Raum, der auto­kra­tisch durch den CEO regiert wird.

Ein Mann mit langen Haaren zum Zopf gebunden und einem Oberlippen- und Kinnbart

tan¬≠te besch√§f¬≠tigt sich als unab¬≠h√§n¬≠gi¬≠ger Theo¬≠rist mit sozio¬≠tech¬≠ni¬≠schen Sys¬≠te¬≠men, ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re mit den poli¬≠ti¬≠schen und gesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Aus¬≠wir¬≠kun¬≠gen der Ein¬≠f√ľh¬≠rung und Nut¬≠zung von Tech¬≠no¬≠lo¬≠gi¬≠en. Er ist Gr√ľn¬≠dungs¬≠mit¬≠glied des trans¬≠dis¬≠zi¬≠pli¬≠n√§¬≠ren Other¬≠wi¬≠se Net¬≠work, in dem die Digi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠rung kri¬≠tisch und ein¬≠ord¬≠nend beglei¬≠tet wird. 

Was genau bedeu¬≠tet ‚Äč‚Äústaats¬≠√§hn¬≠lich‚ÄĚ in die¬≠sem Kontext?

(Nicht nur) In Deutsch¬≠land geht man tra¬≠di¬≠tio¬≠nell von einer Tren¬≠nung der poli¬≠ti¬≠schen und der √∂ko¬≠no¬≠mi¬≠schen Sph√§¬≠re aus, wobei der Poli¬≠tik (und damit dem Wil¬≠len des Vol¬≠kes) das Pri¬≠mat zusteht: Die Poli¬≠tik regu¬≠liert und kon¬≠trol¬≠liert die Wirt¬≠schaft, die Wirt¬≠schaft muss den Anwei¬≠sun¬≠gen der Poli¬≠tik Fol¬≠ge leis¬≠ten. Wenn wir aber ana¬≠ly¬≠sie¬≠ren, was Poli¬≠tik los¬≠ge¬≠l√∂st von poli¬≠ti¬≠schen √Ąmtern und Orga¬≠ni¬≠sa¬≠tio¬≠nen wirk¬≠lich ist, zeigt sich ein ande¬≠res Bild. 

Poli¬≠tik ist vor allem die Legi¬≠ti¬≠ma¬≠ti¬≠on der Ent¬≠schei¬≠dung, wer (struk¬≠tu¬≠rel¬≠ler) Gewalt aus¬≠ge¬≠setzt wird und wer nicht. Und auf die¬≠ser Basis ist es schwie¬≠rig, so zu tun, als exis¬≠tier¬≠ten die R√§u¬≠me unse¬≠res sozia¬≠len und poli¬≠ti¬≠schen Han¬≠delns online nur in der wirt¬≠schaft¬≠li¬≠chen Sph√§¬≠re: Wenn Face¬≠book sei¬≠ne News¬≠feed-Algo¬≠rith¬≠men anpasst und damit bestimm¬≠te Grup¬≠pen bevor¬≠zugt und ande¬≠re benach¬≠tei¬≠ligt, wenn es neue Kenn¬≠zah¬≠len und Mone¬≠ta¬≠ri¬≠sie¬≠run¬≠gen ein¬≠f√ľhrt, die lan¬≠ge bestehen¬≠de Unter¬≠neh¬≠men ins Wan¬≠ken brin¬≠gen, dann sind die Aus¬≠wir¬≠kun¬≠gen die¬≠ses Han¬≠delns so gra¬≠vie¬≠rend wie vie¬≠le Geset¬≠ze. Face¬≠book hat zwar kei¬≠ne Armee aber eine ‚Äď wei¬≠test¬≠ge¬≠hend unkon¬≠trol¬≠lier¬≠te ‚Äď Poli¬≠zei, die Face¬≠books Regeln durch¬≠setzt und unge¬≠woll¬≠te Inhal¬≠te l√∂scht. Face¬≠book sitzt nicht in der UN, aber es ent¬≠zieht sich immer wie¬≠der staat¬≠li¬≠chen Zugrif¬≠fen und Regu¬≠lie¬≠run¬≠gen. Dazu muss man nur mal die Finanz¬≠√§m¬≠ter befragen.

