Was w√§re, wenn St√§dte gut f√ľr das Klima w√§ren?

Das kon­stan­te Provisorium

St√§d¬≠te sind Orte des Wan¬≠dels. Die sozi¬≠al-√∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠sche Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠on muss daher im Urba¬≠nen flui¬≠de und wie¬≠der¬≠ver¬≠wert¬≠ba¬≠re L√∂sun¬≠gen auf¬≠grei¬≠fen, f√ľr die sich welt¬≠weit Bei¬≠spie¬≠le fin¬≠den lassen.

Eine riesige Stadt aus großen und kleineren Zelten, die von einem Fluß im Vordergrund bis zum Horizont reicht.
Zum hinduistischen Pilgerfest Kumbh Mela kamen in Allahabad im Fr√ľhjahr 2019 rund 150 Millionen Menschen zusammen. F√ľr sie wurde eine gigantische tempor√§re Stadt geschaffen. | Foto: Ninara, CC-BY 2.0

Die Kli¬≠ma¬≠kri¬≠se droht nicht, sie ist l√§ngst da: Das ant¬≠ark¬≠ti¬≠sche Eis¬≠schild schmilzt, in Sibi¬≠ri¬≠en und Alas¬≠ka bren¬≠nen die W√§l¬≠der und Hit¬≠ze¬≠s¬≠om¬≠mer, D√ľr¬≠ren und Stark¬≠re¬≠gen sind das neue Nor¬≠mal. Kein Wun¬≠der, dass uns Gre¬≠ta Thun¬≠berg in den Panik¬≠mo¬≠dus ver¬≠setzt, denn ihre Genera¬≠ti¬≠on wird in einer sol¬≠chen Welt nicht leben k√∂n¬≠nen. Bis zur Mit¬≠te des Jahr¬≠hun¬≠derts wer¬≠den t√§g¬≠lich welt¬≠weit wei¬≠te¬≠re 2,5 Mil¬≠lio¬≠nen Men¬≠schen in die St√§d¬≠te zie¬≠hen, wo 80 Pro¬≠zent der glo¬≠ba¬≠len Wirt¬≠schafts¬≠leis¬≠tung und 70 Pro¬≠zent der ener¬≠gie¬≠be¬≠ding¬≠ten CO2-Emis¬≠sio¬≠nen ent¬≠ste¬≠hen. F√ľr die¬≠se Men¬≠schen wer¬≠den wir gewal¬≠ti¬≠ge st√§d¬≠ti¬≠sche Infra¬≠struk¬≠tu¬≠ren bau¬≠en, und tun wir das wie bis¬≠her aus Zement, Stahl und Alu¬≠mi¬≠ni¬≠um, w√ľr¬≠de allein daf√ľr ein Drit¬≠tel des gesam¬≠ten zur Ver¬≠f√ľ¬≠gung ste¬≠hen¬≠den CO2-Bud¬≠gets bis 2050 verbraucht.

Die Umge¬≠stal¬≠tung der St√§d¬≠te wird damit zum Hebel der Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠on ins post-fos¬≠si¬≠le Zeit¬≠al¬≠ter, in dem wir Wachs¬≠tum und Wohl¬≠stand vom Natur- und Res¬≠sour¬≠cen¬≠ver¬≠brauch ent¬≠kop¬≠peln und CO2-Emis¬≠sio¬≠nen bis 2050 auf ‚Äč‚ÄúNet¬≠to Null‚ÄĚ redu¬≠zie¬≠ren. Mit wel¬≠chen Stra¬≠te¬≠gi¬≠en wir die¬≠se Zie¬≠le errei¬≠chen, dar¬≠√ľber wird gestrit¬≠ten, mit gro¬≠√üem Eifer und bis¬≠her recht klein¬≠tei¬≠lig, vor allem aber unter der Annah¬≠me, als w√ľss¬≠ten wir, was zuk√ľnf¬≠tig mach¬≠bar und zu tun sei.

