Was wäre, wenn öffentlicher Personenverkehr kostenlos wäre?

Bewe­gungs­frei

Bil¬≠dung, Well¬≠ness, Hoch¬≠zei¬≠ten: All das k√∂nn¬≠te in Zukunft im Nah¬≠ver¬≠kehr statt¬≠fin¬≠den. Bus¬≠se und Bah¬≠nen br√§uch¬≠ten daf√ľr eine radi¬≠ka¬≠le Neuerfindung.

In Euro¬≠pa ist Mobi¬≠li¬≠t√§t f√ľr alle Men¬≠schen frei zug√§ng¬≠lich. Man muss kei¬≠ne Tickets mehr im Bus kau¬≠fen, es gibt kei¬≠ne Kon¬≠trol¬≠len in der U-Bahn mehr, nicht ein¬≠mal Zug¬≠fahr¬≠kar¬≠ten muss man noch buchen. Ich fah¬≠re an einem Sams¬≠tag¬≠mor¬≠gen von Han¬≠no¬≠ver nach Ber¬≠lin, besu¬≠che eine Aus¬≠stel¬≠lung, abends wei¬≠ter nach Ham¬≠burg, um eine Freun¬≠din zu tref¬≠fen. Ich bin in Bewe¬≠gung, neh¬≠me teil am sozia¬≠len und kul¬≠tu¬≠rel¬≠len Leben. Ohne es mir erkau¬≠fen zu m√ľs¬≠sen, ohne vor¬≠her¬≠ge¬≠hen¬≠den Tausch¬≠han¬≠del. Der Drei¬≠klang ‚Äď Arbeits¬≠kraft, Lohn, Bewe¬≠gungs¬≠m√∂g¬≠lich¬≠keit ‚Äď ist auf¬≠ge¬≠l√∂st. Ich habe die Opti¬≠on zur Mobi¬≠li¬≠t√§t ein¬≠fach so, weil es mein Recht ist, das nicht mehr an mei¬≠nen ange¬≠nom¬≠me¬≠nen Nut¬≠zen f√ľr die Markt¬≠wirt¬≠schaft gebun¬≠den ist. 

Was ich hier beschrei¬≠be, ist ein Tag¬≠traum. Ich habe die Kon¬≠troll¬≠me¬≠cha¬≠nis¬≠men ver¬≠nach¬≠l√§s¬≠sigt, die mich davon abhal¬≠ten, uto¬≠pi¬≠sches Den¬≠ken zuzu¬≠las¬≠sen und mir gebie¬≠ten, Gege¬≠ben¬≠hei¬≠ten als unver¬≠√§n¬≠der¬≠li¬≠che Zust√§n¬≠de zu begrei¬≠fen. Und genau des¬≠halb sind Tag¬≠tr√§u¬≠me eine Kul¬≠tur¬≠tech¬≠nik, der wir mehr Gewicht zuge¬≠ste¬≠hen soll¬≠ten. Sie sind wie Rei¬≠sen, sie tra¬≠gen in eine ande¬≠re Wirk¬≠lich¬≠keit, √∂ff¬≠nen neue M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten. Und manch¬≠mal wei√ü ich danach, was ich nun tun m√∂ch¬≠te, um die ertr√§um¬≠ten Zust√§n¬≠de zu erreichen. 

Johan¬≠na Worbs ist Lite¬≠ra¬≠tur¬≠wis¬≠sen¬≠schaft¬≠le¬≠rin und Kon¬≠zep¬≠te¬≠rin. Ihr Schwer¬≠punkt liegt in den Berei¬≠chen Mobi¬≠li¬≠t√§t und Betei¬≠li¬≠gungs¬≠for¬≠ma¬≠te mit einem beson¬≠de¬≠ren Inter¬≠es¬≠se f√ľr die Gestal¬≠tung gesell¬≠schaft¬≠li¬≠cher Ver¬≠√§n¬≠de¬≠rungs¬≠pro¬≠zes¬≠se. Seit 2015 arbei¬≠tet sie bei der Iden¬≠ti¬≠t√§ts¬≠stif¬≠tung in Hannover.