Face¬≠book √ľber¬≠nimmt im digi¬≠ta¬≠len Raum zuneh¬≠mend staats¬≠√§hn¬≠li¬≠che Auf¬≠ga¬≠ben: Der Face¬≠book-Account ist das, was im Inter¬≠net dem Per¬≠so¬≠nal¬≠aus¬≠weis am n√§chs¬≠ten kommt, ein kano¬≠ni¬≠scher Iden¬≠ti¬≠t√§ts¬≠an¬≠ker, auf den sich der Rest des Sys¬≠tems Inter¬≠net st√ľtzt. Face¬≠book arbei¬≠tet an einer eige¬≠nen W√§h¬≠rung namens Libra, mit der nicht nur Trans¬≠fers von Geld unter Nutzer*innen, son¬≠dern lang¬≠fris¬≠tig auch Zah¬≠lun¬≠gen an Part¬≠ner wie ebay, Uber oder Spo¬≠ti¬≠fy abge¬≠wi¬≠ckelt wer¬≠den sol¬≠len‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČganz an den bestehen¬≠den Regu¬≠la¬≠ri¬≠en, die Geld¬≠ge¬≠sch√§f¬≠te auf dem bestehen¬≠den Finanz¬≠markt kon¬≠trol¬≠lie¬≠ren, vor¬≠bei. Und im Prin¬≠zip sind vie¬≠le der ‚Äč‚ÄěPoli¬≠cy und PR‚Äú-B√ľros von Face¬≠book nichts ande¬≠res als Bot¬≠schaf¬≠ten: In vie¬≠len Kon¬≠tex¬≠ten ver¬≠han¬≠delt Face¬≠book mit Staa¬≠ten und staat¬≠li¬≠chen Gemein¬≠schaf¬≠ten wie der EU nahe¬≠zu auf Augenh√∂he. 

Take the Power Back

Im Inter¬≠net pr√§-demo¬≠kra¬≠ti¬≠sche poli¬≠ti¬≠sche Lebens¬≠r√§u¬≠me auf¬≠zu¬≠bau¬≠en, soll¬≠te nicht im Inter¬≠es¬≠se der Benutzer*innen des Net¬≠zes lie¬≠gen. Und so gibt es schon diver¬≠se Vor¬≠schl√§¬≠ge dazu, wie man des ‚Äč‚ÄěPro¬≠blems Face¬≠book‚Äú wie¬≠der Herr wer¬≠den k√∂nn¬≠te. Dabei zeigt jeder L√∂sungs¬≠vor¬≠schlag ziem¬≠lich deut¬≠lich, was genau die vor¬≠schla¬≠gen¬≠de Per¬≠son als ‚Äč‚Äědas Pro¬≠blem Face¬≠book‚Äú defi¬≠niert. Ein popu¬≠l√§¬≠rer Vor¬≠schlag lau¬≠tet, Face¬≠book m√ľs¬≠se ‚Äč‚Äěsei¬≠nen Nut¬≠zen¬≠den geh√∂¬≠ren‚Äú, m√ľs¬≠se ver¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠tet wer¬≠den. Aber was bedeu¬≠tet das? Man k√∂nn¬≠te es so regeln, dass jedem Face¬≠book-Account eine Aktie zust√ľn¬≠de. Aber wie k√∂nn¬≠ten die Akti¬≠en¬≠be¬≠sit¬≠zer dann ihre Inter¬≠es¬≠sen ver¬≠tre¬≠ten? Wie fin¬≠det ein Aus¬≠gleich der unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Inter¬≠es¬≠sen statt? Wel¬≠chen Rechts¬≠nor¬≠men unter¬≠liegt die¬≠ses neue Konstrukt? 

Oder soll¬≠te Face¬≠book bes¬≠ser einem Staat zuge¬≠ord¬≠net wer¬≠den? Aber wel¬≠chem? Oder der Euro¬≠p√§i¬≠schen Uni¬≠on? Und was ist mit dem Rest der Welt? 