In den Metro¬≠po¬≠len Asi¬≠ens und Afri¬≠kas wer¬≠den wir urba¬≠ne Infra¬≠struk¬≠tur f√ľr Mobi¬≠li¬≠t√§t, Woh¬≠nen und Arbei¬≠ten neu bau¬≠en m√ľs¬≠sen, in den St√§d¬≠ten der Indus¬≠trie¬≠l√§n¬≠der die¬≠se eher zur√ľck¬≠bau¬≠en. In bei¬≠den F√§l¬≠len muss das Tem¬≠po¬≠r√§¬≠re und Ver¬≠√§n¬≠der¬≠ba¬≠re zum Kon¬≠struk¬≠ti¬≠ons¬≠ele¬≠ment lebens¬≠wer¬≠ter Zuk√ľnf¬≠te einer hyper¬≠mo¬≠bi¬≠len Gesell¬≠schaft wer¬≠den. Denn die Mensch¬≠heit w√§chst hier und schrumpft dort, wan¬≠delt sich und wan¬≠dert und erfin¬≠det neue For¬≠men von Woh¬≠nen und Mobi¬≠li¬≠t√§t: kurz¬≠um, alles wird anders und ver¬≠√§n¬≠dert sich kontinuierlich.

Alexander Carius

Alex¬≠an¬≠der Cari¬≠us ist Vor¬≠stand und Mit¬≠be¬≠gr√ľn¬≠der der Initia¬≠ti¬≠ve Offe¬≠ne Gesell¬≠schaft und Gr√ľn¬≠der und Gesch√§fts¬≠f√ľh¬≠rer der Denk¬≠fa¬≠brik adel¬≠phi.

Der holp­ri­ge Start ins post-fos­si­le Zeitalter

Der Weg ins post-fos¬≠si¬≠le Zeit¬≠al¬≠ter ver¬≠l√§uft alles ande¬≠re als line¬≠ar. Denn was wir an Emis¬≠sio¬≠nen durch kli¬≠ma¬≠po¬≠li¬≠ti¬≠sche Ma√ü¬≠nah¬≠men ein¬≠spa¬≠ren wird wachs¬≠tums¬≠be¬≠dingt auf¬≠ge¬≠fres¬≠sen. Elek¬≠trisch betrie¬≠be¬≠ne Autos ver¬≠dr√§n¬≠gen noch kei¬≠ne Ver¬≠bren¬≠nungs¬≠mo¬≠to¬≠ren, son¬≠dern die¬≠nen eher als Zweit¬≠wa¬≠gen derer, die sich die¬≠se teu¬≠ren Vehi¬≠kel leis¬≠ten k√∂n¬≠nen. Ver¬≠netz¬≠te Mobi¬≠li¬≠t√§t ist irgend¬≠wie √Ėko¬≠to¬≠pia, lie¬≠fert aber auch die Daten f√ľr immer mehr √úber¬≠wa¬≠chung. Bio¬≠kraft¬≠stof¬≠fe in Euro¬≠pa ver¬≠knap¬≠pen Agrar¬≠fl√§¬≠chen im glo¬≠ba¬≠len S√ľden, der High-Line Park in Man¬≠hat¬≠tan ver¬≠st√§rkt die Hyper¬≠gen¬≠tri¬≠fi¬≠zie¬≠rung in New York und mit der Idee einer Luft¬≠ma¬≠trat¬≠ze f√ľr Freun¬≠de treibt Airb¬≠nb Bewoh¬≠ne¬≠rin¬≠nen und Bewoh¬≠ner aus ihren Kie¬≠zen und die Mie¬≠ten in die H√∂he. Ange¬≠sichts die¬≠ser Wider¬≠spr√ľ¬≠che und beschr√§nk¬≠ter poli¬≠ti¬≠scher Steue¬≠rungs¬≠f√§¬≠hig¬≠keit erschei¬≠nen die Ambi¬≠tio¬≠nen des trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠ven Wan¬≠dels eini¬≠ger¬≠ma¬≠√üen gro¬≠tesk. Pro¬≠blem¬≠l√∂¬≠sun¬≠gen ver¬≠ren¬≠nen sich in der Unend¬≠lich¬≠keit der Pro¬≠ble¬≠me und wer¬≠den zum patho¬≠lo¬≠gi¬≠schen Zustand auf der Suche nach dem Weg in eine sozi¬≠al-√∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠sche Zukunft. Die Ent¬≠wick¬≠lung einer post-fos¬≠si¬≠len urba¬≠nen Gesell¬≠schaft wird daher zum einen unter den Bedin¬≠gun¬≠gen von Unsi¬≠cher¬≠heit ver¬≠st√§rkt in den Modus des Tem¬≠po¬≠r√§¬≠ren wech¬≠seln m√ľs¬≠sen, der mit Kurs¬≠kor¬≠rek¬≠tu¬≠ren und Wider¬≠spr√ľ¬≠chen umzu¬≠ge¬≠hen lernt und √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠sche und sozia¬≠le Not¬≠wen¬≠dig¬≠kei¬≠ten st√§r¬≠ker reflek¬≠tiert; zum ande¬≠ren aber im Fle¬≠xi¬≠blen und Wan¬≠del¬≠ba¬≠ren die M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten von Syn¬≠er¬≠gi¬≠en und Res¬≠sour¬≠cen¬≠ef¬≠fi¬≠zi¬≠enz fin¬≠den. Sie¬≠ben Bei¬≠spie¬≠le sol¬≠len dies aufzeigen.