Bäu­me statt Parkplätze

Zur√ľck in mei¬≠nen Tag¬≠traum, in dem es allen vor¬≠an um Bewe¬≠gung geht. Wie doch eigent¬≠lich alle Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen von der Zukunft mit Bewe¬≠gung zu tun haben. Die Fort¬≠be¬≠we¬≠gungs¬≠mit¬≠tel in mei¬≠ner Uto¬≠pie sind ele¬≠gan¬≠ter, beweg¬≠li¬≠cher, lei¬≠ser, sport¬≠li¬≠cher. Die meis¬≠ten davon geh√∂¬≠ren nie¬≠man¬≠dem und ste¬≠hen damit allen zur Ver¬≠f√ľ¬≠gung, vor allem der √∂ffent¬≠li¬≠che Nah¬≠ver¬≠kehr in den St√§d¬≠ten, der auf wei¬≠te¬≠re Fort¬≠be¬≠we¬≠gungs¬≠mit¬≠tel aus¬≠ge¬≠wei¬≠tet wur¬≠de wie Boots¬≠ver¬≠kehr, Seil¬≠bah¬≠nen, Fahr¬≠r√§¬≠der, ein¬≠zel¬≠ne Robotaxis. 

Autos gibt es zwar wei¬≠ter¬≠hin, aller¬≠dings sel¬≠ten noch in Pri¬≠vat¬≠be¬≠sitz, sie fah¬≠ren pro¬≠gram¬≠miert und wer¬≠den vor allem in den l√§nd¬≠li¬≠chen Regio¬≠nen genutzt. L√§n¬≠ge¬≠re Stre¬≠cken erle¬≠digt man nicht mehr indi¬≠vi¬≠du¬≠ell, son¬≠dern mit Bahn oder Schiff. Die urba¬≠nen Innen¬≠st√§d¬≠te sind mehr oder weni¬≠ger auto¬≠frei, abge¬≠se¬≠hen von Kran¬≠ken¬≠trans¬≠por¬≠ten oder Lie¬≠fer¬≠ver¬≠kehr. In den leer gewor¬≠de¬≠nen Park¬≠h√§u¬≠sern befin¬≠den sich jetzt Gesch√§f¬≠te, Restau¬≠rants, Kul¬≠tur¬≠ein¬≠rich¬≠tun¬≠gen, auf den ehe¬≠ma¬≠li¬≠gen Park¬≠pl√§t¬≠zen ste¬≠hen heu¬≠te B√§u¬≠me. Urban Gar¬≠de¬≠ning mit¬≠ten in M√ľn¬≠chen ist kei¬≠ne Sel¬≠ten¬≠heit mehr. Das f√ľhrt zu einer Umnut¬≠zung der R√§u¬≠me. Und zu einem neu¬≠en Zusammenleben.

Ein neu­er Mythos der Bewegung

Wenn alle Men¬≠schen in ihrer Mobi¬≠li¬≠t√§t die glei¬≠chen M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten bekom¬≠men, heben sich sozia¬≠le Unter¬≠schie¬≠de an man¬≠chen Stel¬≠len auf. Men¬≠schen, deren finan¬≠zi¬≠el¬≠le Mit¬≠tel heu¬≠te teil¬≠wei¬≠se nicht f√ľr die t√§g¬≠li¬≠che Fahrt mit dem √ĖPNV zur Schu¬≠le oder Arbeit aus¬≠rei¬≠chen, die sich eben kei¬≠ne Bewe¬≠gungs¬≠frei¬≠heit erkau¬≠fen k√∂n¬≠nen, sind dann auch dabei. Denn sie k√∂n¬≠nen frei¬≠er ent¬≠schei¬≠den, ob sie sich bewe¬≠gen m√∂ch¬≠ten: einen Aus¬≠flug mit den Kin¬≠dern in die Stadt, eine Tages¬≠tour ans Meer‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČdie leist¬≠ba¬≠ren Optio¬≠nen wer¬≠den zumin¬≠dest gr√∂√üer. 