Face¬≠book zu ‚Äč‚Äězer¬≠schla¬≠gen‚Äú ist ein ande¬≠rer Vor¬≠schlag, den man h√§u¬≠fi¬≠ger h√∂rt und liest. Face¬≠book soll zer¬≠legt wer¬≠den in unter¬≠schied¬≠li¬≠che Teil¬≠fir¬≠men, ent¬≠we¬≠der in getrenn¬≠te sozia¬≠le Net¬≠ze oder in funk¬≠tio¬≠na¬≠le Kom¬≠po¬≠nen¬≠ten. Ent¬≠we¬≠der m√ľss¬≠ten also die Teil-Face¬≠books kon¬≠kur¬≠rie¬≠ren. Oder man h√§t¬≠te eine Fir¬≠ma nur f√ľr den Soci¬≠al Graph, qua¬≠si das ‚Äč‚ÄěAdress¬≠buch‚Äú; eine ande¬≠re Fir¬≠ma, die sich auf den News¬≠feed kon¬≠zen¬≠triert; eine wei¬≠te¬≠re Fir¬≠ma, die das Tei¬≠len von Fotos und Vide¬≠os anbie¬≠tet, und so wei¬≠ter. Als ‚Äč‚ÄěPro¬≠blem Face¬≠book‚Äú wird in die¬≠sem Framing die Mono¬≠pol¬≠stel¬≠lung dia¬≠gnos¬≠ti¬≠ziert, die Markt¬≠me¬≠cha¬≠nis¬≠men aus¬≠he¬≠belt. Rea¬≠lis¬≠ti¬≠scher¬≠wei¬≠se w√ľr¬≠den die unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Face¬≠books jedoch irgend¬≠wann Allein¬≠stel¬≠lungs¬≠merk¬≠ma¬≠le aus¬≠pr√§¬≠gen und sich am Ende wohl doch eines oder weni¬≠ge durch¬≠set¬≠zen, wie man das auch bei Email-Anbie¬≠tern beob¬≠ach¬≠ten konn¬≠te. Face¬≠book w√§re wei¬≠ter¬≠hin unde¬≠mo¬≠kra¬≠tisch, der digi¬≠ta¬≠le √∂ffent¬≠li¬≠che Raum blie¬≠be pri¬≠va¬≠ti¬≠siert. Als w√§re man gezwun¬≠gen, in der Online-Ent¬≠spre¬≠chung eines Flug¬≠ha¬≠fen¬≠ter¬≠mi¬≠nals zu leben, ohne jemals raus zu k√∂nnen.

Der letz¬≠te gro¬≠√üe Vor¬≠schlag, um das Pro¬≠blem Face¬≠book anzu¬≠ge¬≠hen ist, den eige¬≠nen Account zu l√∂schen. Face¬≠book zu ent¬≠m√§ch¬≠ti¬≠gen, indem man sich ihm ent¬≠zieht. Das ‚Äč‚ÄěPro¬≠blem Face¬≠book‚Äú ist in die¬≠sem Fal¬≠le Face¬≠book selbst, eine Fir¬≠ma, der die Men¬≠schen nicht ver¬≠trau¬≠en und deren Gesch√§fts¬≠mo¬≠dell und Vor¬≠ge¬≠hen als unrett¬≠bar ange¬≠se¬≠hen wer¬≠den. Die¬≠ser Vor¬≠schlag hat auf den ers¬≠ten Blick den Charme, nicht ein Mono¬≠pol durch eine ande¬≠re pro¬≠ble¬≠ma¬≠ti¬≠sche Struk¬≠tur zu erset¬≠zen, zer¬≠st√∂rt aber gleich¬≠zei¬≠tig eine durch¬≠aus neue Form des √∂ffent¬≠li¬≠chen und poli¬≠ti¬≠schen Raums, eine Form, die mehr Men¬≠schen Teil¬≠ha¬≠be und Ver¬≠√∂f¬≠fent¬≠li¬≠chungs¬≠macht bietet. 

Wake Up

Akzep¬≠tie¬≠ren wir, dass Face¬≠book ein poli¬≠ti¬≠scher, staats¬≠√§hn¬≠li¬≠cher Raum ist, so ist es zur Ent¬≠wick¬≠lung trag¬≠f√§¬≠hi¬≠ger L√∂sun¬≠gen not¬≠wen¬≠dig, eben¬≠falls zu akzep¬≠tie¬≠ren, dass die¬≠ser Raum nicht homo¬≠gen ist. 

Face¬≠book ist, wenn man es genau¬≠er betrach¬≠tet, eine kom¬≠ple¬≠xe Struk¬≠tur vie¬≠ler sich √ľber¬≠lap¬≠pen¬≠der und mit¬≠ein¬≠an¬≠der ver¬≠wo¬≠be¬≠ner poli¬≠ti¬≠scher R√§u¬≠me, in denen Men¬≠schen mit ganz unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Hin¬≠ter¬≠gr√ľn¬≠den und Inter¬≠es¬≠sen inter¬≠agie¬≠ren. Schon f√ľr die Fra¬≠gen, ob das Bild einer nack¬≠ten, stil¬≠len¬≠den Brust oder die √∂ffent¬≠li¬≠che Leug¬≠nung des Holo¬≠caust erlaubt bzw. gedul¬≠det sein soll¬≠te, l√§sst sich heu¬≠te kaum Kon¬≠sens fin¬≠den. Die¬≠se Ver¬≠hand¬≠lungs¬≠pro¬≠zes¬≠se von Nor¬≠men fin¬≠den auch in Staa¬≠ten immer wie¬≠der statt, wer¬≠den aber auf Platt¬≠for¬≠men wie Face¬≠book wegen der noch st√§r¬≠ker kon¬≠tras¬≠tie¬≠ren¬≠den Hin¬≠ter¬≠gr√ľn¬≠de der Nutzer*innen noch sicht¬≠ba¬≠rer und oft auch noch √ľber¬≠spitz¬≠ter. Die Vor¬≠stel¬≠lung, die¬≠se enor¬≠men Dif¬≠fe¬≠ren¬≠zen in einem Regel¬≠werk abbil¬≠den zu k√∂n¬≠nen, bewegt sich irgend¬≠wo zwi¬≠schen l√§cher¬≠lich und chauvinistisch.