1. Recon¬≠quis¬≠ta geschlos¬≠se¬≠ner R√§ume

Kopen¬≠ha¬≠gen wur¬≠de zum Mek¬≠ka einer fahr¬≠rad¬≠ge¬≠rech¬≠ten Stadt, Paris star¬≠tet die R√ľck¬≠erobe¬≠rung geschlos¬≠se¬≠ner R√§u¬≠me f√ľr Fu√ü¬≠g√§n¬≠ge¬≠rin¬≠nen und Fla¬≠neu¬≠re und macht Stadt¬≠au¬≠to¬≠bah¬≠nen an der Sei¬≠ne zu urba¬≠nen Strand¬≠pro¬≠me¬≠na¬≠den und Ams¬≠ter¬≠dam hat gera¬≠de damit begon¬≠nen, 10.000 Park¬≠pl√§t¬≠ze in G√§r¬≠ten und Gr√ľn¬≠fl√§¬≠chen zu ver¬≠wan¬≠deln um √∂ffent¬≠li¬≠chem Leben wie¬≠der Raum zu geben.

Vor zehn Jah¬≠ren hat die New Yor¬≠ker Stadt¬≠de¬≠zer¬≠nen¬≠tin Janet¬≠te Sadik-Khan mit einer Gue¬≠ril¬≠la-Tak¬≠tik begon¬≠nen, den Times Squa¬≠re in eine Fu√ü¬≠g√§n¬≠ger¬≠zo¬≠ne zu ver¬≠wan¬≠deln. Ein paar Eimer Far¬≠be und Klapp¬≠st√ľh¬≠le reich¬≠ten zur Mar¬≠kie¬≠rung einer ver¬≠kehrs¬≠be¬≠ru¬≠hig¬≠ten Zone, um tem¬≠po¬≠r√§r den Auto¬≠ver¬≠kehr aus dem tou¬≠ris¬≠ti¬≠schen Hot¬≠spot zu ver¬≠ban¬≠nen. Die anfangs skep¬≠ti¬≠schen Gewer¬≠be¬≠trei¬≠ben¬≠den waren √ľber¬≠rascht vom stei¬≠gen¬≠den Umsatz, denn die Men¬≠schen blie¬≠ben zum Ver¬≠wei¬≠len in Caf√©s, Restau¬≠rants und Gesch√§f¬≠ten. Was damals ein Ver¬≠such war, jeder¬≠zeit mit wenig Auf¬≠wand und Kos¬≠ten umkehr¬≠bar, erwies sich als gesell¬≠schaft¬≠lich akzep¬≠ta¬≠bel. Mit der glei¬≠chen Metho¬≠de wur¬≠den Schnell¬≠stra¬≠√üen in Fahr¬≠rad¬≠we¬≠ge ver¬≠wan¬≠delt, die heu¬≠te einen 100 km lan¬≠gen Ring um Man¬≠hat¬≠tan bilden.