Die M√∂g¬≠lich¬≠keit zu rei¬≠sen war immer auch eine M√∂g¬≠lich¬≠keit, den Hori¬≠zont zu erwei¬≠tern, die Per¬≠spek¬≠ti¬≠ve zu wech¬≠seln, kul¬≠tu¬≠rel¬≠le und intel¬≠lek¬≠tu¬≠el¬≠le Erfah¬≠run¬≠gen zu machen und sich per¬≠s√∂n¬≠lich wei¬≠ter¬≠zu¬≠ent¬≠wi¬≠ckeln. Nicht umsonst schick¬≠ten die rei¬≠chen Fami¬≠li¬≠en im 19. Jahr¬≠hun¬≠dert ihre S√∂h¬≠ne auf eine Bil¬≠dungs¬≠rei¬≠se. In mei¬≠ner Tag¬≠traum-Welt ist es nicht mehr den S√∂h¬≠nen finan¬≠zi¬≠ell Bes¬≠ser¬≠ge¬≠stell¬≠ten vor¬≠be¬≠hal¬≠ten, eine Bil¬≠dungs¬≠rei¬≠se zu unter¬≠neh¬≠men. Jeder Mensch hat jetzt dazu die Chan¬≠ce und wird zus√§tz¬≠lich √ľber all¬≠ge¬≠mei¬≠ne Pro¬≠gram¬≠me ange¬≠reizt, direkt nach der Schu¬≠le f√ľr ein paar Mona¬≠te zu rei¬≠sen‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČkostenlos. 

Es sind Mythen, denen wir gemein¬≠schaft¬≠lich fol¬≠gen, die eine Gesell¬≠schaft for¬≠men und zusam¬≠men¬≠hal¬≠ten. Fr√ľ¬≠her war es der Mythos von Wachs¬≠tum und Besitz, der im indus¬≠tri¬≠el¬≠len Zeit¬≠al¬≠ter auf¬≠kam. In mei¬≠ner Tag¬≠traum-Welt ist ein neu¬≠er Mythos sinn¬≠stif¬≠tend: Er han¬≠delt von soli¬≠da¬≠ri¬≠scher Beweg¬≠lich¬≠keit und Aus¬≠tausch. Ver¬≠net¬≠zung ist kein Wort mehr, das haupt¬≠s√§ch¬≠lich im Bereich des Digi¬≠ta¬≠len, der Finanz¬≠welt oder im Bezug auf Waren benutzt wird, son¬≠dern wird auch im All¬≠tag gelebt. Die Mobi¬≠li¬≠t√§ts¬≠wen¬≠de, das ist klar, beginnt im Kopf.

Zur√ľck¬≠blei¬≠ben, bit¬≠te, soll¬≠te niemand

F√ľr Men¬≠schen ist jeder unge¬≠woll¬≠te Aus¬≠schluss aus der Gesell¬≠schaft eine Dem√ľ¬≠ti¬≠gung. Kann ich nicht Bus fah¬≠ren, weil ich mir kein Ticket leis¬≠ten kann, ver¬≠rin¬≠gert sich also nicht nur mein poten¬≠ti¬≠el¬≠ler Bewe¬≠gungs¬≠ra¬≠di¬≠us, son¬≠dern auch mein Zuge¬≠h√∂¬≠rig¬≠keits¬≠ge¬≠f√ľhl zur Gesell¬≠schaft wird gest√∂rt. W√§re die¬≠se Begren¬≠zung auf¬≠ge¬≠ho¬≠ben, k√∂nn¬≠ten sich alle frei¬≠er bewe¬≠gen, phy¬≠si¬≠ka¬≠lisch eben¬≠so wie mental.

Wei¬≠ter im Tag¬≠traum: Es gibt nicht nur fahr¬≠schein¬≠frei¬≠en Ver¬≠kehr f√ľr alle, es √∂ff¬≠nen sich auch T√ľren f√ľr eine neue Form der Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on. Das stel¬≠le ich mir so vor: Im Bus sind ver¬≠schie¬≠de¬≠ne Berei¬≠che gestal¬≠tet, in denen ich mich auf¬≠hal¬≠ten kann. Ich ent¬≠schei¬≠de beim Ein¬≠stei¬≠gen, wo ich bei die¬≠ser Fahrt sein m√∂ch¬≠te, was mein Bed√ľrf¬≠nis ist und was mei¬≠ner Stim¬≠mung entspricht.