Das zen¬≠tra¬≠le Pro¬≠blem ist daher die anti¬≠de¬≠mo¬≠kra¬≠ti¬≠sche Aus¬≠rich¬≠tung bei gleich¬≠zei¬≠ti¬≠ger mas¬≠si¬≠ver poli¬≠ti¬≠scher Macht. Eine nach¬≠hal¬≠ti¬≠ge L√∂sung die¬≠ses Pro¬≠blems muss eine wirk¬≠li¬≠che √úber¬≠nah¬≠me Face¬≠books durch die Nutzer*innen sein, aber nicht im Sin¬≠ne des Besit¬≠zes einer Fir¬≠ma, son¬≠dern eher im Sin¬≠ne einer poli¬≠ti¬≠schen Revolution. 


Ein¬≠fa¬≠cher gesagt, als getan. Wie aber orga¬≠ni¬≠siert man einen staats¬≠√§hn¬≠li¬≠chen Bereich, der qua¬≠si senk¬≠recht zu den bestehen Staa¬≠ten steht? Wie ver¬≠h√§lt sich die¬≠se neue Form poli¬≠ti¬≠scher Struk¬≠tur zu den exis¬≠tie¬≠ren¬≠den Staa¬≠ten und ihren Regeln, was genau defi¬≠niert sie und wie unter¬≠schei¬≠det sie sich von Staa¬≠ten? Kann man eine ‚Äč‚Äědop¬≠pel¬≠te Staats¬≠b√ľr¬≠ger¬≠schaft‚Äú deutsch/‚ÄčFace¬≠book haben und wel¬≠che der bei¬≠den Iden¬≠ti¬≠t√§¬≠ten setzt sich wann durch? Was sind kon¬≠kre¬≠te Schrit¬≠te auf dem Weg zu einer digi¬≠ta¬≠len, inter¬≠sek¬≠tio¬≠na¬≠len, fai¬≠ren Form von Liber¬≠t√©, √Čga¬≠lit√©, Fra¬≠ter¬≠nit√©?

Beau¬≠ti¬≠ful World

Gl√ľck¬≠li¬≠cher¬≠wei¬≠se fin¬≠den sich √ľber¬≠all auf der Welt Bei¬≠spie¬≠le daf√ľr, wie sol¬≠che Pro¬≠ble¬≠me ange¬≠gan¬≠gen wer¬≠den k√∂nnen. 

Beson¬≠ders ergie¬≠big ist der Bereich der soge¬≠nann¬≠ten Inter¬≠net Gover¬≠nan¬≠ce, in dem sich ein Mul¬≠tista¬≠ke¬≠hol¬≠der-Ansatz bew√§hrt hat. Staa¬≠ten, gro¬≠√üe Unter¬≠neh¬≠men, aber auch Orga¬≠ni¬≠sa¬≠tio¬≠nen der Zivil¬≠ge¬≠sell¬≠schaft und Indi¬≠vi¬≠du¬≠en k√∂n¬≠nen sich ent¬≠lang ihrer F√§hig¬≠kei¬≠ten und Bed√ľrf¬≠nis¬≠se in die¬≠sen Pro¬≠zess ein¬≠brin¬≠gen. Die Zie¬≠le, Nor¬≠men und Grund¬≠satz¬≠re¬≠geln des Inter¬≠nets wer¬≠den von auto¬≠no¬≠men Grup¬≠pen im offe¬≠nen Dis¬≠kurs ver¬≠han¬≠delt, um einen Inter¬≠es¬≠sen¬≠aus¬≠gleich her¬≠zu¬≠stel¬≠len. Nach die¬≠sem Modell wur¬≠de bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se die IANA (Inter¬≠net Assi¬≠gned Num¬≠bers Aut¬≠ho¬≠ri¬≠ty), die sich um die Ver¬≠ga¬≠be von IP-Adress¬≠r√§u¬≠men und √§hn¬≠li¬≠chen tech¬≠ni¬≠schen Spe¬≠zi¬≠fi¬≠ka¬≠tio¬≠nen k√ľm¬≠mert, aus US-ame¬≠ri¬≠ka¬≠ni¬≠scher Auf¬≠sicht in eine glo¬≠ba¬≠le, mul¬≠tista¬≠ker¬≠hol¬≠der¬≠ba¬≠sier¬≠te-Kon¬≠trol¬≠le √ľber¬≠ge¬≠ben. Auch die ‚Äč‚ÄěDigi¬≠tal Secu¬≠ri¬≠ty Risk Manage¬≠ment for Eco¬≠no¬≠mic and Soci¬≠al Prosperity‚Äú-Richtlinien der OECD (Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠on f√ľr wirt¬≠schaft¬≠li¬≠che Zusam¬≠men¬≠ar¬≠beit und Ent¬≠wick¬≠lung) wur¬≠den 2013‚ÄČ‚Äď‚ÄČ2015 nach dem Mul¬≠tista¬≠ke¬≠hol¬≠der-Ansatz ausgearbeitet. 