Seit 40 Jah¬≠ren fin¬≠det auf Bogo¬≠t√°s gr√∂√ü¬≠ter Ver¬≠kehrs¬≠ader jeden Sonn¬≠tag die Ciclo¬≠via statt. Was als loka¬≠les Rad¬≠ren¬≠nen begann, ent¬≠wi¬≠ckel¬≠te sich zum sonn¬≠t√§g¬≠li¬≠chen Volks¬≠fest auf R√§dern, zu einem √∂ffent¬≠li¬≠chen Raum des Fla¬≠nie¬≠rens, der Fes¬≠te, Kunst und Musik. Bogo¬≠t√° ist heu¬≠te das role model Latein¬≠ame¬≠ri¬≠kas, mit Hun¬≠der¬≠ten Kilo¬≠me¬≠tern Rad¬≠we¬≠gen, aus¬≠ge¬≠bau¬≠ten Geh¬≠we¬≠gen, ver¬≠kehrs¬≠be¬≠ru¬≠hig¬≠ten Stra¬≠√üen, √∂ffent¬≠li¬≠chen Parks und Gr√ľnanlagen.

2. Mul­ti­ple Nut­zung urba­ner Infrastruktur

B√ľro¬≠ge¬≠b√§u¬≠de in Innen¬≠st√§d¬≠ten wer¬≠den nur ein Drit¬≠tel der Tages- und Nacht¬≠zeit genutzt, Au√üer¬≠halb der Arbeits¬≠zei¬≠ten ste¬≠hen die¬≠se teu¬≠ren Innen¬≠stadt¬≠fl√§¬≠chen leer. W√ľr¬≠den wir die¬≠se B√ľro¬≠fl√§¬≠chen viel¬≠sei¬≠tig nut¬≠zen, lie¬≠√üen sich zwei Drit¬≠tel der Geb√§u¬≠de ein¬≠spa¬≠ren. War¬≠um gestal¬≠ten wir nicht Ver¬≠wal¬≠tungs¬≠ge¬≠b√§u¬≠de und Nie¬≠der¬≠las¬≠sun¬≠gen von Ban¬≠ken, Ver¬≠si¬≠che¬≠run¬≠gen, Kran¬≠ken¬≠kas¬≠sen und Kon¬≠zer¬≠nen so, dass ein Gro√ü¬≠teil die¬≠ser Fl√§¬≠chen von B√ľr¬≠ge¬≠rin¬≠nen und B√ľr¬≠gern genutzt wer¬≠den k√∂n¬≠nen? Abends von finanz¬≠schwa¬≠chen ana¬≠lo¬≠gen sozia¬≠len Initia¬≠ti¬≠ven oder nachts und an Wochen¬≠en¬≠den von Start-Ups, K√ľnst¬≠lern oder Stu¬≠den¬≠ten? Mit sol¬≠chen mul¬≠ti¬≠plen Nut¬≠zungs¬≠mo¬≠del¬≠len sinkt der Bedarf an teu¬≠ren B√ľro¬≠fl√§¬≠chen in Innen¬≠stadt¬≠la¬≠gen, wer¬≠den immense Res¬≠sour¬≠cen gespart und Gesch√§fts¬≠vier¬≠tel belebt.