Im ers¬≠ten Bereich kann ich mich ent¬≠span¬≠nen, es ist ruhig und das Licht ange¬≠nehm. Dort wird nicht gespro¬≠chen, es geht dar¬≠um, Ener¬≠gie zu tan¬≠ken und aus der Hek¬≠tik zu kom¬≠men. Ich kann die Fahrt zur Rege¬≠ne¬≠ra¬≠ti¬≠on nut¬≠zen. Schla¬≠fen. Lesen. Musik h√∂ren. Nichts tun. Ein¬≠stei¬≠gen, um aus¬≠zu¬≠stei¬≠gen. Viel¬≠leicht wird sogar etwas Mas¬≠sa¬≠ge oder Well¬≠ness ange¬≠bo¬≠ten. Wer wei√ü.

Eine fah­ren­de Sprachschule

Im zwei¬≠ten Bereich kann ich mich mit ande¬≠ren aus¬≠tau¬≠schen. Es gibt eine aktu¬≠el¬≠le Fra¬≠ge des Tages, die dort mit¬≠ein¬≠an¬≠der dis¬≠ku¬≠tiert wer¬≠den kann. Manch¬≠mal sind auch Abstim¬≠mun¬≠gen m√∂g¬≠lich, das Mei¬≠nungs¬≠bild des Tages wird jeweils am n√§chs¬≠ten Mor¬≠gen ver¬≠√∂f¬≠fent¬≠licht und an die B√ľrgermeister*innen und Ver¬≠wal¬≠tun¬≠gen wei¬≠ter¬≠ge¬≠ben, damit sie die Ergeb¬≠nis¬≠se in ihre wei¬≠te¬≠re Arbeit ein¬≠be¬≠zie¬≠hen. Die Fra¬≠ge k√∂nn¬≠te lau¬≠ten: Wo soll¬≠ten wir die neue Seil¬≠bahn bau¬≠en? Sie k√∂nn¬≠te auch lau¬≠ten: Soll¬≠ten wir Z√∂l¬≠le auf au√üer¬≠re¬≠gio¬≠na¬≠les Gem√ľ¬≠se erhe¬≠ben? Oder: Wie kann der Park umge¬≠stal¬≠tet wer¬≠den? Wie k√∂n¬≠nen wir die Ver¬≠kehrs¬≠si¬≠cher¬≠heit ver¬≠bes¬≠sern? Wie und was und wo sol¬≠len unse¬≠re Kin¬≠der lernen? 

In die¬≠sem Bereich dis¬≠ku¬≠tie¬≠ren alle mit¬≠ein¬≠an¬≠der. Von der Stadt¬≠ver¬≠wal¬≠tung ist den gan¬≠zen Tag jemand mit dabei, um Ide¬≠en und Anre¬≠gun¬≠gen mit¬≠zu¬≠neh¬≠men, Infor¬≠ma¬≠tio¬≠nen zu geben und im Aus¬≠tausch mit den B√ľr¬≠ge¬≠rin¬≠nen und B√ľr¬≠gern zu sein. Die Men¬≠schen f√ľh¬≠len sich infor¬≠mier¬≠ter √ľber die Ent¬≠wick¬≠lun¬≠gen und The¬≠men in ihrer Stadt und ihrem Quar¬≠tier. Neu¬≠zu¬≠ge¬≠zo¬≠ge¬≠ne Men¬≠schen fin¬≠den √ľber die¬≠se Platt¬≠form schnel¬≠ler und unkom¬≠pli¬≠ziert Anschluss. Mit¬≠be¬≠stim¬≠mung wird gelebt und damit kann auch mehr Eigen¬≠ver¬≠ant¬≠wor¬≠tung √ľber¬≠nom¬≠men werden. 