Die¬≠se Dar¬≠stel¬≠lung ist nat√ľr¬≠lich etwas idea¬≠li¬≠siert. In der Rea¬≠li¬≠t√§t ist der Zugang zu die¬≠sen Orga¬≠ni¬≠sa¬≠tio¬≠nen und ihren Mee¬≠tings oft nicht so unkom¬≠pli¬≠ziert, wie man sich das w√ľn¬≠schen w√ľr¬≠de. Mee¬≠tings fin¬≠den irgend¬≠wo auf dem Pla¬≠ne¬≠ten statt, und wer nicht gera¬≠de vom eige¬≠nen Arbeit¬≠ge¬≠ber f√ľr die Anwe¬≠sen¬≠heit bezahlt wird, muss Fl√ľ¬≠ge und Unter¬≠kunft selbst finan¬≠zie¬≠ren. Auch m√ľs¬≠sen die Teil¬≠neh¬≠men¬≠den in den aller¬≠meis¬≠ten F√§l¬≠len Eng¬≠lisch spre¬≠chen, um sich zu poli¬≠ti¬≠schen Fra¬≠gen √§u√üern zu k√∂nnen.

Trotz man¬≠cher Schw√§¬≠chen fin¬≠den sich im Bereich der Inter¬≠net Gover¬≠nan¬≠ce viel¬≠ver¬≠spre¬≠chen¬≠de Ans√§t¬≠ze dazu, wie es gelin¬≠gen kann, eine Enti¬≠t√§t wie Face¬≠book zu demo¬≠kra¬≠ti¬≠sie¬≠ren. Dis¬≠ku¬≠tiert wer¬≠den sol¬≠che Fra¬≠gen auch beim Inter¬≠net Gover¬≠nan¬≠ce Forum 2019, das vom 25. bis 29. Novem¬≠ber in Ber¬≠lin statt¬≠fin¬≠det und kos¬≠ten¬≠los ist. Foren und Kon¬≠fe¬≠ren¬≠zen wie das Inter¬≠net Gover¬≠nan¬≠ce Forum sind dar¬≠√ľber hin¬≠aus eine gute Gele¬≠gen¬≠heit, um die eige¬≠ne Bub¬≠ble ein wenig zu ver¬≠las¬≠sen und die Per¬≠spek¬≠ti¬≠ven sehr ver¬≠schie¬≠de¬≠ner Men¬≠schen ken¬≠nen¬≠zu¬≠ler¬≠nen und zu ver¬≠glei¬≠chen. Die¬≠se sind h√§u¬≠fig deut¬≠lich unter¬≠schied¬≠li¬≠cher, als man sich es vor¬≠stellt: Betrach¬≠ten wir mal die Idee des digi¬≠ta¬≠len Archivs.