3. Rena­tu­rie­rung der Innenstädte

Die Rena¬≠tu¬≠rie¬≠rung ver¬≠sie¬≠gel¬≠ter Fl√§¬≠chen an den Ufern von Sei¬≠ne, Them¬≠se, Rhein oder dem Z√ľrich See schafft urba¬≠ne Natur¬≠r√§u¬≠me zur K√ľh¬≠lung der Gew√§s¬≠ser, Ver¬≠bes¬≠se¬≠rung des Stadt¬≠kli¬≠mas sowie Erho¬≠lung und Begeg¬≠nung. Die Stadt¬≠ge¬≠sell¬≠schaft bekommt das zur√ľck, um das her¬≠um St√§d¬≠te gebaut wur¬≠den: Natur. Was heu¬≠te Teil natur¬≠be¬≠zo¬≠ge¬≠ner Stadt¬≠pla¬≠nung moder¬≠ner Metro¬≠po¬≠len ist, wur¬≠de seit den 1970er Jah¬≠ren in Lon¬≠don und New York erprobt. Klein¬≠r√§u¬≠mig, ehren¬≠amt¬≠lich und sub¬≠ver¬≠siv wur¬≠den quer √ľber die Stadt Gr√§¬≠ser ges√§t und Str√§u¬≠cher gepflanzt und damit √∂ffent¬≠li¬≠che Fl√§¬≠chen in Besitz genom¬≠men und Natur in der Stadt wie¬≠der erfahr¬≠bar gemacht. Urban Far¬≠ming im Klein¬≠gar¬≠ten¬≠for¬≠mat auf D√§chern, in Parks und an Fas¬≠sa¬≠den sind Teil einer welt¬≠wei¬≠ten Gue¬≠ril¬≠la-Bewe¬≠gung, poli¬≠ti¬≠sche State¬≠ments und Sozi¬≠al¬≠pro¬≠jek¬≠te zur R√ľck¬≠erobe¬≠rung des √∂ffent¬≠li¬≠chen Rau¬≠mes, in denen das statt¬≠fin¬≠den kann, was st√§d¬≠ti¬≠sches Leben aus¬≠macht: Gemeinwesen.

4. Bewal­dung der Städte

Der ita¬≠lie¬≠ni¬≠sche Archi¬≠tekt Ste¬≠fa¬≠no Boe¬≠ri bau¬≠te im Arbei¬≠ter¬≠wohn¬≠vier¬≠tel Por¬≠ta Nuo¬≠va im Nor¬≠den Mai¬≠lands den bosco ver¬≠ti¬≠ca¬≠le, einen in zwei Hoch¬≠h√§u¬≠ser inte¬≠grier¬≠ten Wald. Die Bepflan¬≠zung der T√ľr¬≠me schafft Lebens- und Nah¬≠rungs¬≠r√§u¬≠me f√ľr Insek¬≠ten und V√∂gel, k√ľhlt Woh¬≠nun¬≠gen, sch√ľtzt vor L√§rm und Staub und ist Teil eines st√§d¬≠ti¬≠schen Bio¬≠top¬≠sys¬≠tems. Vor allem aber sen¬≠si¬≠bi¬≠li¬≠siert die¬≠se Archi¬≠tek¬≠tur ihre Bewoh¬≠ner und Pas¬≠san¬≠ten f√ľr den Bezug zwi¬≠schen Natur und Stadt. In Paris wer¬≠den Fas¬≠sa¬≠den und Haus¬≠d√§¬≠cher begr√ľnt und Stadt¬≠w√§l¬≠der geschaf¬≠fen. W√§l¬≠der inmit¬≠ten von euro¬≠p√§i¬≠schen Metro¬≠po¬≠len wie der Mon¬≠s¬≠an¬≠to in Lis¬≠sa¬≠bon, der Gru¬≠ne¬≠wald in Ber¬≠lin oder der Wie¬≠ner Pra¬≠ter mit sei¬≠nen Auen¬≠land¬≠schaf¬≠ten sind nat√ľr¬≠li¬≠che Kli¬≠ma¬≠an¬≠la¬≠gen und Ruhe‚ÄĎ, Erho¬≠lungs- und Erfah¬≠rungs¬≠r√§u¬≠me lebens¬≠wer¬≠ter St√§dte.