M√∂g¬≠li¬≠cher¬≠wei¬≠se gibt es zus√§tz¬≠lich klei¬≠ne Spracht¬≠an¬≠dems, wenn jemand eine Spra¬≠che ler¬≠nen m√∂ch¬≠te. Eine Zwei¬≠er-Sitz¬≠bank, die dazu ein¬≠l√§dt, ein kur¬≠zes Gespr√§ch auf deutsch, eng¬≠lisch, spa¬≠nisch oder ara¬≠bisch zu f√ľh¬≠ren‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČje nach per¬≠s√∂n¬≠li¬≠chem Wunsch. Eine fah¬≠ren¬≠de Sprach¬≠schu¬≠le f√ľr den Alltag.

Leicht und fließend

Im drit¬≠ten Bereich kann ich b√ľro¬≠kra¬≠ti¬≠sche Wege im Bus erle¬≠di¬≠gen. Die Stadt¬≠ver¬≠wal¬≠tung hat eine mobi¬≠le Stel¬≠le in den Bus¬≠sen ein¬≠ge¬≠rich¬≠tet. Ummel¬≠dun¬≠gen, Anmel¬≠dun¬≠gen, Antr√§¬≠ge k√∂n¬≠nen dort direkt bekom¬≠men oder abge¬≠ge¬≠ben, Fra¬≠gen gestellt wer¬≠den. In man¬≠chen Bus¬≠sen kann man auch hei¬≠ra¬≠ten, das sind Son¬≠der¬≠li¬≠ni¬≠en. Und in allen Bus¬≠sen ist eine Per¬≠son von der Stadt¬≠ver¬≠wal¬≠tung, die mit allen Men¬≠schen spricht und sie √ľber b√ľro¬≠kra¬≠ti¬≠sche The¬≠men auf¬≠kl√§rt und ber√§t. 

Der vier­te Bereich ist ein Kin­der­pa­ra­dies, sehr bunt und vol­ler Bil­der und Geschich­ten zum Vor­le­sen oder Sel­ber­le­sen, in ver­schie­de­nen Spra­chen und mit einer Per­son, die den Bereich betreut.

Leicht und flie¬≠√üend, die¬≠se bei¬≠den Wor¬≠te schie¬≠√üen mir durch den Kopf. Kein War¬≠ten, kein Dr√§n¬≠geln, die Bus¬≠se in mei¬≠nem Tag¬≠traum fah¬≠ren in einem dich¬≠ten Takt, so dass sie nie √ľber¬≠las¬≠tet sind. Da es so wenig Autos mehr gibt, ist es ein sehr gleich¬≠m√§¬≠√üi¬≠ger Ver¬≠kehrs¬≠fluss und zudem viel lei¬≠ser, weil elek¬≠tro¬≠be¬≠trie¬≠be¬≠ne Fahr¬≠zeu¬≠ge √ľberwiegen. 

Zusam­men fah­ren, zusam­men entscheiden

Busfahrer*innen haben, da die Fahr¬≠zeu¬≠ge pro¬≠gram¬≠miert fah¬≠ren, ganz neue Funk¬≠tio¬≠nen und M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten. Ihre Aus¬≠bil¬≠dung umfasst Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on, Stadt- und Kul¬≠tur¬≠ge¬≠schich¬≠te, inter¬≠kul¬≠tu¬≠rel¬≠le Bil¬≠dung und P√§d¬≠ago¬≠gik. Sie sind Exper¬≠tin¬≠nen und Exper¬≠ten daf√ľr, mit ver¬≠schie¬≠de¬≠nen Men¬≠schen zu kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren und sie in einen Aus¬≠tausch zu brin¬≠gen. Sie √ľber¬≠neh¬≠men eine sozia¬≠le Rol¬≠le, die sie vor¬≠her nur meta¬≠pho¬≠risch hat¬≠ten: Men¬≠schen mit¬≠ein¬≠an¬≠der in Kon¬≠takt zu bringen. 

Der √∂ffent¬≠li¬≠che Ver¬≠kehr steht nicht mehr nur Fort¬≠be¬≠we¬≠gungs¬≠mit¬≠tel, son¬≠dern begreift sich viel¬≠mehr als ein inte¬≠gra¬≠les Sys¬≠tem, das Ver¬≠bin¬≠dun¬≠gen zwi¬≠schen unter¬≠schied¬≠li¬≠chen sozia¬≠len Grup¬≠pen schafft. Daf√ľr wer¬≠den Pro¬≠gram¬≠me abge¬≠stimmt, um den √∂ffent¬≠li¬≠chen Aus¬≠tausch anzu¬≠re¬≠gen und zu f√∂rdern.