Zumin¬≠dest in west¬≠li¬≠chen L√§n¬≠dern wird dem Inter¬≠net die gro¬≠√üe F√§hig¬≠keit zuge¬≠spro¬≠chen, auf nie dage¬≠we¬≠se¬≠ne Art und Wei¬≠se Wei¬≠se Kul¬≠tur archi¬≠vie¬≠ren zu k√∂n¬≠nen. Archi‚Äčve‚Äč.org, Wiki¬≠pe¬≠dia und hun¬≠der¬≠te ande¬≠re Pro¬≠jek¬≠te ver¬≠su¬≠chen, das kol¬≠lek¬≠ti¬≠ve Ged√§cht¬≠nis der Men¬≠schen digi¬≠tal abzu¬≠bil¬≠den. F√ľr die Mao¬≠ri, die indi¬≠ge¬≠ne Bev√∂l¬≠ke¬≠rung Neu¬≠see¬≠lands, bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se ist die Geschich¬≠te einer Com¬≠mu¬≠ni¬≠ty jedoch ein kol¬≠lek¬≠ti¬≠ves Eigen¬≠tum, das ihnen nicht durch Digi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠rung ent¬≠ris¬≠sen wer¬≠den darf. Mao¬≠ri steu¬≠ern Zugriff auf ihre Geschich¬≠te und ihr Wis¬≠sen sehr bewusst und pr√§¬≠zi¬≠se, und vor allem tun sie das als Grup¬≠pe: So k√∂nn¬≠te eine ein¬≠zel¬≠ne Per¬≠son gar nicht ein¬≠wil¬≠li¬≠gen, z.B. einen spe¬≠zi¬≠el¬≠len Tanz, ein Ritu¬≠al oder sogar sei¬≠ne eige¬≠ne Fami¬≠li¬≠en¬≠ge¬≠schich¬≠te als Video oder Text zu digi¬≠ta¬≠li¬≠sie¬≠ren, weil f√ľr Mao¬≠ri eben die gemein¬≠sa¬≠men Ritua¬≠le und sogar die Fami¬≠li¬≠en¬≠ge¬≠schich¬≠te einer Per¬≠son Aus¬≠druck und Teil der lan¬≠gen Geschich¬≠te der Com¬≠mu¬≠ni¬≠ty sind und damit nur als gan¬≠zes, kol¬≠lek¬≠tiv beses¬≠se¬≠nes gedacht wer¬≠den kann. Erst wenn der Stamm ein¬≠wil¬≠lig¬≠te, w√§re die Hand¬≠lung des Indi¬≠vi¬≠du¬≠ums abge¬≠seg¬≠net. Aus die¬≠ser Pr√§¬≠mis¬≠se erwach¬≠sen nat√ľr¬≠lich auch f√ľr sozia¬≠le Netz¬≠wer¬≠ke ganz ande¬≠re Anspr√ľ¬≠che als das Men¬≠schen aus Deutsch¬≠land typi¬≠scher¬≠wei¬≠se h√§tten.

Die¬≠se Unter¬≠schie¬≠de zu sam¬≠meln, ver¬≠st√§nd¬≠lich und sicht¬≠bar zu machen, wird ein wich¬≠ti¬≠ger Schritt auf dem Weg zu einem demo¬≠kra¬≠ti¬≠schen Face¬≠book sein. Ein Face¬≠book, das sich nicht durch die Durch¬≠set¬≠zung einer hege¬≠mo¬≠ni¬≠schen Welt¬≠sicht defi¬≠niert, son¬≠dern allen Nutzer*innen und ihren Bed√ľrf¬≠nis¬≠sen gerecht wer¬≠den will. 

Die drit¬≠te Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠rung ist die Defi¬≠ni¬≠ti¬≠on einer ‚Äč‚ÄěFace¬≠book-Ver¬≠fas¬≠sung‚Äú, die sich vor allem damit besch√§f¬≠tigt, wie in einem demo¬≠kra¬≠ti¬≠sier¬≠tem Face¬≠book Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen getrof¬≠fen wer¬≠den k√∂n¬≠nen, ohne dass sich bestimm¬≠te Grup¬≠pen allein auf¬≠grund ihrer Gr√∂¬≠√üe durch¬≠set¬≠zen und ohne dabei die gro¬≠√üe Hete¬≠ro¬≠ge¬≠ni¬≠t√§t kul¬≠tu¬≠rel¬≠ler Wer¬≠te und Regeln auf eine Aus¬≠pr√§¬≠gung her¬≠un¬≠ter¬≠bre¬≠chen zu m√ľs¬≠sen. Wel¬≠che Grund¬≠s√§t¬≠ze m√ľss¬≠te ein sol¬≠cher Raum haben? Wie kann die Ver¬≠fas¬≠sung eines digi¬≠ta¬≠len Rau¬≠mes sich mit neu¬≠en Nut¬≠zungs¬≠mus¬≠tern ver¬≠√§n¬≠dern? Wie kann eine Ver¬≠fas¬≠sung so unter¬≠schied¬≠li¬≠che Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen wie unse¬≠re west¬≠li¬≠chen und bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se die der oben beschrie¬≠be¬≠nen Mao¬≠ri gemein¬≠sam abde¬≠cken? Kann ein Doku¬≠ment das √ľber¬≠haupt leis¬≠ten und wenn nicht, wie m√ľss¬≠te man so ein Regel¬≠werk strukturieren?