5. Tem¬≠po¬≠r√§¬≠res Bauen

Der ita¬≠lie¬≠ni¬≠sche Futu¬≠rist Anto¬≠nio San¬≠t‚ÄôE¬≠lia hat Anfang des 20. Jahr¬≠hun¬≠derts in sei¬≠nem Mani¬≠fest zur futu¬≠ris¬≠ti¬≠schen Archi¬≠tek¬≠tur die Idee tem¬≠po¬≠r√§¬≠rer Bau¬≠ten for¬≠mu¬≠liert, die dem Ewig¬≠keits¬≠an¬≠spruch tra¬≠di¬≠tio¬≠nel¬≠ler Archi¬≠tek¬≠tur ent¬≠ge¬≠gen¬≠tritt. Die¬≠ser Anspruch des ephe¬≠me¬≠ren Bau¬≠ens, also auf¬≠zu¬≠ge¬≠ben, was wir heu¬≠te wis¬≠sen oder glaub¬≠ten zu wis¬≠sen was mor¬≠gen g√ľl¬≠tig ist, ist eine Grund¬≠be¬≠din¬≠gung des Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠ons¬≠mo¬≠dus. Denn in der Gr√ľn¬≠der¬≠zeit des post-fos¬≠si¬≠len Zeit¬≠al¬≠ters wer¬≠den wir mit √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Bau¬≠ma¬≠te¬≠ria¬≠li¬≠en und bau¬≠kon¬≠struk¬≠ti¬≠ven L√∂sun¬≠gen expe¬≠ri¬≠men¬≠tie¬≠ren und uns durch tem¬≠po¬≠r√§¬≠re und wan¬≠del¬≠ba¬≠re Infra¬≠struk¬≠tur sich ver¬≠√§n¬≠dern¬≠den gesell¬≠schaft¬≠li¬≠chen Bedin¬≠gun¬≠gen und Erwar¬≠tun¬≠gen anpas¬≠sen. Tem¬≠po¬≠r√§¬≠res Bau¬≠en, so der Archi¬≠tekt Tho¬≠mas Schie¬≠fers, ist der ‚Äč‚ÄúGrad¬≠mes¬≠ser f√ľr die Trag¬≠f√§¬≠hig¬≠keit visio¬≠n√§¬≠rer Ide¬≠en‚ÄĚ, wodurch sich Pl√§t¬≠ze zu ‚Äč‚ÄúOrten kal¬≠ku¬≠liert pro¬≠vo¬≠zier¬≠ter Aus¬≠nah¬≠me¬≠zu¬≠st√§n¬≠de [‚Ķ], Simu¬≠la¬≠ti¬≠on einer m√∂g¬≠li¬≠chen neu¬≠en Wirk¬≠lich¬≠keit [‚Ķ], des risi¬≠ko¬≠lo¬≠sen Aben¬≠teu¬≠ers sowie m√∂g¬≠li¬≠cher Grenz¬≠erfah¬≠run¬≠gen und Par¬≠ti¬≠zi¬≠pa¬≠ti¬≠on verwandeln.‚ÄĚ