Wenn ich an einer Gemein¬≠schaft aktiv teil¬≠neh¬≠men kann, ent¬≠steht ein Gef√ľhl der Zuge¬≠h√∂¬≠rig¬≠keit und ich ent¬≠wi¬≠cke¬≠le Ver¬≠st√§nd¬≠nis f√ľr Pro¬≠zes¬≠se und Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen. Dazu tr√§gt die Kennt¬≠nis von Stadt- und Kul¬≠tur¬≠ge¬≠schich¬≠te bei, eben¬≠so der Aus¬≠tausch mit ande¬≠ren Men¬≠schen, die am sel¬≠ben Ort leben. Die Erfah¬≠rung von Selbst¬≠wirk¬≠sam¬≠keit, bei poli¬≠ti¬≠schen Fra¬≠gen geh√∂rt zu wer¬≠den und mit¬≠be¬≠stim¬≠men zu k√∂n¬≠nen. Oder die M√∂g¬≠lich¬≠keit, mich jeder¬≠zeit bewe¬≠gen zu k√∂n¬≠nen, ande¬≠re Ein¬≠fl√ľs¬≠se zu erle¬≠ben, ande¬≠re Per¬≠spek¬≠ti¬≠ven kennenzulernen. 

Ein Abgren­zungs­in­stru­ment weniger

Ich habe eine Aver¬≠si¬≠on gegen √ľber¬≠f√ľll¬≠te Bus¬≠se und U-Bah¬≠nen, in denen nach mei¬≠nem Emp¬≠fin¬≠den alle direkt beim Ein¬≠stei¬≠gen eine unge¬≠sun¬≠de Gesichts¬≠far¬≠be bekom¬≠men und schlech¬≠te Lau¬≠ne sowie¬≠so. Aber wenn es ein Raum w√§re, der sozia¬≠le Auf¬≠ga¬≠ben erf√ľll¬≠te, statt ein Fahr¬≠zeug, das nur die Stre¬≠cke zwi¬≠schen A und B zur√ľck¬≠leg¬≠te‚ÄČ‚ÄĒ‚ÄČwas w√§re dann?

W√§re der √∂ffent¬≠li¬≠che Ver¬≠kehr fahr¬≠schein¬≠frei, h√§t¬≠ten wir ein sozia¬≠les Abgren¬≠zungs¬≠in¬≠stru¬≠ment weni¬≠ger in unser Sys¬≠tem instal¬≠liert. W√§re zudem der Ver¬≠kehr in den √ľber¬≠wie¬≠gen¬≠den Antei¬≠len √∂ffent¬≠lich und w√ľr¬≠de dar¬≠√ľber¬≠hin¬≠aus ver¬≠mehrt Sharing-Kon¬≠zep¬≠ten fol¬≠gen, k√∂nn¬≠ten wir Mobi¬≠li¬≠t√§t von Sta¬≠tus¬≠sym¬≠bo¬≠lik tren¬≠nen. Nicht der fet¬≠te SUV w√§re dann Vor¬≠zei¬≠ge¬≠ob¬≠jekt, son¬≠dern viel¬≠mehr die Erfah¬≠run¬≠gen von der letz¬≠ten Rei¬≠se w√ľr¬≠den ausgetauscht.

Was ich selbst mit¬≠ge¬≠stal¬≠te, das zer¬≠st√∂¬≠re ich sel¬≠ten. Ich ver¬≠ste¬≠he, war¬≠um es gestal¬≠tet ist, wie es gestal¬≠tet ist und ver¬≠su¬≠che, es zu ver¬≠bes¬≠sern, wo es mir m√∂g¬≠lich ist. Ich bin nicht au√üen, son¬≠dern Teil des Gan¬≠zen. Ich begrei¬≠fe mich selbst als Gestal¬≠tungs¬≠kraft mei¬≠ner eige¬≠nen Zukunft.