Inspi¬≠ra¬≠ti¬≠on lie¬≠fer¬≠te der Staat Island nach dem Finanz¬≠crash 2008, als eine lin¬≠ke Regie¬≠rung mit dem Ziel ange¬≠tre¬≠ten war, die Ver¬≠fas¬≠sungs¬≠grund¬≠la¬≠ge unter dem Ein¬≠druck der Kri¬≠se neu zu schrei¬≠ben. Die Isl√§nder*innen w√§hl¬≠ten 25 Per¬≠so¬≠nen, die anschlie¬≠√üend einen Ver¬≠fas¬≠sungs¬≠vor¬≠schlag aus¬≠ar¬≠bei¬≠te¬≠ten und der Bev√∂l¬≠ke¬≠rung zur Abstim¬≠mung stell¬≠ten. Obwohl die Bev√∂l¬≠ke¬≠rung den Ent¬≠wurf mit gro¬≠√üer Mehr¬≠heit ange¬≠nom¬≠men hat¬≠te, schaff¬≠te er es nicht durchs Par¬≠la¬≠ment. Trotz¬≠dem k√∂n¬≠nen die¬≠ser Pro¬≠zess und die Gedan¬≠ken als Inspi¬≠ra¬≠ti¬≠on f√ľr die Ent¬≠wick¬≠lung eines Grund¬≠satz¬≠do¬≠ku¬≠men¬≠tes einer Face¬≠book-Repu¬≠blik dienen. 

Dar¬≠√ľber hin¬≠aus bie¬≠tet Face¬≠book selbst, so wie es heu¬≠te funk¬≠tio¬≠niert und von vie¬≠len Men¬≠schen genutzt wird, Werk¬≠zeu¬≠ge an, mit denen man vie¬≠le der hier ange¬≠ris¬≠se¬≠nen Ide¬≠en auf glo¬≠ba¬≠ler Ebe¬≠ne tes¬≠ten kann: Ich spre¬≠che ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re von Face¬≠book-Grup¬≠pen.

In Grup¬≠pen (erst geschlos¬≠sen und sp√§¬≠ter auch offen) k√∂n¬≠nen neue Kon¬≠sens¬≠fin¬≠dungs¬≠me¬≠cha¬≠nis¬≠men eva¬≠lu¬≠iert wer¬≠den. Und zwar direkt bezo¬≠gen auf ihre Taug¬≠lich¬≠keit f√ľr die unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Bed√ľrf¬≠nis¬≠se der Nutzer*innen. F√ľr einen Test k√∂nn¬≠te ein neu¬≠es Ver¬≠fah¬≠ren doku¬≠men¬≠tiert wer¬≠den und es wer¬≠den ver¬≠trau¬≠ens¬≠w√ľr¬≠di¬≠ge Per¬≠so¬≠nen zu Administrator*innen gew√§hlt, die sich nur um die Ein¬≠hal¬≠tung der Ver¬≠hal¬≠tens¬≠re¬≠geln und die evtl. Umset¬≠zung der Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen (L√∂schung eines Posts, Sank¬≠tio¬≠nie¬≠rung einer Per¬≠son) k√ľm¬≠mern. So las¬≠sen sich auch sehr wenig hier¬≠ar¬≠chi¬≠sche Ent¬≠schei¬≠dungs¬≠pro¬≠zes¬≠se im ‚Äč‚Äěpoli¬≠ti¬≠schen Nicht¬≠schwim¬≠mer¬≠be¬≠cken‚Äú anhand kon¬≠kre¬≠ter Fra¬≠gen und Kon¬≠flik¬≠te tes¬≠ten und die Belast¬≠bar¬≠keit der ent¬≠wi¬≠ckel¬≠ten Ide¬≠en illus¬≠trie¬≠ren. Vie¬≠le der oben ange¬≠ris¬≠se¬≠nen Fra¬≠gen selbst, zum Bei¬≠spiel die Dis¬≠kus¬≠si¬≠on von Nor¬≠men oder einer ‚Äč‚ÄěFace¬≠book-Ver¬≠fas¬≠sung‚Äú, eig¬≠nen sich dazu ideal.