6. Flui¬≠de Gover¬≠nan¬≠ce f√ľr tem¬≠po¬≠r√§¬≠ren Urbanismus

Den Umgang mit Aus¬≠nah¬≠me¬≠zu¬≠st√§n¬≠den und dem Unfer¬≠ti¬≠gen und Imper¬≠fek¬≠ten unter¬≠such¬≠te der indi¬≠sche Archi¬≠tekt und Har¬≠vard-Pro¬≠fes¬≠sor Rahul Mehro¬≠tra in sei¬≠nem 2013 erschie¬≠ne¬≠nen Buch ‚Äč‚ÄěMap¬≠ping the Ephe¬≠meral Mega City‚Äú am Bei¬≠spiel von Kumbh Mela, dem gr√∂√ü¬≠ten hin¬≠du¬≠is¬≠ti¬≠schen Pil¬≠ger¬≠fest im nord¬≠in¬≠di¬≠schen Staat Uttar Pra¬≠desh. Alle zw√∂lf Jah¬≠re kom¬≠men in Alla¬≠h¬≠a¬≠bad an den Ufern der hei¬≠li¬≠gen Fl√ľs¬≠se Gan¬≠ges, Yamu¬≠na und Saras¬≠wa¬≠ti Mil¬≠lio¬≠nen Gl√§u¬≠bi¬≠ge und Besu¬≠cher zusam¬≠men, in die¬≠sem Fr√ľh¬≠jahr 150 Mil¬≠lio¬≠nen Men¬≠schen. F√ľr das gut sechs¬≠w√∂¬≠chi¬≠ge Hin¬≠du-Fest wird auf 35 Qua¬≠drat¬≠ki¬≠lo¬≠me¬≠tern eine Zelt¬≠stadt, drei Mal so gro√ü wie Man¬≠hat¬≠tan, eine kom¬≠plet¬≠te urba¬≠ne Infra¬≠struk¬≠tur, mit mehr als 120.000 Toi¬≠let¬≠ten und 20.000 M√ľll¬≠ton¬≠nen und eine fle¬≠xi¬≠ble Gover¬≠nan¬≠ce f√ľr eine tem¬≠po¬≠r√§¬≠re Stadt errich¬≠tet. Eine Stadt gebaut f√ľr kur¬≠ze Zeit, behelfs¬≠m√§¬≠√üig, auf- und abge¬≠baut aus ver¬≠wen¬≠de¬≠ten und wie¬≠der¬≠ver¬≠wert¬≠ba¬≠ren Mate¬≠ria¬≠li¬≠en. Kumbh Mela ist das Extrem des tem¬≠po¬≠r√§¬≠ren Urbanismus.

7. Die kine¬≠ti¬≠sche Stadt

In der west¬≠in¬≠di¬≠schen Metro¬≠po¬≠le Mum¬≠bai beob¬≠ach¬≠te¬≠te Mehro¬≠tra das Zusam¬≠men¬≠spiel sta¬≠ti¬≠scher, per¬≠ma¬≠nen¬≠ter urba¬≠ner Infra¬≠struk¬≠tur aus Beton, Staat, Holz und Glas mit der kine¬≠ti¬≠schen, also der beweg¬≠ten Stadt, den tem¬≠po¬≠r√§¬≠ren Struk¬≠tu¬≠ren des infor¬≠mel¬≠len Sek¬≠tors. Die kine¬≠ti¬≠sche Stadt erg√§nzt als Annex die gebau¬≠te Stadt durch tem¬≠po¬≠r√§¬≠re Behau¬≠sun¬≠gen in Arka¬≠den¬≠g√§n¬≠gen alter Geb√§u¬≠de und St√§n¬≠de f√ľr Stra¬≠√üen¬≠h√§nd¬≠ler, Pro¬≠zes¬≠sio¬≠nen und Hoch¬≠zei¬≠ten auf √∂ffent¬≠li¬≠chen Pl√§t¬≠zen. Errich¬≠tet wer¬≠den sie aus Pla¬≠nen, Stof¬≠fen, Weg¬≠ge¬≠wor¬≠fe¬≠nem und ein¬≠fa¬≠chen St√§n¬≠der¬≠wer¬≠ken. Die¬≠se unfer¬≠ti¬≠gen und rever¬≠si¬≠blen urba¬≠nen Struk¬≠tu¬≠ren, gebo¬≠ren aus Man¬≠gel, Tra¬≠di¬≠ti¬≠on und Krea¬≠ti¬≠vi¬≠t√§t, las¬≠sen sich auf die zuneh¬≠mend mobi¬≠le Gesell¬≠schaft pro¬≠ji¬≠zie¬≠ren, als tem¬≠po¬≠r√§¬≠re Unter¬≠k√ľnf¬≠te f√ľr Gefl√ľch¬≠te¬≠te und Migrant*innen, die in die St√§d¬≠te zie¬≠hen und wei¬≠ter¬≠zie¬≠hen und f√ľr sich wan¬≠deln¬≠de Funk¬≠tio¬≠nen und Nut¬≠zungs¬≠mo¬≠del¬≠le der St√§dte.