Auch unge¬≠w√∂hn¬≠li¬≠che ‚Äč‚ÄěRegie¬≠rungs¬≠for¬≠men‚Äú k√∂n¬≠nen hier ziem¬≠lich unge¬≠f√§hr¬≠lich mit Men¬≠schen unter¬≠schied¬≠lichs¬≠ter Hin¬≠ter¬≠gr√ľn¬≠de aus¬≠pro¬≠biert wer¬≠den: War¬≠um nicht mal mit der ‚Äč‚ÄěR√§te¬≠re¬≠pu¬≠blik Face¬≠book‚Äú expe¬≠ri¬≠men¬≠tie¬≠ren? Unter¬≠schied¬≠li¬≠che Grup¬≠pen k√∂nn¬≠ten ihre Ver¬≠tre¬≠ten¬≠den in den ‚Äč‚ÄěRat‚Äú (eine eige¬≠ne Grup¬≠pe, in der alle Lesen, aber nur die Gew√§hl¬≠ten schreiben/‚Äčdiskutieren k√∂n¬≠nen) schi¬≠cken. In R√§te¬≠re¬≠pu¬≠bli¬≠ken sind Man¬≠da¬≠te impe¬≠ra¬≠tiv, d.h. Gew√§hl¬≠te m√ľs¬≠sen so ent¬≠schei¬≠den, wie ihre W√§h¬≠len¬≠den ihnen das auf¬≠ge¬≠tra¬≠gen haben. Gleich¬≠zei¬≠tig sind in R√§te¬≠re¬≠pu¬≠bli¬≠ken die Gewal¬≠ten von Exe¬≠ku¬≠ti¬≠ve, Judi¬≠ka¬≠ti¬≠ve und Legis¬≠la¬≠ti¬≠ve nicht getrennt, alles wird immer auf der n√§chst¬≠h√∂¬≠he¬≠ren Ebe¬≠ne (trans¬≠pa¬≠rent, weil alle am Expe¬≠ri¬≠ment teil¬≠neh¬≠men¬≠den mit¬≠le¬≠sen k√∂n¬≠nen) ent¬≠schie¬≠den. Wie gut klappt auf die¬≠sem Wege eine Ent¬≠schei¬≠dungs¬≠fin¬≠dung z.B. dar¬≠√ľber, ob ein bestimm¬≠ter Post die Regeln ver¬≠letzt oder ob eine Regel, nach der bis¬≠her gelebt wird, ge√§n¬≠dert wer¬≠den soll, ob eine Per¬≠son sank¬≠tio¬≠niert wer¬≠den soll? Wel¬≠che neu¬≠en Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠run¬≠gen stel¬≠len sich?

Free­dom

Auf den Sturm auf die Bas¬≠til¬≠le 1789 folg¬≠te die blu¬≠ti¬≠ge Fran¬≠z√∂¬≠si¬≠sche Revo¬≠lu¬≠ti¬≠on, die Abschaf¬≠fung der Mon¬≠ar¬≠chie und Jah¬≠re des Krie¬≠ges und der Dik¬≠ta¬≠tur. Es dau¬≠ert lan¬≠ge, bis sich im Span¬≠nungs¬≠feld von Eman¬≠zi¬≠pa¬≠ti¬≠on und Auto¬≠ri¬≠ta¬≠ris¬≠mus eine Demo¬≠kra¬≠tie durch¬≠set¬≠zen konn¬≠te. Der Pro¬≠zess h√∂rt nie auf. 

Die Dis¬≠kus¬≠sio¬≠nen um das ‚Äč‚ÄěPro¬≠blem Face¬≠book‚Äú sind in der Brei¬≠te lei¬≠der noch nicht auf der poli¬≠ti¬≠schen Ebe¬≠ne ange¬≠kom¬≠men, son¬≠dern ver¬≠blei¬≠ben zumeist auf der wirt¬≠schaft¬≠li¬≠chen. Doch um den legi¬≠ti¬≠men For¬≠de¬≠run¬≠gen der Nutzer*innen nach Ver¬≠√§n¬≠de¬≠rung nach¬≠zu¬≠kom¬≠men, wird das nicht rei¬≠chen. Eine der wich¬≠tigs¬≠ten Fra¬≠gen der n√§chs¬≠ten Mona¬≠te und Jah¬≠re wird es sein, wie wir den Wech¬≠sel zu einer Demo¬≠kra¬≠tie im ‚Äč‚ÄěStaa¬≠te‚Äú Face¬≠book hin¬≠be¬≠kom¬≠men, wie wir sol¬≠che staats¬≠√§hn¬≠li¬≠chen Struk¬≠tu¬≠ren online auf demo¬≠kra¬≠ti¬≠schen Prin¬≠zi¬≠pi¬≠en auf¬≠bau¬≠en und wie wir Nutzer*innen unse¬≠re Frei¬≠heits- und Teil¬≠ha¬≠be¬≠rech¬≠te an der digi¬≠ta¬≠len √Ėffent¬≠lich¬≠keit ergrei¬≠fen k√∂nnen. 

Und das Gan¬≠ze m√∂g¬≠lichst ohne Guillotinen.