Die DNA des Infor­mel­len und Imperfekten

War¬≠um bau¬≠en und orga¬≠ni¬≠sie¬≠ren wir f√ľr eine post-fos¬≠si¬≠le Zukunft die St√§d¬≠te nicht flui¬≠der? Stadt¬≠m√∂¬≠bel als Orte des Ver¬≠wei¬≠lens und Ago¬≠ren zur kol¬≠la¬≠bo¬≠ra¬≠ti¬≠ven Pla¬≠nung und Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠on urba¬≠nen Lebens m√ľs¬≠sen nicht an fes¬≠ten Orten gebaut wer¬≠den. Sie k√∂n¬≠nen durch den Stadt¬≠raum wan¬≠dern, je nach¬≠dem, wo sie gera¬≠de gebraucht wer¬≠den. Bestands¬≠ge¬≠b√§u¬≠de k√∂n¬≠nen durch modu¬≠la¬≠re Anbau¬≠ten an Fas¬≠sa¬≠den und auf D√§chern erg√§nzt und im Bedarfs¬≠fall ab- und umge¬≠baut werden. 

Was die Ent¬≠wick¬≠lun¬≠gen die¬≠ser Metro¬≠po¬≠len gemein haben, ist die Erpro¬≠bung des Ernst¬≠falls unter den Bedin¬≠gun¬≠gen von Unsi¬≠cher¬≠heit. Sie sind kein glo¬≠ba¬≠ler Schlacht¬≠plan, der nach gesell¬≠schaft¬≠li¬≠cher und poli¬≠ti¬≠scher Legi¬≠ti¬≠mi¬≠t√§t sucht, son¬≠dern lokal und b√ľr¬≠ger¬≠schaft¬≠lich initi¬≠ier¬≠te und glo¬≠bal ska¬≠lier¬≠te Inno¬≠va¬≠tio¬≠nen. Die¬≠se Pro¬≠jek¬≠te des Gelin¬≠gens beto¬≠nen das √úber¬≠ra¬≠schen¬≠de, Unfer¬≠ti¬≠ge, Reduk¬≠ti¬≠ons¬≠ti¬≠sche und Tem¬≠po¬≠r√§¬≠re und ent¬≠ste¬≠hen nicht inner¬≠halb, son¬≠dern au√üer¬≠halb bau¬≠recht¬≠li¬≠cher und gesell¬≠schaft¬≠li¬≠cher Nor¬≠men und Regeln. In die¬≠sem Sin¬≠ne erwei¬≠tern sie Optio¬≠nen f√ľr eine sozi¬≠al-√∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠sche Trans¬≠for¬≠ma¬≠ti¬≠on jen¬≠seits von Emis¬≠si¬≠ons¬≠bud¬≠gets, abs¬≠trak¬≠ten pla¬≠ne¬≠ta¬≠ren Gren¬≠zen und sta¬≠ti¬≠schen Zukunftspolitiken.